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Star Trek: Lower Decks - Rezension zur Episode 1.07 "Much Ado About Boimler"

Die siebte Episode erfreut mit einer Geschichte, die zunächst vollkommen untrekkig wirkt, dann aber umso überraschender aufgelöst wird. Dass die Nebenhandlung dabei nicht ganz mithalten kann, stört diesmal kaum.

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von Björn Sülter

Star Trek: Lower Decks befindet sich bereits für den deutschen Markt in Arbeit. Wir halten euch auf dem Laufenden, auf welchem Streamingdienst (oder Sender) der neuste Streich landen wird. Allerdings ist nach aktuellen Informationen wider Erwarten nicht mit einer schnellen Lösung zu rechnen. Eventuell sollte man die Serie doch eher nach der Ausstrahlung der dritten Staffel von Star Trek: Discovery erwarten.

Achtung: Die Rezensionen sind nicht spoilerfrei. Wer also nichts über die einzelnen Episoden wissen möchte, liest sie einfach erst nach Verfügbarkeit in Deutschland.

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Zum Inhalt:

Bei einem Transporterexperiment gerät Boimler "außerhalb der Phase" und wird an eine ominöse Einheit überwiesen, die sich mit allerlei schiefgelaufenen Experimenten befasst. Derweil muss Mariner sich mit einer alten Freundin herumschlagen, die es inzwischen zum Captain gebracht hat und Freeman auf der Cerritos vertritt ...

A-Story: Boimler und die farm

Der arme Brad Boimler muss auch diese Woche wieder für eine absurd-turbulente Geschichte herhalten, in die er nur durch seine Gutmütigkeit und naive Begeisterungsfähigkeit hineingerät. Witzig ist insbesondere der Umgang mit seinem Zustand. Es werden nicht die Experten des eigenen Schiffes auf die Lösung des Problems angesetzt, man schickt den armen Jungen direkt zu einer Spezialeinheit, die sich mit derartigen Fällen befasst. Diese stellt sich als düsteres Gruselschiff namens Osler heraus, die angeblich so schöne "Farm" ist nirgendwo zu sehen.

Ein wenig erinnern die Gestalten auf der Osler an den gruseligen Nachbarn aus Toy Story und seine Freakshow. Der Anführer wiederum scheint einem späteren Teil der Pixar-Reihe entsprungen zu sein. Brad macht sich erneut keine Freunde, da er - ganz der Paragraphenreiter - von der geplanten Meuterei dem Missionsleiter berichtet. Im Gegensatz zu Mariner gerät Boimler immer wegen seiner Treue zu Befehlen und Protokollen in Not; hier wird er am Ende sogar aus der Luftschleuse geworfen. Sein Glück: Man ist inzwischen doch auf der "Farm" angekommen! Doch auch dort findet er sein Glück nicht, da er nach Beseitigung seines Zustands kein Freak mehr und somit auch nicht mehr willkommen ist. Armer Brad.

B-Story: mariner und die freundin

Bei Mariner geht es derweil mal wieder um Vergangenheitsbewältigung. In Abwesenheit ihrer Mutter und des Captains der Cerritos trifft sie auf eine Kollegin und Freundin von der Akademie, die es inzwischen zum Captain gebracht hat. Zwar macht es Spaß, die wieder auflebende Freundschaft der beiden mit anzusehen, Mariners zerstreut-desinteressiert-inkompetentes Verhalten wird von den Autoren aber langsam aber sicher zu stark überzeichnet. Angesichts dessen, was sie bisher anbietet, ist die Antwort auf die Frage, warum sie es in der ganzen Zeit nur zum Fähnrich geschafft hat, keine ausschließlich von ihr bewusst getroffene Entscheidung mehr.

Die Referenz an den Jellico-Zwischenfall in TNG ist lustig, die Mission an sich stellt aber leider kein Highlight dar. Spannender ist da schon, wie souverän die geheime Mission der Führungsriege immer wieder aufploppt und somit den Hintergrund für das Treiben der Lower Deckers bildet. Gut so!

Die Auflösung der Geschichte rund um das Wesen, welches auf Energie reagiert und das Schiff konsumiert, erinnert dann aber doch stark an The Expanse, liebe Autoren.

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Too much ado about mariner

Auf der Habenseite kann die Episode eindeutig die kleine Geschichte um Boimler verbuchen. Zunächst wirkt es dabei äußerst befremdlich, dass die Sternenflotte ihre verunfallten Offiziere in einem düsteren Schiff einsperren und wie Gefangene halten sollte. Dass sich am Ende alles anders darstellt, ist daher auch eine willkommene Überraschung.

Denkt man einmal genauer darüber nach, wird es in der Realität eben nicht immer so einfach funktionieren, ein schiefgelaufenes Experiment einfach sofort umgekehren zu können. Das hat man in Star Trek zwar immer wieder gesehen, dürfte aber eben keinem wissenschaftlichen Realitätscheck standhalten, sondern nur den Vorgaben einer fortlaufenden Serie folgen, bei der keine gravierenden Einschnitte gewollt sind. Damit nimmt man Trek-Tropen gekonnt auf die Schippe und fragt: Was macht man eigentlich mit all den armen Seelen?

Auf diese Weise funktioniert dann auch der absurde Humor des Formats endlich einmal richtig gut, beispielsweise als der edosianische Captain überlegt, das Schiff in Zukunft für den Trip zur "Farm" einfach freundlicher einzurichten oder Dinge direkt auszudiskutieren. Auch seine gruselige Lache wird noch trek-typisch in einen Kontext gesetzt: So lacht er eben! Er ist trotzdem ein netter Kerl. Süß!

