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Star Trek: Lower Decks - Rezension zur Episode 2.09 "wej Duj"

Die vorletzte Episode der zweiten Staffel lässt uns am Freizeitspaß der Crew teilhaben, erzählt uns aber auch noch einiges über andere Kulturen, das Setting der Serie und die Figuren. Zudem gibt es den besten Abschlussgag ever.

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von Björn Sülter

Achtung: Die Rezensionen sind nicht spoilerfrei.

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Zum Inhalt: Während eines längeren Warptransfers darf die Crew sich ein wenig erholen. Doch auch anderswo im All ist eine Menge los ...

Teaser

Dass die Macher von Star Trek: Lower Decks einen Episodentitel samt grundlegender Story aus Star Trek: The Next Generation zu einer eigenständigen Serie gemacht haben, ist an sich schon eine ziemlich clevere Geschichte. Was hier, in dieser neunzehnten Episode der Serie und vorletzten der zweiten Staffel passiert, geht darüber jedoch noch weit hinaus. Doch der Reihe nach.

R&R

Was macht man an Bord eines Raumschiffs eigentlich, wenn sich der Warptransfer zu einem entfernten Ziel mal wieder endlos hinzieht? Was, wenn alle Kisten gestapelt, alle Holodecks gereinigt, alle Pokerrunden gespielt sind? Captain Freeman sieht die Sache pragmatisch: Die Crew darf ein wenig Spaß haben! Was zunächst wie eine dieser Episoden klingt, bei denen alle einfach nur kleine Abenteuer an Bord erleben, schlägt bereits nach wenigen Sätzen in etwas völlig anderes um. Die Macher um Mike McMahan zeigen uns diesmal nämlich, dass es Unterdeckler wirklich überall gibt! Nicht nur auf der Cerritos und auch nicht nur auf Sternenflottenschiffen! Wir erleben vielmehr die unteren Ränge auf einem klingonischen Bird of Prey, auf einem vulkanischen Schiff der Suurok-Klasse, auf einem Pakled-Schiff und ..., aber das ist noch eine andere Geschichte fürs Ende dieser Rezension.

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Auf der Cerritos

Die Cerritos-Crew steht diesmal nicht so sehr im Mittelpunkt. Rutherford töpfert mit Shaxs (kurz gefragt: WAS töpfert Shaxs da?), Tendi geht mit T'Ana Bergsteigen (wie einst Kirk in Star Trek V) und erhält Besuch von Boimler (mit "Go climb a rock"-Shirt) wie Kirk von Spock im selben Film. Ein cooler Referenzmix! Mariner verlebt derweil Freizeit mit ihrer Mum (was ihr vermutlich mehr gefällt als sie zugeben würde) und Boimler sucht ebenfalls verzweifelt einen Brücken-Buddy, also jemand aus den höheren Rängen, der oder die bei der Karriere helfen kann. An Kayshon scheitert er und in die kleine Ransom-Truppe gelangt er nur mit einer Lüge über seine Herkunft. Herrlich ist, dass am Ende niemand von Hawaii stammt, aber offenbar drei vom Mond. Oder ist das auch geschwindelt? Ransom gibt sogar zu, dass er als Ensign seinen eigenen Vorgesetzten über seine Herkunft belogen hat. Wir erinnern uns: Das gleiche Thema gab es auch in der TNG-Episode Lower Decks (Beförderungen) rund um Riker! Stark! Am Ende laufen die Cerritos-Geschichten dann mit allen anderen zusammen. Doch schauen wir uns diese zunächst einmal genauer an.

Auf der IKS Che’Ta

Die Klingonen gehören fraglos zu den am häufigsten in Star Trek verwendeten Spezies. In Star Trek: Enterprise wurden sie dabei aber leider zuletzt ein wenig zur Karikatur und verloren ihren Zauber, den TOS, TNG und insbesondere auch DS9 (sowie Voyager mit Torres) aufgebaut hatten. Hier jedoch kehren sie zu alter Stärke zurück, weil es McMahan und seinem Team gelingt, sie auf das Wesentliche zu reduzieren. Ist es nicht fast absurd, dass ein humorvolles Format wie Lower Decks die Klingonen damit besser behandelt, als eine ernste Realserie wie Enterprise zuvor?

