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Star Trek: Lower Decks - Rezension zur Episode 2.04 "Mugato, Gumato"

Die vierte Episode der neuen, zweiten Staffel stellt die Identität von Mariner in Frage, lässt Tendi in besonderer Mission glänzen und bringt beliebte Aliens zurück.

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von Björn Sülter

Achtung: Die Rezensionen sind nicht spoilerfrei.

Hinweis: Aufgrund technischer Probleme hat sich diese Rezension verzögert. Die nächste zu Episode 5 erscheint bereits Mittwoch.

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Zum Inhalt: Die USS Cerritos erhält den Auftrag, sich um ein paar Mugatos zu kümmern, die offenbar von Ferengis zu ihren Zwecken missbraucht werden. Derweil sorgen sich Boimler und Rutherford um die (vermeintlich) wahre Identität von Mariner und Tendi erhält einen Sonderauftrag von Dr. T'Ana ...

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Den größten Anteil an der Episode nimmt die Hilfsaktion für die Mugatos ein. Dabei ist es erstmal erfreulich, wie sich die Föderation für den Schutz bedrohter Arten einsetzt. Man spürt jedoch an jeder Ecke auch die Kernmotivation der Autoren. Sie nehmen den Gag, dass DeForest Kelley damals bei der Originalserie nicht "Gumato" sagen konnte und man die Spezies daher in Mugato umbenannte, und stricken den Rest einfach drumherum. Dazu gehört, dass ständig neue Varianten des Namens auftauchen (und niemanden das zu stören scheint), dazu passt auch der Kurzauftritt des selbsternannten Mugato-Experten, der schnell sein Leben verliert, und bei dem man sich fragen darf, an wen er uns gegebenenfalls erinnern soll (Steve Irwin? Dian Fossey? Beides wäre unpassend.). 

Diskutabel ist vielleicht noch die Szene, in der wir zünftigen Mugato-Sex serviert bekommen. Die Macher gehen dabei sogar noch einen Schritt weiter und lassen eine zweites Männchen auftauchen, das sich jedoch nicht einmischt, sondern lieber zuschaut (und dabei sein Horn reibt). Hmm. Lustig? Ja. Irgendwie drüber? Auch. Geschmackssache!

Auch die blutige Prügelszene zu Beginn und Dr. T'Anas eindeutige Avancen an Shaxs (ihren Patienten!) am Ende passen in diesen Topf. Vermutlich wollte man einmal alles in einer Episode abhaken, was für ein FSK16-Rating (in Deutschland) reicht.

Toll ist die Auflösung des Problems (Die Kraft der Mathematik!), bei der Rutherford und Boimler mit einer Art von Powerpointpräsentation die Ferengi bekehren. Ebenso toll und ins Bild passend ist aber auch das Spiel "Diplomat", welches auf dem Trek-Merchandisemarkt der Zukunft nicht fehlen darf. Wer mag sich die Lizenz wohl bereits gesichert haben?

five finger fillet

Neben der Haupthandlung steht Mariner diese Woche im Fokus. Der Barkeeper der Cerritos setzt Boimler und Rutherford den Floh ins Ohr, dass Mariner in Wirklichkeit eine Agentin sein könnte, die gegebenfalls für eine Organisation wie Sektion 31 tätig ist. Technisch ist das alles ganz wunderbar umgesetzt, wenn der Barkeeper zum Beispiel beim Sprechen immer einen Schatten auf dem Gesicht hat oder die Musik sich ändert. Im Hintergrund sitzt zudem Mariner und spielt mit sich selbst Five Finger Fillet, wie man es aus Aliens (Bishop-Szene) oder dem Spiel Red Dead Redemption 2 kennt. Verdächtig!

Die ganze Sache wird jedoch nicht sehr hochgekocht. Boimler und Rutherford sind zwar eine Weile am Zweifeln, am Ende löst sich die Sache aber recht schnell auf. Mariner erzählt selber Geschichten über sich und hat im Barmann offenbar ein gutes Opfer gefunden. Das Trio geht in Sachen Freundschaft gestärkt aus der Nummer hervor, die Sache an sich bleibt dadurch aber auch nur eine Randnotiz und wird nie zu ernst genommen.

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NUR EINE NUMMER?

Auf der Krankenstation wird in der B-Handlung die Geschichte um Tendi weitergeführt, die gerne ihren Boss beeindrucken möchte. Diesmal darf sie Crewmitgliedern hinterherlaufen, die ihren Medizincheck nicht wahrgenommen haben; etwas, das wir aus den anderen Serien bereits gut kennen (Nicht wahr, Captain Picard?). Dabei zeigt Tendi sich durchaus einfallsreich, auch wenn die kurzen Sequenzen nicht besonders kreativ sind. Für eine Nebenhandlung reicht es locker aus. Ein Mysterium gilt es auch noch aufzuklären, da das letzte Crewmitglied nur als Nummer auf der Liste steht und T'Ana daran aber kein Interesse zeigt.

