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Star Trek: Lower Decks - Rezension zur Episode 2.10 "First First Contact"

Finale! Die letzte Episode der zweiten Staffel bietet massig Drama, befasst sich noch einmal intensiv mit den liebgewonnenen Figuren und hat sogar noch einen fiesen Cliffhanger im Gepäck.

Lds 210 Eggs Ransom Joystick

von Björn Sülter

Achtung: Die Rezensionen sind nicht spoilerfrei.

Lds 210 Eggs Cetaceanops 2

Zum Inhalt: Eigentlich soll Captain Freeman nur ihren allerersten Erstkontakt durchführen. Das Schiff gerät aber gemeinsam mit der USS Archimedes in große Gefahr, was sogar eine bevorstehende Beförderung überschattet ...

Schockeffekt

Der Teaser hat es richtig in sich: Nicht nur darf die Cerritos-Crew gemeinsam mit Captain Sonya Gomez (jene, die einst ihren Kaffee auf Picard verschüttete) einen echten, ersten Kontakt durchführen, Captain Freeman bereitet sich offenbar auch auf eine Versetzung vor! Doch natürlich lauscht ausgerechnet ihre Tochter und macht große Augen ...

buntes treiben

Doch außer Mariner findet das Ganze offenbar niemand schlimm: Die restlichen Unterdeckler sehen es positiv und freuen sich auf eine schmissige Party. Daher muss Mariner alleine ran und petzt die News Ransom, Billups und Shaxs, die auch direkt eine emotionale Szene vom Zaun brechen, die einerseits mit den verletzten Gefühlen als Kollegen, andererseits aber auch mit dem Status der California-Klasse innerhalb der Sternenflotte spielt. Insbesondere Billups scheint darunter zu leiden, dass man "sein" Schiff nicht ernst nimmt, während Shaxs einfach nur sauer ist und Ransom primär gerne an Freemans Seite bleiben oder selbst Captain werden würde. Hier gelingen wieder gute Figurenzeichnungen. Außerdem wirft das Verhalten der Crew die Frage nach Vertrauen und verletzten Eitelkeiten auf. Immerhin lenkt alle aber ein Notfall ab, der dezent an den Praxis-Zwischenfall aus Star Trek VI: Das unentdeckte Land erinnert und den Erstkontakt wie auch das Wohl der neuen Spezies gefährdet.

Unterbrochen werden die Cerritos-Szenen immer wieder von solchen auf der USS Archimedes unter Captain Gomez. Diese umspielt ein ähnliches Flair wie auf der USS Titan mit Captain Riker zuvor, was aber nicht nur an den Uniformen und der Umsetzung der Kulissen liegt. Es ist vielmehr die Ernsthaftigkeit, die auf diesen Schiffen zelebriert wird, die eine feine Trennlinie zum oft wilden Treiben auf der Cerritos zieht. Gut gemacht!

In Sachen Mariner vs Freeman gibt es den obligatorischen Streit zwischen Mama und Tochter zu bewundern. Dieser führt jedoch langsam auch zu Ergebnissen, weil die beiden zunehmend ehrlicher miteinander umgehen und dadurch wirklich etwas lernen könnten. Zunächst gilt es aber erstmal den Teamgeist zu beschwören und über sich hinauszuwachsen; ein beliebtes Thema der Serie, das hier durch eine emotionale Motivationsrede des Captains adäquat eingeleitet wird.

Uns so kommt es, wie es kommen muss: Die Crew der Cerritos gibt alles und rettet nicht nur das eigene Schiff, sondern auch die neue Spezies und die Kolleg*innen von der Archimedes. Dass dabei die Captain`s Yacht ebenso Erwähnung findet wie auch der Joystick aus Star Trek: Der Aufstand, gehört bei der Serie ja inzwischen zum guten Ton. Die Referenzen machen sich jedoch rarer, sind gut versteckt oder vollkommen verrückt, wie in Sachen Cetacean Ops. Dass Sternenflottenschiffe wirklich Wale als Navigatoren an Bord haben, erinnert stark an SeaQuest DSV und den sprechenden Delfin (auch wenn man den lieber vergessen würde). Die Lower-Decks-Macher kramen hier also erneut etwas aus dem (Pseudo-)Kanon hervor, dass mindestens so abgedreht ist wie der Spock-Merchandise-Helm aus der ersten Staffel. Immerhin: Die beiden tierischen Freunde sprechen in ihrer Sprache und werden untertitelt. Puh, Glück gehabt.

