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Star Trek: Lower Decks - Rezension zur Episode 2.01 "Strange Energies"

Die erste Episode der neuen, zweiten Staffel macht genau da weiter, wo die erste aufgehört hat und mischt das turbulente Leben auf der USS Cerritos mit unzähligen Referenzen an die Trek-Geschichte.

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von Björn Sülter

Achtung: Die Rezensionen sind nicht spoilerfrei.

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Zum Inhalt:

Weil Captain Freeman und Mariner sich neuerdings bestens verstehen, ist Commander Ransom angefressen. Als er durch einen Zwischenfall zu einem gottgleichen Geschöpf wird, droht er, das Schiff zu zerstören. Derweil plagt Tendi sich mit Rutherfords Veränderungen herum und nimmt das Problem in die eigenen Hände ...

Wo waren wir?

Der Teaser, nebenbei ein wunderbarer und tiefer Tauchgang in den Trek-Kanon ("Es sind vier Lichter!"), bringt uns Zuschauer direkt wieder auf den aktuellen Stand in Sachen Mariner, Captain Freeman und Boimler, der sich am Ende des ersten Jahres der Crew der USS Titan angeschlossen hat und hier nun erstmal keine Rolle spielt. Wir erfahren zudem, dass sich das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter insofern positiv entwickelt hat, dass Mariner nun fast eine Art von Carte Blanche besitzt, wenn es um eigene Missionen geht, was Commander Ransom vernehmbar sauer aufstößt. Vom neuen Freeman-Mariner-Dreamteam fühlt er sich an den Rand gedrängt und schiebt Frust.

Tendi macht sich derweil Sorgen um Rutherford, der sich nach seinem Unfall stark verändert zeigt (er mag Birnen!) und sucht nach Wegen, ihren alten Freund zurückzubekommen.

Pures Gold ist aber der erwähnte Teaser, welcher die grandiose Picard-Doppelfolge Chains of Command (Geheime Mission auf Celtris III) zitiert, Mariner erneut auf dem Holodeck bei dem Versuch einer Art von Selbsttherapie zeigt und Jennifer, die Andorianerin ins Spiel bringt. Der beste Gag der Episode zündet auch an dieser Stelle: Mariner weiß, dass Konflikte nicht gewünscht sind, mag Jennifer aber dennoch nicht. Das geht zurück auf die Anfangszeit von TNG, als man in der Serienbibel festschrieb, dass es keine Konflikte zwischen den Crewmitgliedern innerhalb der Sternenflotte geben solle, was die Autoren immer wieder vor Probleme stellte.

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Seltsame Energien

Mariners Befehlsverweigerung führt natürlich direkt wieder zu Problemen, als eine zuvor unter Dreck versteckte Vorrichtung Energie aussendet und Ransom verändert. Selbstbewusst gehen die Macher mit ihrem Vorbild um und bringen Gary Mitchell aus der Originalserie ohne Umschweife selbst ins Spiel. Somit ist klar, was hier geschehen wird: Ransom erhält Allmacht und diese (das ist ebenfalls nicht neu) korrumpiert. Auch Apoll aus der Originalserie wird dabei noch zitiert, als Ransom als riesiger Kopf mit Händen im All schwebend auftaucht und droht, das Schiff zu zerstören.

Sein Problem ist simpel: Sein Ego dreht durch, weil der das inzwischen gute Verhältnis zwischen seinem Captain und ihrer Tochter nicht akzeptieren kann. Er möchte nicht nur auf dem Papier Nummer Eins sein sondern auch im Alltag. Die Energien befeuern dieses Denken und lassen ihn zu einem gottgleichen Tyrannen werden, der nebenbei Tacheles über seine Gefühle redet.

