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Star Trek: Lower Decks - Rezension zur Episode 2.08 "I, Excretus"

Die achte Episode der zweiten Staffel dringt erneut tief in den Franchise-Kanon ein und liefert uns damit ein spannendes und höchst amünsantes Lehrstück darüber, wie gut die Serie sein kann.

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von Björn Sülter

Achtung: Die Rezensionen sind nicht spoilerfrei.

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Zum Inhalt: Eine Ausbilderin der Sternenflotte soll die Crew testen und greift dafür zu ungewöhnlichen Maßnahmen und Übungsszenarios ...

fürs protokoll

Hatte noch irgendjemand den Status der Lower Deckers an Bord der U.S.S. Cerritos in Frage gestellt? Ab jetzt nicht mehr. Die Episode eröffnet mit einer wunderschönen Weltraumsequenz, bei der unser Heldentrupp auf der Außenhülle des Schiffes die Schönheit des Alls bewundert (und nebenbei Reparaturen vornimmt). Ein Hilferuf veranlasst die Brückencrew jedoch, einfach schwupps unter ihren Füßen weg-zu-warpen. Ohne sie vorher reinzubeamen. Ohne Information. Ohne ein "Wir kommen wieder!". Sechs Stunden später werden die vier zwar wieder eingesammelt, die Prioritäten sind jedoch abermals klargemacht worden. Schön, dass wenigstens Shaxs noch an Gleichheit glaubt. Dass dieses Thema am Ende noch so wichtig werden würde, war hier natürlich noch nicht abzusehen.

VORSPIEL

Bereits in der ersten Staffel haben wir gemerkt, dass die Serie immer dann am besten ist, wenn zwei Komponenten zusammenkommen: ein perfektes Eintauchen in den Kanon der anderen Serien und Filme auf der einen und die Beschäftigung mit den Figuren dieser Inkarnation auf der anderen Seite. Auch in diesem zweiten Jahr gelang das mit der Episode Kayshon, His Eyes Open (Kayshon, seine Augen offen) bereits einmal nahezu perfekt.

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von unten nach oben

Inhaltlich geht es diesmal um Maschinen, in denen man Situationen aus der Sternenflotten-Vergangenheit als eine Art Übungsszenario nachspielen kann. Genau genommen handelt es sich also um Mini-Holodecks, mit denen getestet wird, wie der Nachwuchs mit den verücktesten Missionen der etablierten Crews umzugehen weiß und wie umgekehrt die Führungsoffiziere mit der Rolle als Unterdeckler klarkommen. Eine clevere Idee! Für die Macher handelt es sich dabei natürlich auch um einen simplen Kniff, dem Kanon der anderen Serien zu huldigen und unsere Protagonisten Abenteuer erleben zu lassen, an die wir uns alle gerne erinnern.

Für Mariner geht es gleich in die Vollen! Sie soll das terranische Imperium im Spiegeluniversum infiltrieren, was zu bekannt-beliebten Sequenzen und einem schnellen Ende führt. Auch im Wilden Westen ist sie danach nur wenig erfolgreich. Das Setting bringt aber schönste Erinnerungen an verschiedene Episoden aus TOS, TNG & Co zurück, wobei natürlich besonders Spectre Of The Gun (Wildwest im Weltraum) Pate stand. Ihr drittes Szenario führt sie dann in ein wahres Naked-Time-Naked-Now-Szenario (bekannt aus den beiden so betitelten Episoden aus TOS und TNG), bei dem alle Crewmitglieder nackt herumlaufen und Mariner am Ende ebenfalls wieder mit leeren Händen dasteht.

Tendi muss sich derweil auf der Krankenstation um einen gelähmten Klingonen kümmern, der ehrenvoll zu sterben wünscht. Jeder denkt dabei natürlich sofort an Worf aus der TNG-Episode Ethics (Die Operation). Leider trifft sie aber eine Fehlentscheidung nach der anderen und verliert.

Episch wird es bei Rutherford, der die passend betitelte Mission "Für das Wohl Vieler" und somit die Todesszene von Spock aus Star Trek II nachspielen darf. Dabei ist es einfach toll, die damaligen Kulissen und Uniformen wiederzusehen, auch wenn das Schiff direkt in die Luft fliegt.

Erinnerungsreich wird es auch bei Boimler, der einen Borg-Kubus besucht und dessen Szenario auf viele Episoden aus TNG, Voyager oder auch Star Trek: Der erste Kontakt anspielt. Zudem ist Boimler der Einzige, der beim ersten Anlauf Erfolg hat, aber nur eine 79%-Wertung erreicht. Während er es also munter weiter versucht, müssen Mariner, Tendi und Rutherford zunächst damit leben, dass sie bei allen Anläufen versagt haben. Sogar bei 94% hört Boimler nicht auf und will unbedingt die 100% knacken, was zu den Entwicklungen der bisherigen Staffel passt. Boimler hat am schnellsten begriffen, wo er hin will und wie er das erreichen kann. Der Mann besitzt definitiv ein Karriere-Gen!

von oben nach unten

Während die Unterdeckler also Führungscrew spielen und an den mannigfaltigen Entscheidungen zu scheitern scheinen, müssen die Chefs wieder lernen, eine sehr untergeordnete Rolle zu spielen. Die Aufgabe: Kisten stapeln, während das Schiff kurz vor der Zerstörtung steht. Ihre Infos erhalten sie mehr zufällig (Klingonen, Q, Jem'Hadar) und dürfen sonst natürlich keine Details wissen. Hier kehren die Macher das Prinzip auf eine erfrischende Weise um und zeigen den großen Tieren, wie frustrierend der Dienst in Unwissenheit sein kann. Außerdem ist das Essen schlecht und die Betten hart. Das muss auch mal gesagt werden!

