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Star Trek: Lower Decks - Rezension zur Episode 2.07 "Where Pleasant Fountains Lie"

Die siebte Episode der zweiten Staffel schwingt die große Erotik-Keule (kein Wortwitz enthalten) und bringt mit Jeffrey Combs einen wunderbaren Gaststar in einer äußerst coolen Rolle zur Serie.

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von Björn Sülter

Achtung: Die Rezensionen sind nicht spoilerfrei.

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Zum Inhalt: Während Boimler und Mariner zur Erde aufbrechen, um einen gefährlichen Supercomputer zu übergeben, hilft Rutherford seinem Boss Billups auf einer unerwartet familiären Mission ...

Struktur

Manchmal gelingen den Machern von Star Trek: Lower Decks Episoden wie diese, bei denen man sich rein von der Struktur der Erzählung direkt wieder in einem Abenteuer aus den klassischen Trek-Serien wähnt. Das liegt einerseits an der klaren Aufteilung von A- und B-Handlung, den nur wenigen ergänzenden Szenen und einer Ernsthaftigkeit in der Durchführung (was angesichts der völlig verrückten Handlung rund um Billups etwas albern klingen mag), die beide Geschichten sicher in den Hafen bringt.

Auch beweist man dadurch erneut, dass die Serie dann am besten ist, wenn sie insgesamt ein wenig vom Gaspedal geht und sich auf die Elemente verlässt, die die Episode tragen sollen und man produktionsseits den Eskalationsfaktor drumherum etwas herunterschraubt. Insbesondere zur direkten Vorgängerepisode wird hier rückblickend ein Klassenunterschied deutlich, da man dort einige Witze zu oft erzählte, die Pakled zu stark überzeichnete und auch sonst an vielen Ecken (Stichwort: Anomalie-Dienst) nicht ausreichend auf den Punkt kam; so gut die Intentionen (siehe Boimlers "Training") auch waren.

Lds 207 Post 04

Billups

Andy Billups war bisher nur selten ins Rampenlicht getreten, konnte aber jederzeit mit kauzigem Charme überzeugen. Der etwas steife Ingenieur erhält hier nun eine Backstory, die man sich so vermutlich nicht einmal in einem Fiebertraum zusammenfabuliert hätte. Den Machern gelingt mit der Einführung seiner Mutter und der Spezies der Hysperianer eine vollkommen andersartige Kultur, die auf Fantasy-Elementen und Drachen-Sagen aufbaut. Das Innere des Schiffes wurde dabei mit einer derartigen Liebe zum Detail gestaltet und lässt uns an der Seite von Billups und Rutherford in eine neue Welt eintauchen, die mit Barden, Tänzerinnen und Tänzern und opulenter Einrichtung daherkommt. Dazu wandelt sich der Soundtrack angemessen. Toll!

Aus Andy nun also Andarithio, den Prinzen und zukünftigen König seines Volkes zu machen, ist eine witzige Idee. Das gilt auch für seine Weigerung, durch Beischlaf den Thron besteigen zu müssen. Der Mann ist von Herzen Ingenieur und überzeugte Jungfrau und will das auch bleiben! Einzig die Anerkennung seiner Mutter, die entfernt sicher an Lwaxana Troi erinnern soll, wünscht er sich.

Dass seine Mutter irgendetwas plant und Rutherford und die Königin bei der Explosion später nicht wirklich sterben, ist relativ vorhersehbar. Auch Tendis Trauer überzeugt keine Sekunde, wird aber auch zum Glück nicht lange ausgespielt. So tut es dem turbulenten Spaß, der sich schließlich bis zu einer Softporno-Szene in Billups Quartier zuspitzt, aus der Rutherford ihn retten muss, keinen Abbruch. Viel zu sehr ist man mit Schmunzeln und Lachen über die Absurdität der Situation beschäftigt.

