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Star Trek: Lower Decks - Rezension zur Episode 2.03 "We'll always have Tom Paris"

Die dritten Episode der neuen, zweiten Staffel bringt eine Figur von Star Trek: Voyager zur Serie und bietet zudem noch eine andere faustdicke Überraschung.

Lds 203 Eggs Parispunch

von Björn Sülter

Achtung: Die Rezensionen sind nicht spoilerfrei.

Zum Inhalt:

Während Boimler sich auf den Besuch von Tom Paris freut und mit einigen Problemen zu kämpfen hat, gehen Mariner und Tendi auf eine gemeinsame Mission und Rutherford muss sich einer äußerst verwirrenden Situation stellen ...

Point-of-view

Bereits der Teaser kann mit einem echten Hammer aufwarten, der auch erneut den ganz besonderen Blickwinkel dieser kleinen Heldengruppe weit abseits der großen Entscheidungen verdeutlicht. Während Rutherford und Mariner in der Messe sitzen, steht plötzlich Shaxs am Replikator und bestellt einen Hot Dog mit Kiwi-Ketchup. Die Szene ist vollkommen verrückt, weil eben so unerwartet. Schließlich starb Shaxs in der ersten Staffel bei der Rettung von Rutherford und wurde gerade in der zweiten Episode dieser Staffel als Sicherheitschef durch den Tamarianer Kayshon ersetzt (der immerhin auch kurz zu sehen ist).

Rutherfords Reaktion entspricht dann auch exakt der unsrigen: Wie kann das sein? Doch Mariner bleibt locker und macht klar, dass so etwas ständig passieren würde. Die Führungsoffiziere kämen immer wieder von den Toten zurück. Keine große Sache! Die Unterdeckler hingegen würden darüber nie Details erfahren, sondern nur staunend erleben, wie derartig unerklärliche Dinge passieren. Rutherford ist fassungslos und möchte die Hintergründe verstehen.

Boims, mariner und tendi

Derweil versucht Boimler, sich ein zweites Mal auf der USS Cerritos einzuleben. Dumm nur, dass er bei den Sicherheitsupdates irgendwie außen vor gelassen wurde, was direkt zu Beginn an der Reaktion des Replikators klargemacht wird ("Nutzer nicht erkannt"). Tendi ist derweil sauer über eine nicht erfolgte Beförderung und plant, Dr. T'Ana ihre Qualitäten zu beweisen. Somit setzt bereits der Teaser drei Handlungsstränge an. Doch ist das noch gar nicht alles!

Captain proton!

Als besonderen Gast begrüßt die Cerritos nämlich diese Woche nach Jonathan Frakes, Marina Sirtis und John de Lancie in ihren TNG-Paraderollen erstmals eine Figur aus Star Trek: Voyager. Robert Duncan McNeill alias Tom Paris besucht das Schiff, was insbesondere "Fan" Boimler fast um den Verstand bringt. Uns übrigens auch, da alles, was rund um diese Stippvisite passiert, zum Totlachen ist. Wir fassen zusammen: Boimler spielt auf die Holoprogramme Fair Haven und Captain Proton an, zeigt seinen Voyager-Sammelteller mit Tom Paris darauf ("Du bist ein Voyager-Teller-Sammler?") und nennt die USS Voyager immer nur "VOY", was die inofizielle Fanabkürzung darstellt, die hier nun Einzug in eine Serie hält. Dazu gibts eine Anspielung auf Toms Transformation zu einer Art Salamander und viele weitere kleine Details zu entdecken. Toll!

Den Rest der Episode kämpft Boimler dann aber alleine: Da er nicht einmal mehr durch Türen gehen kann (obwohl er so schön die Voyager-Titelmelodie summt), wird seine Reise durch die Cerritos äußerst beschwerlich. Anstatt einfach mal einen seiner Bosse um Zugang zu bitten, kämpft er sich lieber durch Jeffries-Röhren. Derweil betritt Tom Paris die Brücke. Sein Besuch ist genaugenommen eher unspektakulär und erhält nur wenige Szenen, macht aber natürlich Freude. Witzig ist auch die spätere kurze Unterhaltung von Brad mit seinem Paris-Teller.

