News | 19 Tage

Star Trek: Lower Decks - Rezension zur Episode 1.05 "Cupid’s Errant Arrow"

Die fünfte Episode wird problemlos zum ersten Highlight der jungen Serie und beweist, dass der für Trek-Verhältnisse noch ungewohnte Mix richtig gut funktionieren kann.

Lower5c

von Björn Sülter

Star Trek: Lower Decks befindet sich bereits für den deutschen Markt in Arbeit. Wir halten euch auf dem Laufenden, auf welchem Streamingdienst (oder Sender) der neuste Streich landen wird.

Achtung: Die Rezensionen sind nicht spoilerfrei. Wer also nichts über die einzelnen Episoden wissen möchte, liest sie einfach erst nach Verfügbarkeit in Deutschland.

Lower5d

Zum Inhalt:

Mariner bezweifelt, dass es sich bei Boimlers Freundin wirklich um einen Menschen handeln kann, was sie zu allerlei Tests verleitet. Derweil verbringen Tendi und Rutherford Zeit auf der USS Vancouver und die Brückencrew der Cerritos kümmert sich um ein Problem mit einem Mond ...

A-Story: Liebe, Lust und Leiden

Im Fokus der aktuellen Episode steht die Liebe, genauer gesagt die frische Beziehung von Bradward "Brad" Boimler und Barbara "Barb" Brinson von der USS Vancouver. Es ist erneut Mariner, die das junge Glück trübt, da sie erstens nicht glauben kann, dass ausgerechnet Brad eine heiße Freundin hat (und allerlei dazu Theorien aufstellt) und zweitens bei ihrem Kumpel Zweifel säht, was diesen zu einigen peinlichen Auftritten verleitet.

Man darf Mariner dabei problemlos niedere Instinkte unterstellen. Schließlich ist es für sie gänzlich unglaubwürdig, dass eine tolle Frau wie Barb sich mit Brad einlassen würde. Keine schöne Sichtweise! Doch zeigt ihr Handeln vielleicht auch (oder sogar eher?) wie zuletzt in der Geschichte mit dem Ferengi eine tiefe Verbundenheit zu ihrem Kollegen und Freund. Man wird abwarten müssen, was die Autoren an dieser Stelle vorhaben. Eine romatische Beziehung gar? Ein will-they-or-wont-they?

Achja: Einen Flashback gibt es auch noch. Dieser wäre an sich gar nicht weiter spektakulär, da er nur eine kurze Episode aus Mariners Vergangenheit auf der USS Quito zeigt. Er spielt allerdings in einer Bar auf einer cardassianischen Raumstation. Klingelts? Obendrauf tragen alle Sternenflottenoffiziere die aus DS9 (ab Staffel 5) und den letzten TNG-Kinofilmen bekannten Uniformen dieser Zeit. Das trägt freilich auch zu einiger Verwirrung bei. Die Uniformen wurden erst 2373 eingeführt, sieben Jahre vor Star Trek: Lower Decks. In Mariners Erinnerung dreht sich die Unterhaltung allerdings um Geschehnisse aus der Episode Angriff der Borg (Descent) aus TNG, die allerdings bereits 2369 und somit vier Jahre vorher gespielt hat. Man sagt doch eigentlich, dass Gerüchte schneller als Warp reisen, oder? Außerdem wirft die Sache natürlich noch Fragen in Bezug auf die aus Star Trek: Picard bekannten Uniformen auf. Die Sternenflotte hat es wirklich nicht mit Konstanz ...

B-Story: Home is where the heart is

Tendi und Rutherford müssen erneut für die Nebenhandlung der vier Lower Deckers herhalten. Nach fünf Episoden lässt sich vorsichtig annehmen, dass die Macher ihren Fokus auf Boimler und Mariner legen und das andere Duo nur für die zweite Geige einplanen. Wenn dies so wie hier geschieht ist dagegen aber nichts einzuwenden.

