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Star Trek: Picard – Ein Held, viele Gesichter: Teil 1

Zum Start von Star Trek: Picard am 24. Januar befasst sich Star-Trek-Experte Björn Sülter ab heute mit den wichtigsten Picard-Momenten. Zum Auftakt geht es um dessen Wertesystem.

Measure Of A Man

Jean-Luc Picard ist untrennbar mit seinem Darsteller Sir Patrick Stewart verbunden, der die Figur in sieben Staffeln von Star Trek: The Next Generation, vier Kinofilmen und sogar im Pilotfilm von Star Trek: Deep Space Nine darstellte.

Ihm gelang es, gemeinsam mit dem Autorenstab der Serie, eine Figur für die Ewigkeit zu entwickeln und letztlich dafür zu sorgen, dass man Picard heute problemlos mit der anderen großen Ikone der Trek-Captains nennen darf: James T. Kirk.

Doch was genau hat den französischen Teetrinker eigentlich so besonders gemacht? Welche Eigenschaften sind unverkennbar "Picard"? In dieser mehrteiligen Reihe steuern wir bis zum Start der ersten Staffel von Star Trek: Picard gemeinsam auf den Kern der beliebten Figur zu und ergründen, was sie in der zwanzig Jahre nach Star Trek: Nemesis angesetzten Fortsetzung im besten Fall noch definieren sollte oder sogar müsste. Ein Rewatch der erwähnten Episoden und Filme wird aus qualitativen Gründen oder einfach zum Eingrooven für die Serie wärmstens empfohlen.

Starten wollen wir heute mit etwas, das vielen Repräsentanten oder Politikern unserer Zeit gut zu Gesicht stehen würde: ein Wertesystem, das auch gelebt wird.

Für einen Freund

Ein frühes Beispiel, wie Picard seine intellektuellen und rhetorischen Fähigkeiten einsetzte, wie ein Löwe für die richtige Sache kämpfte und dabei doch innerhalb der Regeln spielte, war die Episode der zweiten Staffel The Measure of a Man (Wem gehört Data?).

Darin wurde die Existenz des Androiden Data von einem Wissenschaftler der Sternenflotte namens Bruce Maddox bedroht. Dieser wünschte sich, mehr über die Funktionsweise Datas erfahren, um ihn gegebenenfalls duplizieren zu können. Sein Credo: Data ist Eigentum der Sternenflotte. Dieser jedoch weigerte sich, was einen improvisierten Gerichtsprozess nach sich zog, der den rechtlichen Status von Data klären sollte. Picard übernahm selbstverständlich sofort die Verteidigung seines Offiziers, musste aber mit ansehen, wie Riker gezwungen wurde, für die Gegenseite zu argumentieren.

Letztlich gelang es dem Captain allerdings, die Richterin davon zu überzeugen, dass Data für sich selbst bestimmen sollte. Ein Meilenstein in der Entwicklung des Androiden, der somit nicht länger Gefahr lief, wie ein Gebrauchsgegenstand und Besitz der Sternenflotte behandelt zu werden.

Picard musste im Verlauf der Handlung wahrlich alle Register ziehen, um seinen Standpunkt zu untermauern. Seine Redegwandheit und die argumentativen Fähigkeiten bestachen dabei ein ums andere Mal, wenngleich auch Riker seine Sache exzellent machte und seinem Captain alles abverlangte.

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Für die Familie

Wie wichtig Captain Picard seine Offiziere stets waren und wie sehr er sie über den Verlauf der Serie als Familie betrachtete, ließ sich auf magische Weise anhand der ebenfalls herausragenden und emotional mitreißenden Episode The Offspring (Datas Nachkomme) aus der dritten Staffel erleben.

Darin musste der Captain sich nicht für einen seiner Kollegen, sondern vielmehr für einen Nachkommen einsetzen: Lal, Datas Tochter. Dieser hatte eigenmächtig an einem neuen Androiden herumexperimentiert, was nun erneut die Sternenflotte auf den Plan rief, die Lal zu Studienzwecken von ihrem "Vater" trennen wollte.

Picard steckte in einem wirklichen Dilemma, da er selbst nicht ganz sicher war, wie er die Situation und Datas Handlungen einschätzen sollte. Dennoch setze er sich bis zum Ende und unter Gefährdung seiner eigenen Karriere für den Androiden ein. Traurigerweise starb Lal jedoch, was Data in all seiner Genialität nicht verhindern konnte. Dem Beistand seines Captains hatte er sich jedoch ein weiteres Mal vergewissern können.

L A L

Für einen Untergebenen

Auch in der Episode The Drumhead (Das Standgericht) aus der vierten Staffel der Serie erhielten wir Zuschauer tiefe Einblicke, wie weit Picard für seine Überzeugung gehen würde.