Sogar Boimler darf in diesem Zusammenhang erneut seinen Mut beweisen, im Tauchgang das Schiff retten und gerät natürlich in Lebensgefahr. Gut, wenn man Wale an Bord hat, oder?

Auch die großen Action-Szenen der Episode enden versöhnlich. Insbesondere eine ist dabei bemerkenswert: War es im ersten Staffelfinale die USS Titan, die der Cerritos glorreich zur Hilfe eilte, ist es diesmal die Cerritos selbst, die der moderneren, größeren USS Archimedes beispringt. Man vergleiche die Szenen aus beiden Episoden, in denen damals Boimler aus dem Fenster (bzw. auf den Sichtschirm) deutet und hier Gomez. Sehr cool gelöst!

Was passiert sonst? Jennifer rettet Mariner, Ransom rockt das Schiff und Tendi reanimiert Boimler. Die Crew funktioniert mal wieder bestens! Wer will da bitte noch etwas Schlechtes über California-Klasse-Schiffe sagen? Das denkt sich offenbar auch Freeman. Doch dazu gleich mehr.

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Der Rest vom Fest

Auch Tendi erhält nämlich während der Episode noch eine kleine, eigene Geschichte, die zunächst nach einem Rauswurf durch Dr. T'Ana klingt. Auch hier steht die Frage nach Vertrauen im Raum: Anstatt ihre Vorgesetzte direkt auf das Thema anzusprechen, bereitet Tendi sich gemeinsam mit Rutherford auf den Abschied vom Schiff vor. Kommunikation ist eben alles. Dr. T'Ana sucht Tendi derweil überall. Doch wird natürlich auch dieser Handlungsstrang durch die Krise unterbrochen.

Als es danach endlich zum Gespräch kommt, klärt sich alles auf. Dr. T'Ana sieht einfach mehr in Tendi und schickt sie deshalb in eine Laufbahn zur leitenden wissenschaftlichen Offizierin. Für Tendi heißt das unter anderem: Brückendienst! Eine Umarmung vom Doc gibt es übrigens gratis dazu. Hoffentlich finden die Macher zukünftig dennoch genug zu tun für T'Ana. Die Figur macht nämlich einfach mächtig Spaß!

Nicht vergessen sollte man aber auch Rutherford, dessen Gefühle für Tendi sich hier überdeutlich zeigen. Nicht nur sichert er jede Erinnerung dreifach ab, er muss auch die harte Entscheidung treffen, diese zu löschen, um Platz in seinem Speicher freizugeben. Als er dabei eine verwirrende Erinnerung rund um sein Implantat verlebt, kommentiert er dies nur kurz. Wir sollten die Sequenz mit den finsteren Typen aber besser mal im Hinterkopf behalten.

Mariner und Freeman finden am Ende auch wieder zueinander (was insbesondere an Tendis guten Ratschlägen liegt). Auf der Heimatwelt der Laaperianer angekommen, absolviert der Captain erfolgreich ihren ersten Erstkontakt, der ein wenig an Zephram Cochrane und die Vulkanier aus Star Trek: Der erste Kontakt erinnert. Zufall? Sicher nicht. In durchaus angeheiterter Stimmung erklärt sie sodann ihren Rückzug vom neuen Amt. Sie will auf der Cerritos bleiben! Während ihre Crew das natürlich begeistert, erwartet uns Zuschauer jedoch noch ein echter Kracher: Commander Mandel von der Sternenflottensicherheit erwartet Freeman und möchte sie nicht etwa zu ihrem neuen Schiff geleiten. Vielmehr nimmt er sie in Arrest, damit sie sich gegen die Anschuldigung zur Verschwörung verteidigen kann. Irgendjemand hat eine Bombe in der Hauptstadt des Pakled-Planeten gezündet und man nimmt an, dass Freeman mit den Klingonen gemeinsame Sache gemacht hat.