Ein Trip auf die modernere USS Vancouver bringt in jedem Fall ein paar Probleme mit sich, als der Vorgesetzte die beiden zwangstransferieren will; allerdings nur, weil er selber überfordert und unglücklich ist und sich nach einem simpleren Posten sehnt.

Erneut fällt die Energie auf, mit der die beiden ihre wissenschaftlichen Arbeiten betreiben. An dieser Stelle weht trekkiger Forschergeist durch die Serie. Dass sie am Ende noch zu der Erkenntnis kommen, dass es auf der Cerritos eigentlich ziemlich cool ist, trotz aller Schwächen, entblößt obendrauf eine Menge Herz und macht Spaß.

C-Story: wer wohnt denn da?

Während unsere vier Helden also erneut für das Chaos stiften zuständig sind, erhält die Brückencrew rund um Freeman die Chance, endlich einmal Klasse zu beweisen und ein typisches Trek-Episodenproblem der Woche mit Ruhe und Souveränität zu lösen. Insbesondere der Captain wirkt nach einigen Aussetzern zuletzt endlich mal wieder kompetent und qualifiziert. Erinnerungen an Episoden wie Der stumme Vermittler (Loud as a Whisper) aus TNG werden bei den Szenen mit den Fremden wach und bringen somit schönstes 90er-Flair zurück. Als am Ende einer der außerirdischen Besucher auf der Brücke auf die Knie sinkt und jammert, fühlt man sich derweil fast an das Ende von Der Planet der Affen erinnert. Gute Arbeit!

Hübsch ist auch, wie geschickt und subtil man auf Star Trek II: Der Zorn des Khan (Star Trek II: The Wrath of Khan) anspielt. Dort wurde Ceti Alpha V für Ceti Alpha VI gehalten, da niemand bei der Sternenflotte wusste, das letzterer zwischenzeitlich zerstört wurde. Hier sagt nun Freeman, man würde die Einheimischen vom fünften auf den sechsten Mond umsiedeln, der nach der Zerstörung des fünften technisch gesehen ohnehin der fünfte wäre. Clever! Dieser fünfte Mond sah obendrauf auch noch aus wie Praxis, der klingonische Mond aus Star Trek VI: Das unentdeckte Land (Star Trek VI: The Undiscovered Country). So funktionierts auch mit den Referenzen!

Lower5b

der Mix machts

All diese Elemente kommen endlich und besser als zuvor gesehen zusammen und ergeben eine Episode, die nicht nur eine charmante Geschichte erzählt, ein angemessenes Tempo vorlegt und viele zum Thema passende Referenzen einbindet sondern auch noch eine deutlich höhere Treffsicherheit bei den Gags zu bieten hat. Die C-Story wäre in einer normalen Trek-Episode die A-Story gewesen, die A- und B-Stories die B- und C-Stories. Somit setzen die Macher hier erstmals die vor Serienstart geäußerte Vision ihrer Show konsequent um. Perfekt passt dazu, dass sich die Brückenoffiziere nicht wie Freaks verhalten, sondern größtenteils beruhigt und seriös ihren Job machen. Die Dosis Humor geht somit auch gerade noch als angemessen durch, was zuvor nur selten gelang.

Mariner befindet sich dafür zwar erneut außer Rand und Band und stellt das Schiff auf den Kopf, diesmal kann man ihre Agenda aber nachvollziehen. Sie verstrickt sich tief in Dinge, die sie irgendwo einmal gehört hat (und die wir Fans der verschiedenen Serien natürlich in- und auswendig kennen) und steigert sich somit in etwas hinein, das sich am Ende vollkommen anders darstellt als gedacht.

Tendi und Rutherford können erneut ihre technische Begeisterungsfähigkeit ausleben, lernen aber auch eine wichtige Lektion: Es ist nicht dort am schönsten, wo der höchste technische Standard zu finden ist, sondern dort, wo man gebraucht wird. Eine schöne Message, die auch gleich noch klärt, warum nicht jeder auf einem Schiff wie der USS Enterprise dienen möchte. Star Trek: Lower Decks war bisher nicht so erfolgreich damit gewesen, trekkige Ideale nachvollziehbar abzubilden. Hier gelingt es jedoch gut. Auch die überraschende Sichtweise des Technikers von der Vancouver (dessen Passwort sinnigerweise das eines zweiten Mannes ist: RIKER) passt da ins Bild: Manchmal reicht auch ein netter, kleiner Job ohne das große Drama. Letztlich wollen wir doch alle nur glücklich sein.