Es stellt sich heraus, dass Dr. T'Ana selbst die letzte Nummer auf der Liste ist und sich, wie man das von Ärzten so kennt, gegen die eigene Untersuchung sperrt. Tendi gibt jedoch nicht auf und entscheidet das Duell Lower Decker gegen Katze (denn genau so verhält sich die Schiffsärztin auf der Flucht vor Tendi) letztlich cool für sich. Dabei macht es auch hier wieder Spaß, T'Ana voll in ihrem Element zu erleben. Die Fremdartigkeit der Figur stellt sich immer wieder als gute Idee heraus, der schräge Charakter-Mix aus Holodoc und Pulaski trägt ohnehin zum Gelingen bei.

T'Anas Rechtfertigung der anderen unwilligen Kolleginnen und Kollegen, einige möchten einfach nicht gerne nur auf Zahlen aus einem Scanner reduziert werden, stellt eine hübsche Randnotiz dar, steht aber auch ein wenig in Diskrepanz dazu, dass sie sich selbst als Zahlenfolge auf die Liste schreibt und Tendi somit überhaupt erst auf sich selbst ansetzt. Wollte die Katze vielleicht einfach ein wenig spielen?

In der Summe bleibt dieser Erzählstrang eher im Hintergrund und bietet zwar einige Schmunzler, trägt aber sonst nichts großartig Neues bei.

Gleiches gilt auch für die C-Handlung, in der die USS Cerritos das Schiff eines der Mugato-Interessenten zerstört und ihm als Kompensation ein Shuttle anbietet. Das Alien stellt sich später, nach einem Gespräch von Captain Freeman mit ihrem Mann auf der Erde, als Betrüger heraus, der diese Masche offenbar benutzt, um an neue Schiffe zu kommen.

DER STUMME KAYSHON

Kurz sollten wir auch noch auf Kayshon, den Tamarianer, zu sprechen kommen. In der zweiten Episode wurde er als neuer Sicherheitschef eingeführt und abseits von ein paar kurzen Sätzen dort recht schnell für den Rest der Episode in eine Puppe verwandelt. Dadurch lernten wir ihn bei seiner Einführung kaum kennen. Seitdem haben die Macher ihn komplett an den Rand geschoben; hier steht er nur stumm herum und hat eine kurze Prügelszene. Offenbar handelt es sich nach der Rückkehr von Shaxs bei ihm also zumindest vorerst nur um eine Nebenfigur. Vielleicht ergibt sich ja im Rahmen der restlichen Staffel noch die Chance, seine Geschichte etwas genauer zu erzählen und ihm Szenen zu geben. Schön wäre es!

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(EInige) Easter Eggs

  • Die Denobulaner zu Beginn gehören natürlich zur gleichen Spezies wie Dr. Phlox aus Star Trek: Enterprise. Sie können ebenso schön ihre Gesichter aufplustern wie er.
  • Das Spiel Anbu-Jyutsu kennen wir aus der TNG-Episode The Icarus Factor (Rikers Vater).
  • Die Diplomatie-Kanone am Ende sieht aus wie die, die Kirk einst in der Originalserie gegen den Gorn baute und einsetzte.
  • Die überkandidelten Ferengis mit ihren Energiepeitschen stammen vom Verhalten offenbar direkt aus der TNG-Episode The Last Outpost (Der Wächter). Damals kamen sie nicht gut an und wurden schließlich für DS9 komplett überarbeitet. Mariner zitiert hier sogar den damaligen Episodentitel: Last-Outpost-Ferengis.
  • Kleine Star-Wars-Anspielung: Mr. Hyde besitzt Würfel wie Han Solo und ruft "Thank the Maker!" wie einst C-3PO.
  • Kleine Futurama-Anspielung: Der Planet heißt Frylon IV und in einer Episode dort wurde Fry einst für sein "menschliches Horn" gejagt.

Fazit

Mugato, Gumato besitzt durchaus witzige Szenen und gute Ideen, wenn man insbesondere an die Ausbeutung der Gumatos und den Einsatz der Föderation denkt. Auch gefällt das Zusammenspiel der Lower Deckers wie immer gut. Einige unklare Entscheidungen seitens der Autoren sorgen aber zumindest für Stirnrunzeln und die Nebenhandlungen geben nicht allzu viel her.

Somit handelt es sich bei der vierten Episode um die bisher schwächste der zweiten Staffel, was angesichts des starken Starts aber Jammern auf hohem Niveau darstellt.

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