Der Serie gelingt hier nicht nur eine überraschende und kreative Verbindung zur restlichen Staffel, sondern auch ein echt fieser Cliffhanger in bester "Mr. Worf, Feuer!"-Tradition. Klasse! Die Schlusszene mit Freeman in Handschellen, den Blicken der geschockten Crew und dem Schwenk auf das schutzlose Schiff ist einfach großartig gelungen!

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(EInige) Easter Eggs

  • Cetacean Ops mit Walen und Delfinen soll es laut dem Buch Star Trek: The Next Generation: USS Enterprise NCC-1701-D Blueprints wirklich gegeben haben. Hier sehen wir den Bereich aber nun wirklich zum ersten Mal.
  • Offenbar vertrauten die Macher dem Gedächtnis der Fans nicht so richtig: Captain Gomez darf einer stolpernden Untergebenen sagen, dass sie sich schon sehr viel Schlimmeres vor viel schlimmeren Captains geleistet habe. Armer Picard! Im Englischen sagt sie übrigens über den Ex-Captain der Enterprise nicht "schlimm" sondern "einschüchternd". Passt deutlich besser!
  • Lycia Naff hat Gomez übrigens damals in TNG schon gespielt und spricht sie nun wieder! Gomez ist hier Captain der USS Archimedes. Früher kannten wir sie als Ensign auf der Enterprise-D.
  • Zur Sonya-Gomez-Szene aus TNG gibt es übrigens eine berüchtigte Parodie von Sinnlos im Weltraum. Ist sicher Geschmackssache. Anschauen auf eigene Gefahr.
  • Zuckersüß: Rutherford speichert seit seinem Unfall jede neue Tendi-Erinnerung dreimal als Sicherheitskopie ab, damit er nichts mehr vergisst, was mit ihr zu tun hat.
  • Ransom benutzt hier einen Joystick wie einst Riker in Star Trek: Der Aufstand.
  • Neben Kirk und Spock wird auch Jadzia Dax aus Star Trek: Deep Space Nine erwähnt. Dr. T'Ana kennt diese aber nicht, was uns mal wieder vor Augen führt, dass zu wenige Menschen (und Aliens) DS9 gesehen haben.
  • Nachdem Boimler fast ertrinkt, sagt er, er habe einen Koala gesehen. Das war in der ersten Staffel auch schon Lt. O’Connor vor seinem Aufstieg zu einem höheren Wesen passiert. Tendi weiß genau, wie er sich fühlt.
  • Sogar Jennifer und Mariner versöhnen sich und stellen fest, dass beide Boimler ganz süß finden. Auf der Cerritos ist alles möglich!
  • Die "To Be Continued..."-Einblendung ist natürlich eine exakte Nachbildung des TNG-Stils. Man erinnere sich nur an den ersten, großen Borg-Cliffhanger.

Fazit

Die Staffel führt die hohe Qualität der letzten Episoden auch im Finale weiter und begeistert erneut auf ganzer Linie.

Wie bei den besten Star-Trek-Episoden gelingt es auch hier, eine actionreiche, spannende und visuell aufregende Geschichte zu erzählen, die dabei aber nie die Figuren, ihre Befindlichkeiten und einige der Werte vergisst, für die Star Trek steht: Teamgeist, Mitgefühl und Freundschaft! Was den Machern hier erneut in unter 30 Minuten gelingt, ist aller Ehren wert. Das Format hat sich in jeder Hinsicht bewährt: Als Comedy, als Huldigung, als Referenz und vor allem aber eben auch als Serie, die ernsthaft an ihren eigenen Storys und Charakteren interessiert ist.

Nach diesem wahrlich starken zweiten Jahr besteht absolut kein Zweifel: Die Vorfreude auf die dritte Staffel von Star Trek: Lower Decks beginnt genau jetzt!

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