Boimler kommt in diesem Zusammenhang natürlich die tragische Rolle zu, da er seine Liebe offenbar schnell wieder verliert. Seine Bemühungen um Coolness sind grenzwertig, passen aber ins Bild.

Insgesamt gibt es nur zwei oder drei Szenen, die ein wenig zu dick auftragen, beispielsweise wenn Mariner die Kollegen brutal aus dem Weg räumt. All das stört hier aber nicht das Gesamtbild.

Lower5e

Easter Eggs

  • Die USS Quito gehört zur Olympic-Klasse und ist somit von der gleichen Schiffsklasse wie die USS Pasteur (Beverly Crushers Schiff aus Gestern, heute, morgen (All Good Things)).
  • Grünes Plasmafeuer gab es in fast allen anderen Serien zu bestaunen. Wer erinnert sich nicht an Geordi und Crusher im Shuttlehangar?
  • Die Crew der Quito befindet sich in den Rückblenden auf Deep Space Nine, auch wenn der Name nicht genannt wird. Dabei gibt es auch wieder die aus der Serie (und den letzten TNG-Kinofilmen) bekannten Uniformen mit dem grauen Schulterstück zu sehen.
  • Die Ereignisse aus Angriff der Borg (Descent) werden erwähnt, auch wenn diese zeitlich einige Jahre zuvor gespielt haben müssten.
  • Mariner hat einige Theorien bezüglich Brinson zu bieten. Dabei pflügt sie quer durch den Kanon und erwähnt beispielsweise Geschehnisse aus Datas Tag (Data´s Day) aus TNG, das Salzmonster aus Das letzte seiner Art (The Man Trap) aus der Classic-Serie oder - erneut TNG - die Edo aus Prüfungen (Justice).
  • Mariner besitzt eine Verschwörungswand, auf der man allerlei spannende Beobachtungen machen kann. Dazu gehören ein Suliban, das Salzmonster, die Binären, Transporter-Doppelgänger, ein Buckelwal, ein Xindi-Reptiloid, ein geschlechtsloser Soong-Androide (wie Lal) und eine kosmetisch veränderte Cardassianerin. Ein kleiner Schnitzer (oder ein Gag, der sehr um die Ecke geht) schlich sich an dieser Stelle aber auch ein: Mariner bezeichnet Anya, den Allasomorph aus Die Thronfolgerin (The Dauphin), als "Dauphin", wobei es sich aber um den Titel der Episode handelt, nicht um die Spezies.
  • Die Breen feiern ein Comeback.
  • Boimler verschenkt einen Teddybär mit VISOR und goldener Uniform. Wer denkt da nicht an Geordi?

Fazit

Es geht doch! Nach der Talsohle in der vergangenen Woche erleben wir nun direkt den ersten Höhepunkt der Serie. Während die Brückenoffiziere endlich einmal konstruktiv und professionell am Problem der Woche arbeiten, machen die turbulenten Liebesverwicklungen rund um Boimler sowie Tendis und Rutherfords Abstecher auf die USS Vancouver einfach Spaß. Hinzu kommt: Viele Gags sitzen, die Figuren wachsen langsam ans Herz, das Timing stimmt und die Story ist ohnehin ein Fest für Trekkies. So kann es weitergehen! Hoffen wir einfach, dass die Serie nun ihren Groove finden wird!

*

Kommende Woche geht es weiter mit Ausgabe #55 von Planet Trek fm rund um die fünfte und sechste Episode der Serie. Gastgeber Björn Sülter empfängt dazu wieder spannende Gäste. Am nächsten Wochenende folgt noch eine neue Rezension zur sechsten Episode der Serie.

Lower1