Im Mittelpunkt befindet sich das Schiff IKS Che’Ta, wunderbar im Design aus Star Trek III importiert. Captain Dorg steht dabei in bester Tradition eines alten, verbohrten Klingonen, der zwar vorgibt, um Ehre und Ruhm zu ringen, aber zunehmend die alten Pfade verlässt. Er ist damit auch ein Spiegelbild von General Chang aus Star Trek VI (der wunderbar zitiert wird) und seinen Mitverschwörern. Dorg agiert im Dunkeln und will der Föderation hinterum schaden. Dass ausgerechnet er in seinem Unterdeckler M'ach einen wahren Klingonen sieht, ist rührend-absurd. Immerhin scheint sein Targ eine bessere Klingonenkenntnis zu besitzen ...

M’ach ist nämlich ein Klingone, der das Herz und die Ehre eines wahren Kriegers besitzt, der für die Werte seines Volkes kämpft und bereit ist, Risiken einzugehen. Bleibt zu hoffen, dass wir ihn wiedersehen werden. Immerhin dürfte es spannend sein zu erfahren, was der Hohe Rat der Klingonen zu den Geschehnissen zu sagen hat ... und wer eventuell noch in der Pakled-Nummer mit drinhängt.

Auf der Sh’Vhal

Weniger blutig, aggressiv und verschlagen geht es selbstverständlich bei den Vulkaniern zu. Hier erleben wir endlich einmal das alltägliche Leben einer Crew der Logiker; dazu noch auf einem wunderbaren Schiff der Suurok-Klasse, die wir in Star Trek: Enterprise kennen und lieben lernten. Im Mittelpunkt steht Unterdecklerin T'Lyn (benannt nach der Autorin der Episode, Kathryn Lyn, die eben jene Figur der T'Lyn seit Jahren in der realen Fanwelt cosplayed). Diese zeigt sich nach menschlichen Maßstäben absolut logisch, beherrscht und brillant. Vergleicht man sie mit dem Rest ihrer Crew, ist jedoch auch eine Spur passiv aggressiv (wie eigentlich alle an Bord!), schnippisch und besserwisserisch. Sie ist somit in gewisser Weise die vulkanische Mariner! Perfekt!

Die Macher bringen diese beiden Seiten in Kontrast, indem sie die Vulkanier übertrieben-drastische Statements abgeben lassen ("Sie sind völlig außer Kontrolle!", "Sie benehmen sich wie ein Kind!"), nur um dann die Cerritos-Crew zu zeigen, auf die das viel eher zutrifft. Man denke an Boimler, der jauchzend durch die Gegend fliegt. Herrlich!

Doch behält T'Lyn am Ende mit vielen ihrer Ideen Recht. Mehr noch: Aus irgendeinem Grund lässt ihr Captain sie am Ende freimütig gehen; nicht auf ein anderes vulkanisches Schiff, sondern zur  Sternenflotte! Will er eine Querulantin loswerden? Oder sieht er ihr Potenzial und weiß, dass sie es dort besser entfalten kann? Wir müssen abwarten und dürfen uns derweil fragen: Ob sie wohl zukünftig mal auf der Cerritos aufschlagen wird?

Auf der Pakled

Klingt komisch? Nicht zu ändern. Offenbar heißen alle Pakled-Schiffe Pakled. Logisch eigentlich, wenn alle Sternenflottenschiffe Enterprise heißen, oder? Auch der rote Alarm ist ein echtes Highlight. Unbedingt drauf achten! Die Unterdeckler bekommen in diesem Fall aber nur eine sehr kurze Szene, die dafür wunderbar funktioniert ("Ich habe Hunger!"; "Dann iss was!"; "Du bist so schlau!"). Gut, wenn man mit so wenig so glücklich gemacht werden kann, oder?