So richtig kann man derartige Vorgehensweisen und Einrichtungen zwar weiterhin nicht in den bestehenden Kanon einpassen, davon muss man sich aber schlicht verabschieden. Star Trek: Lower Decks spielt zwar im Kanon, dürfte aber langfristig dennoch eine inhaltliche Anomalie darstellen. Schwamm drüber.

Weniger gelungen ist leider erneut die Fixierung auf Mariner, deren Mission eine gewisse Redundanz mit sich bringt und immer wieder nur die gleichen Aussagen zelebriert: Sie hält nichts von Karriere, sie hält nichts von Protokollen, wenn es drauf ankommt ist sie aber mit Tatkraft zur Stelle. Wir haben verstanden. Das macht Mariner aber leider nicht zu einem wirklich wertvollen Offizier (oder Anwärter), was beispielsweise in der Szene deutlich wird, wo sie mal wieder etwas schlicht "auf dem Schiff vergessen" hat. Die junge Dame ist schon so lange dabei, aber immer noch nicht in der Lage, die Basics zu befolgen. Ob sie das in den Augen der Schreiber wirklich langfristig für höhere Weihen qualifiziert? Und wenn ja: was ist die Message?

Darüberhinaus bleibt freilich kaum Platz. Also reicht es für die anderen Lower Deckers nur noch für Statistenrollen. Die Neben-Nebenhandlung rund um Tendi und ihren Hund kann zumindest noch amüsieren, weil sie erneut die Begeisterung für wissenschaftliche Experimente zeigt, für Rutherford bleibt aber diesmal fast gar kein Platz. Außerdem ist es verwunderlich, dass er nach dem Badgy-Drama zuletzt schon wieder mit derart riskanten Experimenten beschäftigt ist. Der Fokus liegt aber ohnehin weiter klar auf Boimler und Mariner, was im letzteren Fall vielleicht in den weiteren Staffeln überdacht werden sollte. Ähnlich wie in der Causa Burnham bei Star Trek: Discovery tut der Serie diese übermäßige Beschäftigung mit einer Figur (die obendrein noch einiges an Nervpotenzial mit sich bringt) nicht zwingend gut. Gebt uns gerne mehr Tendi und Rutherford!

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Easter Eggs

  • Boimler verwendet den Spruch "Beam me up!" und korrigiert sich dann zu "Boim me up!". Ein Wink an Scotty und den legendären (und ungesagten) Ausspruch "Beam me up, Scotty!".
  • Wie in TNG kommt auch hier ein Ersatzcaptain an Bord, während Freeman, Shaxs und Ransom auf einer Undercover-Mission sind. Damals war es Captain Edward Jellico, diesmal ist es eine Ex-Bekannte von Mariner. Dabei wird ebenso Cardassia ins Spiel gebracht (mit den Rulot-Samen) wie auch die markanten, schwarzen Undercover-Anzüge.
  • Crewmitglieder "out of phase" hatten wir bereits in TNG (The Next Phase/So nah und doch so fern) oder Enterprise (Vanishing Point/Vermisst). In letzterer Episode wurde auch die Geschichte des verschollenen Cyrus Ramsey erzählt, der hier den Namen des Ersatzcaptains Ramsey inspiriert haben könnte.
  • Die Osler, das Schiff von Divison 14, wurde vermutlich nach dem kanadischen Arzt Dr. William Osler benannt.
  • Auf diesem Schiff finden sich einige arme Wesen, die uns an andere Trek-Episoden erinnern: So ist Anthony, der Salamander, offenbar an die Transformation von Janeway und Paris aus Threshold (Die Schwelle) aus Voyager angelehnt während drei Offiziere in Rollstühlen sitzen und sich, wie ein gewisser Captain Pike, nur per Piepgeräuschen verständigen können. Hinzu kommen die beiden Offiziere, die durch einen Transpoterunfall zusammengemischt wurden und an Tuvix aus der gleichnamigen Voyager-Episode erinnern. Der Anführer der Freaks wiederum dürfte an Daniels aus Enterprise erinnern.
  • Der Chef der Osler ist ein Edosianer, wie Arex aus der ersten Trek-Zeichentrickserie. Lt. Pratchett wiederum ist ein Rigelianer.
  • Die USS Rubidoux (neben dem Ort in Kalifornien vielleicht ein Wortspiel auf den Rubiks-Würfel?) verwandelt sich am Ende in eine Art Quallenwesen. So etwas haben wir zuletzt im TNG-Pilotfilm gesehen.
  • Mariner erwähnt einen gewissen Professor Saul Rubichek von der Sternenflottenakademie. Das ist zugegeben eine ziemlich schräge Referenz: Hier spielt man vermultlich auf den Schauspieler Saul Rubinek an, der in der TNG-Episode The Most Toys (Der Sammler) Data stehlen wollte.
  • Fred Tatasciore, der Sprecher von Shaxs, begeistert hier auch in der Rolle des Edosianers.

Fazit

Star Trek: Lower Decks gelingt erstmals eine Episode, die zunächst befürchtetes Frustpotenzial am Ende clever zerstreut und eine gewitzte Betrachtung des Trek-Kosmos erlaubt. Somit wird sie auch der Prämisse des Formats, eine Art Greatest Hits der verschiedenen Serien mit einem neuen Dreh zu versehen, absolut gerecht.

Dass nicht jeder Gag sitzt kann man ebenso verschmerzen wie die generische Mission rund um Mariner und ihre alte Freundin. In der Summe haben wir es mit gehobener Mittelklasse zu tun, von der zwar wenig langfristig hängenbleiben wird, deren Referenzen aber größtenteils organisch wirken und Spaß machen.

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In gut einer Woche folgt eine neue Rezension zur achten Episode der Serie.

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