Am Ende darf Billups also als Jungfrau ("Ich war noch in der Aufwärmphase") dort bleiben, wo er sich am wohlsten fühlt: bei seinem Warpantrieb! Seine Mutter wird aber, ganz die Lwaxana, sicher irgendwann zurückkehren und hat dann bestimmt noch ein Ass im Ärmel.

Agimus

Eine vollkommen andere Richtung nimmt die Boimler-Mariner-Handlung, wobei man nicht einmal sicher sagen kann, welche hier überhaupt die A- und welche die B-Handlung ist. Witzig ist natürlich direkt der Einstieg, bei dem eine Zivilisation aus den Klauen eines Supercomputers gerettet wird und einen 100-jährigen Krieg hinter sich lässt. Wie auch in der ersten Staffel (Stichwort: Landru) greifen die Macher hier ein Trek-Klischee auf und spielen es für ihre Zwecke aus.

Dass Mariner hinter Boimlers verändertem Auftrag steckt, ist, wie auch im oben beschriebenen Falle, recht vorhersehbar. Die beiden brechen als auf, um AGIMUS zur Erde, genauer ins Daystrom Institut zu liefern. Shuttlemissionen waren in der Serie bisher rar, stellen aber selbst ein Trek-Klischee dar; ebenso wie der unvermeidliche Shuttleabsturz auf einer öden Welt, der AGIMUS die Chance bietet, einen neuen, finstere Plan auszuhecken und die beiden gegeneinander auszuspielen.

Dabei glaubt man wirklich lange, dass Boimler wirklich sauer auf Mariner ist und AGIMUS verfällt. Vielleicht zahlt sich an dieser Stelle aus, dass man zweimal anderweitig so vorhersehbar schrieb und nun in dieser Sache überrascht wird. Boimler legt nämlich den Supercomputer rein und schlägt ihn mit seinem Ego; Captain Kirk konnte das bekanntlich auch immer sehr gut!

Wenn AGIMUS am Ende zwischen vielen anderen bösen Supercomputern eingelagert wird, erkennen wir, dass die Serie wirklich dann am besten ist, wenn sie einen Trek-Aspekt durchdenkt und konsequent zuende schreibt. Die vielen kleinen (oft sehr deutlichen) Anspielungen (die hier diesmal kaum vorkommen!) sind zwar auch witzig, wenn die Idee im Kern aber eine so gute ist wie hier, macht es einfach am meisten Spaß, weil Lower Decks dadurch auch eigenständiger wirkt und weniger Effekthascherei betreibt. Weiter so!

Lds 207 Preview 01

(EInige) Easter Eggs

  • Der Titel stammt im Englischen wie im Deutschen aus Shakespeares Venus und Adonis. Dabei handelt es sich um ein Epyllion, also ein kleines Epos über die sexuelle Liebe.
  • Die Sprecherin von Königin Paolana ist June Diane Raphael, die echte Ehefrau von Billups-Sprecher Paul Sheer.
  • Trek-Legende Mike Okuda lieferte hier einen neuen Übersichtsplan der USS Cerritos für die Serie.
  • Jeffrey "AGIMUS" Combs war Shran in Star Trek: Enterprise, Weyoun und Brunt in DS9 und hatte über die Jahre auch sonst noch einige weitere Trek-Rollen zu bieten.
  • Shaxs und auch Kayshon fehlen in dieser Episode gänzlich. Für viele (Freeman, Ransom, Tendi) bleiben nur Nebenrollen.

Fazit

Die Episode kommt, was die Struktur der Erzählung angeht, unerwartet aufgeräumt daher, verzichtet auf unnötige Nebenschauplätze und bietet in der Summe an zwei Fronten Geschichten an, die für sich absolut überzeugen können und durchweg Spaß machen.

Während die Story um Agimus erfolgreich und unterhaltsam mit vielen Trek-Tropen spielt und insbesondere Boimler die Chance zu glänzen gibt, gelingt in Sachen Billups ein durchgeknalltes Abenteuer rund um eine Nebenfigur, das für viele Lacher taugt und den Charakter in ein vollkommen neues Licht rückt. So darfs weitergehen!

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