Konvergenz

Am Ende ergibt das Puzzle dann noch ein Ganzes, als die Cerritos auf die Klingonen, die Pakled und die Vulkanier trifft und der Sache rund um Dorgs Verschwörung somit auf die Spur kommt. Der gute Mann ist der Drahtzieher hinter der Stärke der Pakled! Er beliefert sie mit Waffen und Informationen! Wohin wird dieser Handlungsstrang wohl noch führen? Bleiben die Pakled als Antagonisten im Spiel? Haben sie noch andere Helfer bei den Klingonen oder sogar bei anderen Spezies? Wir werden es sicher erfahren.

Abspann

Meist kommt an dieser Stelle einer Episode dann der Abspann. Im Falle von Star Trek: Lower Decks hieße das blaue Schrift auf schwarzem Grund. Allerdings haben die Macher sich den besten Gag für genau diesen Moment aufgehoben. Nach den Klingonen, den Vulkaniern und den Pakled erleben wir nun nämlich noch die Borg-Unterdeckler auf Borg-Kubus 90182 (was vermutlich auf Beverly Hills 90210 anspielen soll). Diese machen exakt gar nichts. So sehr man sich auch bemüht, ist nichts zu erkennen; außer vier Unterdeckler beim Regenerieren. Begleitet wird das Ganze einzig von einer typischen Borg-Kubus-Soundkulisse. Und wie sollte es auch anders sein? Die Borg machen einfach nichts anderes! Wer kommt bloß auf eine solch grandiose Idee? Nur McMahan und sein Team. Verrückt. Abgedreht. Toll!

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(EInige) Easter Eggs

  • Zwei Crewmitglieder bereiten sich auf eine Partie Anbo-jyutsu vor, bekannt aus TNG. Andere tragen Uniformen, die zum Setting auf dem Segelschiff Enterprise vom Beginn des Films Star Trek: Treffen der Generationen passen. Wieder andere scheinen sich auf ein Theaterstück vorzubereiten; auch das kennen wir aus TNG.
  • In der Voyager-Episode Alter Ego sahen wir eine ähnliche Hawaii-Fantasie wie hier. Das Spiel Velocity stammt auch aus Voyager, genauer aus Hope and Fear (In Furcht und Hoffnung).
  • Stratagema und das süchtig machende Erotik-Spiel aus The Game (Gefährliche Spielsucht) werden erwähnt, beziehungsweise sind zu erkennen. Beides sind TNG-Referenzen.
  • Ein "Go climb a rock"-Shirt trug auch Kirk in Star Trek V. Der Bergsteigerausflug erinnert ebenfalls stark an den Streifen.
  • "Logik ist der Anfang aller Weisheit, nicht das Ende" sagte Spock zu Valeris in Star Trek VI. Sogar das Haarband von T'Lyn ist dem von Valeris ähnlich.
  • Das Klingonenschiff sieht aus wie aus Star Trek III, das vulkanische Schiff wurde in Star Trek: Enterprise eingeführt.

Fazit

Eine weitere großartige Episode, die nicht nur die clevere Idee präsentiert, Unterdeckler anderer Spezies zu zeigen, sondern sich auch noch an den Figuren auf der USS Cerritos abarbeitet, willkommenes Worldbuilding betreibt und die Staffelhandlung rund um Boimlers Karrierepläne und die Pakled voranbringt. Dieses Kunststück gelingt hier wohlgemerkt erneut in nur 25 Minuten!

In dieser prächtigen Verfassung ist es wahrlich mehr als schade, dass die nächste Episode schon wieder die vorerst letzte ist. Star Trek: Lower Decks hat sich endgültig als eigenständige Trek-Serie bewiesen und liefert mit wej duj in jedem Fall eine der besten Star-Trek-Episode des aktuellen Jahrtausends ab.

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