Darin ging es um einen jungen Offizier, der ins Schussfeld einer Ermittlung geriet, da er bei der Aufnahme in die Sternenflotte über seine Herkunft gelogen hatte. Picard setzte sich vehement für den jungen Mann und gegen eine Vorverurteilung aufgrund seiner Spezies ein, fand sich daraufhin aber selbst im Fokus einer Hexenjagd wieder, die er eigentlich nur hatte verhindern wollen.

Die Richterin versuchte wie im Wahn dem Captain etwaige Verfehlungen nachzuweisen, was Picard zunächst mit Unglauben, später aber mit knallharten Worten abzuwehren wusste, die seine Gegenüber und uns Zuschauer ins Mark trafen. Nicht nur der Serie gelang hiermit eine Sternstunde, auch Picard durfte einen seiner besten Momente erleben und dabei noch beweisen, dass er selbst in dunklen Stunden dazu fähig war, als Gewissen der Sternenflotte zu agieren und den gerechten Weg zu wahren.

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Für den freien Willen

Ein schönes Beispiel findet sich auch in einem der Kinofilme. Star Trek: Insurrection (Star Trek: Der Aufstand) brachte unseren Captain in die Klemme, als ein Admiral plante, die Bevölkerung eines Planeten heimlich umzusiedeln, um diesen für die Föderation nutzbar zu machen.

Nicht zufällig erinnert die Geschichte an die Vertreibung der Indianer. Picard bezog eindeutig Stellung und legte dafür sogar seine Rangabzeichen ab. Ihm war das Schicksal von dreihundert Lebewesen und ihr freier Wille, selbst über ihr Schicksal zu entscheiden, wichtiger, als die Befehle von oben. Dass seine Anführer letztlich sogar Gutes im Sinn hatten und nach Heilmitteln oder gar dem ewigen Leben strebten, war zweitrangig. Die Wahl des Weges war falsch und der Captain der Enterprise musste handeln. Er folgte somit (wie so oft) seinem untrügerischen Instinkt und behielt am Ende recht.

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Gezeichnet

Wie wichtig der Blick auf Picards Wertesystem und auf seinen Umgang damit für die nahende Serie sein könnte, zeigen auch die aktuellen beiden Countdown-Comics.

Darin geht es um eine Mission zur Evakuierung eines romulanischen Außenpostens während sich die Sonne von Romulus zur Supernova verwandelt (man erinnere sich an die Ereignisse aus Star Trek von 2009). Picard befehligt die USS Verity und leitet den Einsatz vor Ort. Auf dem Planeten angekommen muss er allerdings realisieren, dass die Romulaner eine heimische Spezies unterdrücken und nicht mit evakuieren wollen! Der Admiral lässt dies natürlich nicht zu, landet im Knast und später in den Fängen der Einheimschen, die ihm einen vollkommen anderen Teil der Geschichte liefern. Dabei trifft er übrigens auch auf zwei Figuren, die in der neuen Serie und im Leben des Jean-Luc Picard eine wichtige Rolle spielen werden.

Je nachdem wie die Sternenflotte sich in dieser Causa im weiteren Verlauf der Handlung (Band 3) positionieren wird und was dort überhaupt noch passiert, könnte Picards Wertesystem erneut herausgefordert werden. Das Finale dieser Comic-Trilogie steht übrigens noch aus und wird erst nach der ersten Episode von Star Trek: Picard erscheinen. Aktuell werden die hier beschriebenen Ereignisse übrigens zum Kanon gezählt. Es macht daher auf jeden Fall viel Freude und ergibt Sinn, sich diese drei kurzen Comics zum Start der Serie zu gönnen.

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Ein Mann, ein Wort

Jean-Luc Picard war immer ein Mann fester Prinzipien und ein Kämpfer für die gute, gerechte Sache. Seine Crew konnte sich stets auf seine Fairness verlassen und seinem Urteilsvermögen vertrauen. Dieser Mann lebte in Funktion des Captains der Enterprise die Werte seiner Organisation oft mehr, als seine Vorgesetzten und Kollegen.

Wenn die Macher hinter Star Trek: Picard uns diesen Mann erhalten können und es ihnen überdies gelingt, seine bekannten Stärken in Konflikt mit einem spannenden Dilemma zu bringen, steht uns eine wunderbare Zeit mit der neuen Serie bevor. Die verschiedenen Informationen klingen eindeutig danach, als würde Picard sein Wertesystem in der sich anbahnenden Krise mehr als brauchen. Vielleicht ist er sogar erneut der Einzige, der die Sternenflotte davor bewahren kann, eine dicke rote Linie zu übertreten? Wir werden es bald erleben.

Im nächsten Teil dieser Reihe befassen wir uns in einigen Tagen mit dem nächsten Aspekt von Picards Persönlichkeit.

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

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Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.

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