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Star Trek: Lower Decks - Rezension zur Episode 1.06 "Terminal Provocations"

Die sechste Episode verfällt in alte Muster und laviert sich mehr schlecht als recht durch eine belanglose Geschichte voller mal hübscher, mal aufgesetzter Referenzen und Albernheiten.

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von Björn Sülter

Star Trek: Lower Decks befindet sich bereits für den deutschen Markt in Arbeit. Wir halten euch auf dem Laufenden, auf welchem Streamingdienst (oder Sender) der neuste Streich landen wird. Allerdings ist nach aktuellen Informationen wider Erwarten nicht mit einer schnellen Lösung zu rechnen. Eventuell sollte man die Serie doch eher nach der Ausstrahlung der dritten Staffel von Star Trek: Discovery erwarten.

Achtung: Die Rezensionen sind nicht spoilerfrei. Wer also nichts über die einzelnen Episoden wissen möchte, liest sie einfach erst nach Verfügbarkeit in Deutschland.

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Zum Inhalt:

Während die Führungscrew versucht, hartnäckig-feindselige Piraten abzuwehren, müssen sich Boimler und Mariner mit den Turbulenzen des Kollegen Fletcher herumärgern, während Rutherford und Tendi auf dem Holodeck nicht nur Bajor und eine Eiswüste besuchen, sondern in echte Schwierigkeiten geraten ...

A-Story: Chu-Chu mit der delta-Schicht

Die Handlung rund um Boimler, Mariner und den nervtötenden Kollegen Fletcher kommt erneut viel zu hektisch daher und kann weder durch Wortwitz punkten noch einen Blumentopf für die Geschichte gewinnen. Zu vorhersehbar spielt sich alles ab, zu wild eskaliert die Situation.

Hübsch ist aber immerhin, wie Mariner am Ende Fletcher die Belobigung samt Beförderung und Transfer auf die USS Titan verschafft. Nun ja, ihre Motive sind freilich fragwürdig: Sie wollte ihn nur loswerden. Dass der Kollege unter dem Kommando von Captain Riker (der allerdings erstaunlicherweise nicht erwähnt wird!) nur sechs Tage übersteht, verwundert nicht weiter.

Boimler fällt dann am Ende jedoch noch eine interessante Bemerkung zu: Mariner würde zwar ständig die Regeln brechen, im Herzen sei sie aber Starfleet. Ob wir das wohl noch häufiger zu sehen bekommen werden? Im Grunde ist Mariner eine Art weiblicher Kirk; insbesondere angelehnt an jenen aus dem ersten Reboot-Film. Sie formuliert ihre eigenen Regeln und folgt ihrem eigenem Kodex. Ob sie das aus den richtigen Gründen tut und am Ende vielleicht wirklich eine Führungsperson in ihr steckt, wird die Serie uns vielleicht später noch erzählen. Für den Moment wirkt ihre Flapsigkeit oft eher wie eine faule Ausrede für mangelndes Verantwortungsbewusstsein. Es könnte aber auch viel mehr dahinterstecken. Man wird sehen.

B-Story: Mr. Badgy goes wild

Dafür ist das Abenteuer auf dem Holodeck rund um den amoklaufenden Badgy (der eine düstere Version von Karl Klammer alias Clippit oder Clippy aus Windows97 darstellt) ganz hübsch und zeigt, wie nah sich Rutherford und Tendi inzwischen gekommen sind. Eigentlich wollten sie nur ein Trainingsprogramm ausführen, um Tendis fehlende Spacewalk-Expertise auszugleichen. Dass dabei alles schief geht versteht sich von selbst. Der Trip nach Bajor erfreut dabei DS9-Fans, die Eiswüste bedient eher die Classic-Fraktion. Der Umgang mit einem der größten Trek-Klischees (der Fehlfunktion des Holodecks) gelingt hier aber auf witzige Weise. Gags wie der Ladebalken von Badgy zeigen zudem, wie der Humor der Serie auch hintergründiger funktionieren kann.

Nett ist auch, dass die Abschaltung der Sicherheitsprotokolle des Holodecks wirklich einmal Auswirkungen hat. Die Szene, in der Rutherford blutig geschlagen wird, ist zwar keine Freude für Zuschauer, wirkt aber absolut realistisch im Zusammenhang mit einer derartigen Fehlfunktion und negiert den meist konsequenzbefreiten Umgang der anderen Serien mit dem Thema.

C-Story: nicht ohne meine teile

Die Handlung rund um die Brückencrew ist ganz witzig, da sie verschiedene Trek-Tropen aneinanderreiht. So möchte Captain Freeman bis zum Exzess den diplomatischen Weg beschreiten, während ihr Sicherheitsmann Shaxs, der sich konflikthungrig wie Worf und Tasha ins Quadrat benimmt, einfach nur feuern will.

