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Star Trek: Lower Decks - Rezension zur Episode 2.05 "The Embarrassment of Dooplers"

Die fünfte Episode der zweiten Staffel markiert nicht nur die Halbzeit der neuen Abenteuer, sie wirft auch drei gleichermaßen amüsante Handlungsstränge in einen Topf und liefert sogar wunderbare Aussagen über Wahrnehmung und Freundschaft.

Lds 205 Eggs Quarks

von Björn Sülter

Achtung: Die Rezensionen sind nicht spoilerfrei.

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Zum Inhalt: Die Crew der USS Cerritos kümmert sich um den Transport eines Dooplers, deren Spezies sich beim ersten Anzeichen von Stress vervielfältigt. Chaos ist da programmiert! Mariner und Boimler versuchen derweil, auf die coolste Sternenflotten-Party zu gelangen und Rutherford und Tendi haben Sorgen mit einem Modellraumschiff ...

don't feed the troll

Ohne einen Teaser geht es diesmal direkt nach dem Vorspann hinein ins Abenteuer und somit mitten in eine diplomatische Mission, die zunächst nur witzig wirkt, sich aber stetig in eine spannende Richtung entwickelt. Als der Doopler sich nach einem unbedachten Wort Freemans erstmals dupliziert, setzt sich eine Maschinerie in Gang, die nicht mehr aufzuhalten scheint. Dabei geht es viel um Wahrnehmung und die Kunst des Zuhörens. Die Doopler hören nur noch was sie wollen und lassen ihrer eigenen Eskalation freien Lauf. Jeder von uns kennt Menschen, die ab einem gewissen Punkt argumentatorisch dichtmachen und an die man nicht mehr herankommt, die sich in etwas verrennen und keinen Ausweg mehr finden. Mit den Dooplern erhalten wir hier perfekten Anschauungsunterricht. Den Eiertanz, wie Freeman ihn zu Beginn beschreibt, kann man mit solchen Menschen nur bedingt durchziehen, so respektabel das Ansinnen auch sein mag. Das Verhalten der Doopler sagt viel mehr über ihre Selbstwahrnehmung als über die Behandlung durch die Cerritos-Crew aus.

Dazu passt auch, dass am Ende nur klare Worte helfen. Die Samthandschuhe haben ausgedient und der Effekt wird dadurch rückgängig gemacht. Das funktioniert zwar in der Realität nur selten, zeigt aber auf, dass Hilfe zur Selbsthilfe besser ist als die Vorspiegelung falscher Tatsachen. Lower Decks liefert hier eine Lehrstunde über das Motto Don't feed the troll.

Dass all das irre Treiben auf dem Schiff, sogar mit dem finalen Höhepunkt des Beamens eines Dooplers auf die große Sternenflottenparty, 1:1 aus The Trouble With Tribbles (Immer die Last mit den Tribbles) entwendet sein könnte, stört nie. Viel zu schön ist die Hommage, viel zu kreativ die vorgenommenen Veränderungen.

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that's what friends are for

Tendi und Rutherford (die auch schon im ersten Jahr der Serie beliebte Kombination) pflegen während des großen Trubels ihre Freundschaft. Wie auch schon zu Beginn der Staffel scheint sie all das, was auf dem Schiff vor sich geht, dabei auch nur am Rande zu interessieren. Zu sehr sind sie mit ihrem Modellschiff der Cerritos (ein erneuter Wink an die Fans) und dem Aufarbeiten alter Geschichten rund um den Gedächtnisverlust des Ingenieurs beschäftigt.

Am Ende läuft alles auf die Erkenntnis hinaus, dass es für die beiden am wichtigsten ist, gemeinsam etwas zu tun. Es muss nie fertig werden; die Reise zählt. Dafür erhält Rutherford dann auch passenderweise ein Modell von DS9 (aus der Modellschmiede von Quark, der offenbar immer neue Geschäftszweige findet). Die Message, dass nichts ohne das Gegenstück komplett ist, wird durch die Erwähnung von Jadzia und Ezri gestützt. Es geht nicht darum, wer von beiden die bessere Dax ist, sie sind es beide und gemeinsam stärker. Schön!

OKONA!

Die Party auf der Sternenbasis, offenbar DAS Event bei dem man sich sehen lassen muss, ist übrigens eine durchaus diskutable Angelegenheit, da die Sternenflotte offenbar eine ziemlich deutliche Zweiklassengesellschaft betreibt, bei der nur von Luna-Klasse aufwärts eine Teilnahme gewünscht ist. So durfte Boimler mit der Identität seines Titan-Klons William kurze Eindrücke vom Pomp der Veranstaltung erhaschen, selbst Freeman und ihrem Führungsstab blieb der Zutritt aber verwehrt. Da half nicht einmal die große Rede!

Neben einem Blick auf Captain Shelby (ja, genau! DIE Shelby) und DJ Okona (ja, genau! DER Okona) lernen wir in diesen Szenen aber vor allem eines: Wichtig ist nicht, auf welche Party man geht, sondern mit wem. So landen alle am Ende in einer geschichtsträchtigen Kneipe, die wie das Museum eines Trekkies wirkt. Vielleicht ist das ja auch ein Modell für das 1701-Museum in Eberswalde? Museum und trekkige Speisen und Getränke; die neue Pilgerstätte für Fans mit kulinarischem Aspekt. Stöwe, übernehmen Sie!

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(EInige) Easter Eggs

  • Erneut erschlagen uns die Referenzen fast im Vorbeigehen: Ceti Alpha V (Khan), Rubicon III (Wesley und das Blumenbeet), 3D-Schach, Lirpa, Trikorder, Tribble, Rikers offenes Hemd (aus Angel One), Data und Lore, Quark und sein Franchise, Antedianer (aus Manhunt), die Aurelianer und die Em aus der ersten Zeichentrickserie und und und. Irre, was hier aufgeboten wird.
  • Auf der Party sieht Boimler Captain (!) Shelby, Rikers berühmte Konkurrentin aus dem großen ersten TNG-Borgzwischenfall. Sie hat also ihr eigenes Kommando erreicht! An ihrer Seite steht ihre Nummer Eins und auch hier handelt es sich um Kanon-Gold aus tiefsten Tiefen: Das Alien sieht nämlich exakt so aus, wie man Saru zunächst für Star Trek: Discovery geplant hatte! Verrückt!
  • Völlig abgedreht wird es am Ende, als man den aus TNG bekannten Captain Okona als DJ der großen Sternenflotten-Party serviert bekommt. In der nach ihm benannten Episode The Outraegous Okona (Der unmögliche Captain Okona) war er Chef auf seinem eigenen, kleinen Schiff und als eine Art von Kurier tätig. Nun also DJ!

Fazit

Mit der fünften Episode der Staffel kopieren die Macher recht schamlos eine der beliebtesten Classic-Episoden und versehen sie mit einem neuen Dreh. Da das aber genauso unterhaltsam gelingt wie die Nebenhandlungen um den Modellraumschiff-Bastler Rutherford und die Party-Versuche von Boimler und Mariner, vergeht die Zeit wie im Flug. Lässt man sich auf den Subtext rund um Selbst- und Fremdwahrnehmung ein und erfreut man sich am Thema von Freundschaft und Zusammenhalt, wird gar eine richtig tolle Episode geboten.

Im Vorbeigehen schwingen die Autoren auch noch derart stark die Anspielungskeule, dass man selbst beim Rewatch nie alles entdecken kann. Lower Decks wie es sein soll!

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