Als Boimler dann endlich die Brücke erreicht (genaugenommen fällt er durch ein Deckenschott), sieht er aus wie ein Kazon, was natürlich eine Reaktion von Tom triggert. Diese fällt aber zugegeben viel zu übertrieben aus. An solchen Stellen darf Lower Decks gerne auch mal einen Gang zurückschalten.

he was dead, jim

Rutherford muss im Verlauf der Episode lernen, dass die Führungsoffiziere wirklich nicht gerne über ihre Rückkehr von den Toten sprechen. Vielleicht hätte er sich auch mit der Aufzählung von Mariner und Boimler begnügen sollen? Diese liefern so ziemlich jede Variante des Themas (inklusive des Nexus), die irgendwann mal in einer Serie oder einem Film angewendet wurde. Ganz schön viel! Doch gibt Rutherford nicht auf.

Noch bevor er selbst fragen kann, übernimmt das ein anderer junger Offizier. Die daraus resultierende Szene ist mehr als gelungen. Alle reagieren geschockt von der Frage und Shaxs kommen sogar die Tränen. Offenbar diskutiert man diese Themen ausschließlich innerhalb der oberen Ränge, nie aber mit dem Nachwuchs. Insbesondere in dem Moment, wo Rutherford langsam von Dannen schleicht, erkennt man wieder den besonderen Point-of-View der Handlung: Shaxs spricht sehr wohl über diese Dinge, aber eben nur außerhalb der Hörweite der "Lower Decks". Nur warum?

Doch kann unser guter Rutherford damit einfach nicht leben. Im Turbolift kommt es schließlich zur Konfrontation ("Turbolift anhalten"). Wir selbst erfahren natürlich nichts, Rutherford scheint aber angemessen beeindruckt von den Enthüllungen, die man Nachwuchsoffizieren offenbar aus Rücksicht erspart. Als er später von Mariner (die am Ende mal wieder in der Zelle hockt) und Tendi danach gefragt wird, kann er dazu auch nichts sagen. Rutherford ist nun also Geheimnisträger. Ob ihn das verändert?

Generell darf man sich natürlich fragen, wie die Macher nun weiter verfahren wollen. Wer ist jetzt der Sicherheitschef? Was ist Shaxs' künftige Rolle? Ist es sinnvoll, auch hier die Konsequenzen (seinen Tod) für einen Gag rückgängig zu machen (auch wenn es eben ein Trek-Klischee ist)? Lassen wir uns mal überraschen wie es weitergeht. Für den Moment ist es zugegeben schön, den alten Kauz wiederzuhaben. Und wenn es so witzig umgesetzt wird wie hier (und ganz ohne Raumverzerrung oder die Borg), macht es eh doppelt Spaß.

Mädels-Trip!

Die letzte Handlungsebene dreht sich um einen gemeinsamen Trip von Tendi und Mariner, bei der die Orionerin eigentlich nur dringend (!) ein Familienerbstück der Ärztin besorgen soll. Dieser scheint es nämlich irgendwie nicht gut zu gehen. Die beiden Mädels stellen in diesem Zusammenhang fest, dass sie noch nie als Paarung auf eine Mission gegangen sind, was Lower-Decks-typisch fast aus einem Produzenten-Blickwinkel abgehandelt wird ("Wir sollten uns wirklich häufiger abwechseln"). Der Girls-Trip macht viel Spaß, bietet reichhaltiges Kanon-Futter (eine Außenstelle von Quarks Bar, einen Vic-Fontaine-Club, Nausicaaner und vieles mehr) und viel Trubel. Insbesondere der Besuch bei den Orionischen Piraten ist amüsant, weil er nicht nur für Mariner mit einigen Vorturteilen aufräumt und das weiterführt, was wir zuletzt in Star Trek: Enterprise über diese Spezies erfahren haben.