Gemeinsam stark?

Nach diesen zugegebenermaßen sehr kurzen Ausflügen steht dann der dritte Block der Testreihe an: eine gemeinsame Mission von Führungsebene und Unterdecklern. Wird es ihnen gelingen, zu einer funktionierenden Crew zusammenzuwachsen? Wohlgemerkt immer noch mit vertauschten Rollen.

Dafür wählten die Macher ein ebenfalls beliebtes Szenario aus: Die Entführung des Schiffes (hier natürlich der Cerritos) aus dem Raumdock, um Spock vom Genesis-Planeten zu retten, womit man diesmal bei Star Trek III landet.

Dass aufgrund der Zickereien zwischen Freeman und Mariner der ersten Anlauf in Rekordzeit schiefgeht, war fast zu erwarten. Die Macher stellen hier die Frage, was nötig ist, damit man als Crew in einer schwierigen Situation funktionieren kann; abseits von Rang, Ego und Eitelkeiten. Zumindest realisieren das Freeman und Mariner. Der Übungsleiterin geht es jedoch leider um etwas anderes: Um ihr Programm nicht überflüssig werden zu lassen, benötigte sie eine Crew, die mit Schande durch alle Tests durchfällt und wählte die Cerritos um an ihr ein Exempel zu statuieren. Damit wird sie fast zum so beliebten Klischee-Badmiral (auch wenn sie keiner ist).

Grande Finale

So dreht sich am Ende alles und die Crew bringt ihrer fiesen Ausbilderin bei, was es wirklich heißt, in der Praxis zu operieren. Während Boimler, der eigentlich die 100% erreicht hatte, nun in der Warteschleife hängt und noch auf die Borg-Königin (gesprochen von Ur-Queen Alice Krige!) treffen darf, rocken die restlichen Crewmitglieder ihre reale Mission und beweisen der arroganten Ausbilderin, dass nicht alles so einfach ist wie in der Theorie. Zwei "echte" Weltraumphänome später ist die Sache geklärt und die Crew rehabilitiert.

Leider ist es Boimler aber nicht so gut ergangen: Als Excretus von den Borg ist er den gleichen Weg wie einst Captain Picard gegangen und hat seine schöne Bewertung damit auf 8% runtergefahren. Der Vorzeigeoffizier bleibt somit auf dem schlechtesten Ergebnis sitzen, hat aber die Crew gerettet. Aus dem Typen wird einmal ein toller Captain!

Die wichtigste Erkenntnis der Episode lautet zum Schluß allerdings, wie wichtig gegenseitige Wertschätzung ist. Man darf gespannt sein, ob dieser Zustand für die Crew anhält.

Nachspiel

Kommen wir am Ende aber noch einmal zurück zum Anfang: Die Macher wissen genau, was ihre Stärken sind und wann ihr Format am besten funktioniert. Der Clou ist jedoch nicht, eine reine Clipshow runterzukurbeln, sondern wie auch schon in Crisis Point (Der Aufstieg von Vindicta) aus der ersten Staffel die Geschichte dieser Serie damit emotional zu verbinden und etwas über unsere Figuren auszusagen. Erneut gelingt das hier meisterhaft!

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(EInige) Easter Eggs

  • Captain Freeman hat sich offenbar endgültig für "Warp mich!" ("Warp me!") als schmissigen Spruch entschieden.
  • Shari Yn Yem ist eine Pandronianerin aus der Zeichentrickepisode Bem (Echsenjagd) der ersten Trek-Animated-Serie.
  • Die Erwähnung von Q mit dem Robin-Hood-Hut zielt auf die Episode Qpid (Gefangen in der Vergangenheit) aus TNG ab.
  • Borg-Babys kennen wir aus Q Who (Zeitsprung mit Q), ebenfalls aus TNG.
  • Boimlers Satz über die Borg “They took everything that I was” ist bis auf das "that" exakt dasselbe, was Picard in Family (Familienbegegnung) zu seinem Bruder nach der Assimilierung sagte.

Fazit

Mit I, Excretus liefert die Serie nach Crisis Point im ersten Jahr die zweite perfekte Episode ab, da sie sich einerseits felsenfest auf etablierte Anekdoten aus dem reichhaltigen Kanon stützt, auf der anderen Seite aber auch nie vergisst, wer die wahren Helden dieser Serie sind. Mit dieser Symbiose gelingt eine weitere Blaupause für die weiteren Staffeln verbunden mit einem klaren Statement, dass die Macher absolut verstanden haben, was zu tun ist.

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