Wie auch schon bei einigen Gelegenheiten im ersten Jahr laufen Tendi und Rutherford bei all dem irren Treiben ein wenig nebenher. Dabei ist das, was Tendi macht, ebenso durchgeknallt wie der Rest der Handlung: Die Message, dass man auch Veränderungen bei Freunden akzeptieren muss, kommt hier mit dem Holzhammer und treibt die junge Frau zu einem vollkommen überzogenen Verhalten, das aber immerhin zur Haupthandlung passt und schnell endet, als Rutherford mehr Verständnis aufbringt als man erwarten müsste. Letztlich geht es hier in beiden Fällen um den Versuch von Machtausübung, um ein unerwünschtes Verhalten zu ändern. Ransom stört sich an der seiner Ansicht nach toxischen Beziehung zwischen Mutter und Tochter, die ihn zudem ins Abseits drängt, Tendi hat Verlustängste nach Rutherfords Veränderungen und möchte ebenso wie der erste Offizier den Status Quo wieder herstellen. Die beschriebenen Veränderungen werden als negativ wahrgenommen und bekämpft; selbstverständlich auf eine vollkommen überspitzte, Lower-Decks-typische Weise.

Das führt am Ende immerhin zu Erkenntnisgewinn: Rutherford versteht Tendis Vorgehen und man verspricht sich, die Freundschaft zu erhalten, Freeman erkennt die Fehler in ihrem Vorgehen bezüglich Mariner und raubt Ransom durch Komplimente seine neuen Kräfte. Nun, zumindest fast. Am Ende muss es doch noch der Gary-Mitchell-Gedächtnis-Felsbrocken sein.

Boims!

In den letzten Sekunden bekommen wir dann auch noch den echten Boimler zu sehen, der auf der USS Titan offenbar alle Hände voll zu tun, aber auch nicht gerade die beste Zeit seines Lebens hat. Witzig ist das natürlich insbesondere, da seine Ex-Kolleginnen und - Kollegen auf der Cerritos sich das natürlich ganz anders ausmalen, was erneut den ganz speziellen Blickwinkel der Lower Deckers verdeutlicht. Mehr von Captain Riker und Co werden wir sicher sehr bald zu sehen bekommen ...

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(EInige) Easter Eggs

  • Die USS MacDuff aus dem Teaser (der im Holodeck spielt) ist ein Schiff der Miranda-Klasse, wie auch die USS Reliant von Khan aus dem zweiten Kinofilm. Da sich Mariner mit Khan auskennt, ergibt es Sinn, dass sie diese Schiffsklasse für ihre Simulation wählt. Dass es sich bei den Szenen zu Beginn der Episode nicht um die reale Welt handelt, könnte auch bereits der Name des Schiffes verraten: Bei TNG gab es in der Episode Conundrum (Mission ohne Gedächtnis) einen Commaner Kieran MacDuff. Auch dort handelte es sich um eine Fake-Realität.
  • Im cardassianischen Schiffshangar findet sich eine Vielzahl an bekannten Schiffstypen. Dazu gehören auch ein Jem'Hadar-Kampfschiff, die klingonische Raptor-Klasse und eine Art Delta Flyer.
  • Als Mariner eines der Gebäude reinigt, kommt ein Wal zum Vorschein. Eine Anspielung auf den vierten Kinofilm der Classic-Crew? Dazu passt auch, dass Rutherford LSD mit SMD verwechselt. Kirk passierte etwas Ähnliches im besagten Kinofilm, als er LSD als LDS bezeichnete, was nebenbei das offizielle Kürzel von Lower Decks darstellt.

Fazit

Star Trek: Lower Decks liefert zum Auftakt ins zweite Jahr zwar wieder 25 Minuten pure Anarchie, durchgeknallte Figuren und Referenzen bis zum Abwinken ab, verheddert sich aber ein wenig damit, eine stimmige Aussage über das wilde Treiben zu treffen und beide Handlungsstränge geschickter zu verbinden.

Ein wenig fühlt man sich dabei an den Beginn des ersten Jahres erinnert, als noch nicht alles wie aus einem Guss wirkte. Dem Spaß tut das jedoch keinen Abbruch. Strange Energies bietet kurzweilige Unterhaltung, beschwört viel Retrofeeling herauf, setzt die Themen für die neue Staffel im Schweinsgalopp an und macht Lust auf mehr. Für eine Auftaktepisode ist das allemal genug.

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