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Star Trek: Lower Decks - Rezension zur Episode 1.10 "No Small Parts"

Die zehnte und vorerst letzte Episode macht noch einmal alles richtig, beweist endgültig die Tragfähigkeit des Konzeptes und bringt nicht nur schönste Erinnerungen an längst vergangene Abenteuer zum Vorschein, sondern arbeitet auch effektiv mit den eigenen Figuren und hält eine dicke Überraschung parat.

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von Björn Sülter

Star Trek: Lower Decks befindet sich bereits für den deutschen Markt in Arbeit. Wir halten euch auf dem Laufenden, auf welchem Streamingdienst (oder Sender) der neuste Streich landen wird. Allerdings ist nach aktuellen Informationen nicht mit einer schnellen Lösung zu rechnen.

Achtung: Die Rezensionen sind nicht spoilerfrei. Wer also nichts über die einzelnen Episoden wissen möchte, liest sie einfach erst nach Verfügbarkeit in Deutschland.

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Zum Inhalt:

Die Crew der USS Cerritos kommt der USS Solvang zur Hilfe, die von Pakleds angegriffen wurde. Dabei gerät jedoch auch das Leben von Captain Freeman und Co schnell in Gefahr ...

Auf dem Gipfel

In Sachen Teaser hat die letzte Episode der Staffel direkt das bisherige Highlight in dieser Kategorie zu bieten. Die Erinnerung an Beta III, Landru und die Rote Stunde macht richtig Spaß und zeigt auf absurde Weise, wie schwierig es ist, nach dem Erstkontakt weiter mit fremden Kulturen umzugehen. Da hilft im Zweifelsfall nicht einmal das gelbe Absperrband der Sternenflotte vor einem gefährlichen Großcomputer.

Auch die Referenz an Kirk und Spock aus der ersten Animationsserie gelingt wunderbar. Die beiden gezeichneten Figuren auf einem Padd zu zeigen, wirkt dabei auch gar nicht so verrückt, wie man aufgrund der unterschiedlichen Animationsstile hätte befürchten können. Erinnerungen bringt die kurze Szene aber auch an Star Trek Beyond und das Castfoto der Original-Filmcrew hervor, welches dort der Spock des Reboots betrachtete. Einfach gelungen!

Mit in diesen Pool aus gelungenen Referenzen gehören dann auch Gags wie die Erwähnung der TOS-Ära, die bei Ransom für "Those Old Scientists" steht, nicht für "The Original Series" wie bei den Fans, die erneute Erwähnung von Spock und Scotty oder die der "Gamesters of Triskelion", die einst einen Episodentitel der Ur-Serie zierten.

Allerdings schlägt die gelöste Stimmung schnell um, als die komplette Brückencrew zuhört, wie Boimler die liebe Mariner auf dem Planeten auf ihren Captain Mommy anspricht. Die Bombe vom Ende der letzten Episode ist also direkt geplatzt!

Eine Bombe anderer Art platzt derweil, als die USS Solvang andernorts unter starken Beschuss gerät und dringend Hilfe benötigt.

CAptain MOmmy

Doch erleben wir zunächst die Auswirkungen der Information, die Boimler mit Warpspeed auf der Cerritos verteilt hat. Ransom weiß plötzlich nicht mehr, wie er mit Mariner umgehen soll, Kollegen aus allen Bereichen sind besonders nett und schmeissen sich an die Tochter der Chefin heran und sogar Billups und Shaxs mischen kräftig mit.

Es scheint eben nicht immer so einfach zu sein wie bei Dr. Crusher und Wesley, auch wenn Mariner diesen Vergleich extra aus der Tasche holt. Keine Frage: Die Cerritos ist in Aufruhr! Da passt es doch, dass Boimler eine Beförderung auf die Sacramento anstrebt und Mariner ihre Chance wittert, ihm den Rang abzulaufen. Ein paar Handgriffe und die Stimme etwas affektierter: Gestatten, Vorzeigeoffiziersanwärterin Mariner! Ob das wohl gutgehen kann?

DER REST VOM FEST

Bevor alles seinen Gang nimmt setzen die Autoren noch zwei Nebenhandlungen an. In der ersten begegnet Tendi einem Exocomp (bekannt aus TNG) namens Peanut Hamper. Dieses wunderbare Stück Technologie begeistert auch Dr. T'Ana. Rutherford lässt uns derweil an seinen verschiedenen Gefühlswelten teilhaben, die er per Knopfdruck einstellen kann: Fröhlich, optimistisch, sexy, Cowboy. Der Typ hat alles drauf. Wofür wir diese Informationen wohl noch brauchen werden?

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WIR SUCHEN SACHEN

Es kommt jedoch schnell wie es kommen muss und neues Drama zieht am Horizont auf. Die USS Cerritos soll der USS Solvang helfen, wird jedoch ebenfalls von den Pakleds angegriffen. Witzig ist dabei, dass diese zwar über die Jahre offenbar immer weiter Equipment gesammelt haben um ihre Macht zu stärken, dabei aber schlicht zu dusselig waren zu verstehen, dass die Sternenflotte nicht nur aus der USS Enterprise besteht. Die Pakleds sind zwar somit eindeutig eine Bedrohung und wie Freeman es ausdrückt kein Witz mehr, bleiben dabei aber so absurd wie bereits in TNG. Klasse!