Das Scharmützel und Ringen um Schrott mit den generischen Piraten der Woche rund um ihren einäugigen Anführer (gesprochen von J. G. Hertzler alias Martok aus DS9) zieht sich träge durch die gesamte Episode und endet damit, dass alle Schilde der USS Cerritos zerstört sind. Als Freeman dann endlich unter einer dicken Schicht Sternenflotten-Pathos begraben den Feuerbefehl gibt, sind die Waffen natürlich defekt, was Shaxs schwer frustriert.

Dennoch: Exakt so kennen wir das. So geht Star Trek! Wirklich gehaltvoll ist das Treiben natürlich nicht, bildet aber erneut dem Konzept der Serie entsprechend den Rahmen für die A- und B-Story. Gut ist auch, dass die Führungsoffiziere seit einigen Episoden zunehmend glaubhafter agieren, wenn schon ihre Lower Deckers oft völlig freidrehen.

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Mix passt, rest ausbaufähig

Erneut passt die formale Ausgestaltung des Plots. Ein typisches Trek-Abenteuer der Woche dient als Katalysator für die Ereignisse rund um Mariner, Boimler, Rutherford und Tendi, die wie gehabt in die üblichen Zweiergruppen aufgeteilt werden. Eine neue Figurenkonstellation wäre zu diesem Zeitpunkt wirklich mal wünschenswert.

Die Geschichte um Mariner, Boimler und Fletcher bleibt dabei blass und wenig erinnerungswürdig. Dafür ist das Abenteuer auf dem Holodeck rund um den amoklaufenden Badgy ganz hübsch. Der Umgang mit einem der größten Trek-Klischees (der Fehlfunktion des Holodecks) gelingt hier auf kreative Weise und macht durchaus Spaß.

In der Summe bleibt die Episode aber hinter ihren Möglichkeiten zurück, weil letztlich nur ein kleiner Teil wirklich gefällt. Das hatten wir vergangene Woche schon deutlich besser.

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Easter Eggs

  • Erneut spielt mexikanisches Essen eine Rolle. Nach den Tacos zuletzt verspeist Dr. T'Ana diesmal Nachos.
  • Offenbar ist Sternenbasis 80 kein Ort, an dem man arbeiten möchte. Ein Job dort kann durchaus als Drohung aufgefasst werden.
  • Rutherford überlegt, ob bei den Trümmern vielleicht Prinzessinnen im Kälteschlaf zu finden sind. Denkt er eventuell an die Enterprise-Episode Precious Cargo (Kostbare Fracht)?
  • Captain Freeman benutzt das Ausweichmanöver "Sulu Alpha".
  • Q wird erneut erwähnt. Wir wissen bereits: bald taucht er auch auf!
  • Der Schlüssel zur Captain's Yacht (die wir aus Star Trek: Nemesis kennen) hat einen Schlüsselring mit Tribble.
  • Die Station Deep Space 3 wurde bereits in der TNG-Episode Interface (Das Interface) erwähnt.
  • Nach fast zwei Jahrzehnten erhalten wir mal wieder eine Holodeck-Episode in der die Technik streikt. Zuletzt war das auf der USS Voyager passiert.
  • Die Lower Deckers machen den Klang des Warpantriebs der Cerritos, der Enterprise-D und der Voyager nach.
  • Den Sonic Shower kennen wir bereits aus Star Trek: Voyager und der Episode Juggernaut (Verheerende Gewalt).
  • Nausicaaner kennt man aus Enterprise, TNG und Deep Space Nine.
  • Rutherford zählt Figuren aus Holoprogrammen auf, denen wir bereits einmal begegnet sind: Sherlock Holmes, Robin Hood, Sigmund Freud, Cyrano de Bergerac, Einstein, Da Vinci, Stephen Hawking und Socrates. Kennt ihr alle zugehörigen Episoden und Serien?

Fazit

Schade: Die sechste Episode fällt zurück in das alte Schema: Die weitestgehend dünne Story ist nur Vehikel für eine ganze Armada von Kanonwitzen und Referenzen an verschiedene Trek-Serien, die mal mehr, mal weniger Freude machen.

Der amoklaufende Badgy auf dem Holodeck ist dabei das einsame Highlight, während das Gezeter rund um Fletcher sowie zwischen Beta- und Deltaschicht nur an den Nerven zerrt und der Konflikt der Brückencrew mit den Piraten zwar nett, aber eben bedeutungslos bleibt. Qualitativ bietet die Serie aktuell ein Wellental. Warten wir ab, ob sie sich gen Staffelende stablisieren kann.

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In gut einer Woche folgt eine neue Rezension zur siebten Episode der Serie.

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