Dabei erfahren Mariner und Tendi auch eine Menge übereinander. So kannte Mariner Tendis Vornamen nicht ("Ich dachte, dass du Tendi heißt. Mit ohne Vornamen, so wie Odo") und diese wusste nichts von Mariners früheren Stationierungen oder ihren Vorlieben bei Männern. Auch wir sind an einer Stelle überrascht: Mariner war also während des Dominionkrieges auf DS9? Ob die Macher noch irgendwas damit vorhaben?

Witzig ist auch, dass Tendi und Mariner die Holzstatue für eine Art von Sex-Puppe halten, die T'Ana dringend brauchen würde. Eigentlich jedoch geht es ihr nur um die Kiste, in die sie dann mitten in der Krankenstation hineinsteigt. Nun, einige Dinge hinterfragt man besser nicht.

Für Mariner und Tendi hat der Mädelstrip am Ende aber genau das gebracht, was sie gehofft hatten: Sie sind näher zusammengewachsen und wir haben eine Menge über die beiden erfahren. Weiter so!

(EInige) Easter Eggs

  • Ein Kommentar zur Eindeutschung des Episodentitels: Im Original spielt man auf die TNG-Folge We'll Always Have Paris an, die damals mit Begegnung mit der Vergangenheit übersetzt wurde. Hier nun machte man sich im Englischen den Spaß, den Titel durch "Tom" zu ergänzen und somit den Gast der Episode in den Titel aufzunehmen. Im Deutschen verstanden die Verantwortlichen das doch tatsächlich und schufen ihrerseits ein Wortspiel zum alten deutschen Titel: Gefangen in der Befangenheit. Liebe Leute, das ist ultra cool!
  • Qualor II kam auch in der TNG-Doppelfolge Unification (Wiedervereinigung?) vor.
  • Sternenbasis Earhart kennen wir natürlich als den Ort aus der Episode Tapestry (Willkommen im Leben nach dem Tode), wo Picard seinen Stich durchs Herz durch einen Nausicaaner erhielt.
  • In Rutherfords Vision von Shaxs heißt es so schön: "In the Nexus, it’s always Christmas!", was natürlich auf den siebten Kinofilm zurückgeht.
  • Das erwähnte terrelianische Todessysndrom glaubte ein gewisser Reginald Barclay in der TNG-Episode Genesis zu haben.
  • Shaxs trägt in der Vision diverse Outfits, die an viele Episoden aus verschiedenen Serien erinnern. Unbedingt genau hinschauen!
  • Verrückt: Kaum hörbar sagt Shaxs in der Vision (während er die entsprechende Uniform trägt): "What was the deal with T’Pol’s hair for that one year?" und spielt damit offenbar auf Jolene Blalocks Frisur im ersten Jahr der Serie Star Trek: Enterprise an.

Fazit

Auch die dritte Episode weiß wieder bestens zu unterhalten und bietet einige echte Lacher. Der Besuch von Tom Paris ist zugegebermaßen nur Beiwerk. Man lenkt uns aber durch drei schmissige Handlungen kompentent davon ab, dass diese beliebte Figur genaugenommen kaum Screentime erhält. Am besten funktioniert die Rutherford-Geschichte, da Shaxs Rückkehr vollkommen überraschend kommt und dazu noch witzig und kreativ erzählt wird. Doch bieten auch der Ausflug der Mädels und Boimlers kleine Heldenreise genug Stoff.

Star Trek: Lower Decks lässt also auch im dritten Anlauf nicht nach und lässt schon jetzt auf eine richtig starke zweite Staffel hoffen.

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SYFY präsentiert: Die Star-Trek-Chronik - Band 2!

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