Die Auflösung des ganzen Dramas nutzt den bekannten Stil der Serie, bezieht allerdings gewitzt alle Figuren mit ein, bietet Rückbesinnung auf die vergangene Staffel (samt Badgy, der zu einer Art Prof. Moriarty für Rutherford wird) und läßt jeden zu seinem speziellen Moment kommen. Ransom ist der coole erste Offizier mit Schlagkraft und Waschbrettbauch, Shaxs und Rutherford beweisen großen Mut, der Exocomp darf sich gegen die Verwendung als Deus Ex Machina entscheiden und preist den freien Willen und Mariner und Freeman finden als Mutter und Tochter zusammen. Das Schiff liegt in Trümmern, aber die Crew ist ein ganzes Stück zusammengerückt. Sogar Freeman und Mariner haben einen gemeinsamen Nährboden für die Zukunft gefunden. Der Captain wird den Befehlen folgen, Mariner ihr mit ein wenig unorthodoxen Methoden helfen. Die Message: Mariner muss sich vielleicht gar nicht komplett ändern. Win-win?

Was könnte da noch die Idylle stören? Einerseits natürlich das große Opfer von Shaxs, der Rutherford und die restliche Crew rettet und dafür sein eigenes Leben gibt. Insbesondere in einem Genre wie diesem erwartet man derartig große Veränderungen am Cast eher nicht. Mutig, dass die Macher dennoch diesen Weg gehen. Zweitens gibt es da noch die Versetzung von Boimler, allerdings nicht auf die Sacramento ...

Den Tag rettete nämlich ausgerechnet die USS Titan und somit das Schiff, welches wir nach Star Trek: Nemesis bisher nie im TV oder Kino zu sehen bekamen. Riker und Troi retten also (erneut) den Tag und dürfen uns ein klein wenig an dem teilhaben lassen, was nach ihrem Umzug von der Enterprise aus ihnen geworden ist. Und nicht nur das: durch die Versetzung Boimlers wird die Titan mitsamt der Crew auch in der zweiten Staffel ein Faktor bleiben. Man darf gespannt sein! Auch die neue Ausgangslage um Rutherfords Amnesie oder der zu erwartende neue Sicherheitschef könnten einige Verwicklungen mit sich bringen. Der Boden ist bereitet, nun heißt es warten!

Ende gut ...

Während die vorletzte Episode der Staffel einen Liebesbrief an die Kinoreihe darstellte und dabei eher wie ein Special wirkte, stellt No Small Parts die bisher Umsetzung des Serienkonzepts dar.

Freeman sagt an einer Stelle über die Pakleds, dass sie nun endgültig kein Witz mehr wären. Für Star Trek: Lower Decks gilt inzwischen das gleiche. Die Serie kann wirklich verdammt witzig sein und ist definitiv kein Witz. Auch wenn es zugegebenermaßen etwas dauern kann, bis man zu dieser Erkenntnis gelangt. Mit den letzten beiden Episoden hat sich das Format ohne Frage bewiesen und man darf davon sprechen, hier das kreativste Konzept seit Langem im Trek-Universum zu erleben. Daumen hoch!

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(EInige) Easter Eggs

  • Landru und seine Rote Stunde kennt man aus The Return of the Archons (Landru und die Ewigkeit) aus der Originalserie. Der Film The Purge wurde übrigens ebenfalls dadurch inspiriert.
  • TOS ist eigentlich die Abkürzung für "The Original Series", hier jedoch Ransoms Version für "Those Old Scientists".
  • The Gamesters of Triskelion (Meister der Sklaven) ist ebenfalls ein Episodentitel der Originalserie und wird hier wörtlich zitiert.
  • Die Abbildung von Kirk und Spock stammt aus der ersten Zeichentrickserie und wird hier clever eingebaut.
  • Die Pakleds kennt man aus der TNG-Episode Samaritan Snare (Das Herz eines Captains).
  • Exocomps kennen wir aus der TNG-Episode The Quality of Life (Datas Hypothese).
  • Die USS Titan sehen wir erstmals in einer offiziellen Trek-Produktion. Bisher gab es "nur" die Romane mit Zeichnungen oder das Eaglemoss-Modell.
  • Riker erwähnt, dass er sich (wie im Enterprise-Finale) immer noch die Abenteuer der Archer-Crew auf dem Holodeck anschaut. Dabei zitiert er sogar wörtlich den Titelsong.
  • Armus kennen wir aus der TNG-Episode Skin of Evil (Die schwarze Seele).
  • Die Szene, in der die Cerritos eine Warpgondel verliert, erinnert an die USS Reliant aus dem zweiten Kinofilm.
  • Für den Refit wünscht sich Freeman nicht zu viele Änderungen; eine Anspielung auf die Veränderungen der Ur-Enterprise zum ersten Kinofilm (und auch auf die Enterprise E, die die D ersetzte).
  • Es gibt nicht nur einen Captain-Picard-Day sondern auch einen für Captain Freeman.
  • Die Trauerfeier für Shaxs erinnert visuell stark an die von Spock aus dem zweiten Kinofilm.
  • Ein besonderes Stück findet sich (neben Waffen, Alkohol und einem Tribble) bei Mariners Sachen: Der berüchtigte Star Trek Space Fun Helmet von Remco aus dem Jahr 1970.

Fazit

Besser geht es kaum: Die letzte Episode der Debütstaffel von Star Trek: Lower Decks spannt nicht nur einen wunderbaren Bogen an Referenzen von Kirk über Picard bis zur Post-Nemesis-Ära der Serie, sondern behält auch die Entwicklung der eigenen Figuren sowie die bisherigen Geschichten im Blick und brennt dabei ein wahres Feuerwerk ab; inhaltlich wie emotional.

Auch wenn zu Beginn der Serie einiges noch holprig war, konnten die Macher die Qualität sukzessive steigern: No Small Parts ist nach Crisis Point der endgültige Beweis, dass der wilde Mix von Star Trek: Lower Decks wirklich funktionieren kann. Die zweite Staffel darf mit Vorfreude erwartet werden!

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In gut einer Woche geht es mit den Rezensionen zur dritten Staffel von Star Trek: Discovery los.

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