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Star Trek: Picard - Was wissen wir? Was vermuten wir? Was hoffen wir?

Nicht einmal mehr ein halbes Jahr müssen wir uns gedulden, dann entert ein gewisser Jean-Luc Picard wieder die Bildschirme. Doch was erwartet uns im Spin-Off zur beliebten 90er-Serie? Wir haben die Fakten, die Vermutungen und die Hoffnungen zusammengestellt.

Star Trek: Picard

Ein Großereignis für Trekkies wirft seine Schatten voraus. Nach dem ersten Trailer wissen die Fans zwar immer noch nicht viel über die neue Serie, die Vorfreude wurde aber in jedem Fall weiter gesteigert. Was wir wissen, vermuten oder hoffen, haben wir für euch einmal zusammengestellt.

Was wissen wir?

Bei einer Serie, die sogar aus ihrem Titel lange Zeit ein großes Geheimnis gemacht hat, darf man zu diesem frühen Zeitpunkt, rund ein halbes Jahr vor der Ausstrahlung, vermutlich nicht zu viele Fakten erwarten.

Beginnen wir deshalb ganz einfach: Die Serie heißt Star Trek: Picard und setzt den Fokus somit auf eine Figur, nicht auf eine Crew oder einen Ort. Diesen Fakt muss man jedoch gar nicht überdramatisieren. Patrick Stewart ist schlicht der Star, das Zugpferd und Stolz der Produktion. Dass sich dieser Umstand im Titel niederschlägt, ist wenig überraschend, wenn auch nicht sonderlich kreativ.

Die Serie wird Ende 2019 in den USA auf CBS All Access, in Kanada auf verschiedenen Kanälen und im Rest der Welt auf Amazon Prime laufen und somit die zweite Streaming-Serie aus dem Trek-Franchise sein, nachdem die klassischen Serien allesamt frei empfangbar waren und Star Trek: Discovery (mit samt der Short Treks) bei Netflix gelandet war.

Die erste Staffel wird zehn Episoden umfassen. Der Plan der Macher sieht eine mehrjährige Laufzeit der Serie und ein stark serielles Erzählen vor.

Zum Stab der Ausführenden Produzenten gehört neben Patrick Stewart noch Franchise-Chef Alex Kurtzman, seine rechte Hand Heather Kadin, Akiva Goldsman, James Duff, Michael Chabon (der den Short Trek Calypso schrieb) sowie Rod Roddenberry und sein Kollege Trevor Roth. Produktionsfirmen sind neben den CBS Television Studios somit auch Kurtzmans Secret Hideout und Roddenberrys Roddenberry Entertainment. In Sachen Autoren ist auch noch Kirsten Beyer mit im Team. Ihr wird auch der Ansatz der Serie zugeschrieben.

Bei der Regie setzt man zum ersten Mal bei Star Trek auf Zweierblöcke. Hanelle M. Culpepper (die auch schon für Star Trek: Discovery aktiv war) hat die ersten beiden Episoden just abgedreht, Jonathan Frakes (Riker aus TNG) ist bei der dritten und vierten Episode am Ruder. Maja Vrvilo (wie auch Frakes ebenfalls bekannt durch ihre Arbeit an Star Trek: Discovery) ist zudem bereits als weitere Regisseurin bekanntgegeben worden. Unklar ist nur noch, welche Episoden sie übernehmen und wer die restlichen vier verantworten wird.

Laut Frakes handelt es sich bei dieser Entscheidung übrigens weniger um eine kreative denn mehr um eine ökonomische oder logistische.

Gedreht wird die Serie seit dem 22. April 2019 in den Santa Clarita Studios in Kalifornien. Bis zum 1. Oktober 2019 möchte man alle Episoden im Kasten haben. Da die Post-Produktion parallel läuft, ist eine Veröffentlichung im Dezember sicher möglich.

In Sachen Schauspieler und Figuren hält man sich bisher bedeckt. Einige Kleinigkeiten sind jedoch durch einen geleakten Casting-Sheet bereits bekannt und lassen auf eine Raumschiffcrew schließen, mit der Picard etwas zu haben wird.

Santiago Carbrera (Heroes, Big Little Lies) spielt demnach den Piloten von Picards Schiff und einen cleveren Dieb. Michelle Hurd (Daredevil, Blindspot) ist nach dieser Planung eine ehemalige Sternenflottenagentin und Analystin, die ein Problem mit Substanzmissbrauch hat. Diese beiden Informationen darf man aber mindestens noch mit einem kleinen Fragezeichen versehen - sie könnten ebenfalls im Bereich der Vermutungen stehen. Zu Cabrera und Hurd gesellen sich aber definitiv noch Evan Evagora (Secret City), Alison Pill (American Horror Story: Cult), Harry Treadaway (Penny Dreadful, Mr. Mercedes) und Isa Briones (American Crime Story: Versace).

So viel zu den Produktionsfakten.

Darüber hinaus können wir zumindest auch schon einige inhaltliche Details klar einordnen. Beginnen wir mit dem letzten bekannten Auftauchen von Jean-Luc Picard auf dem Bildschirm oder im Kino. In Star Trek: Nemesis (aus dem Jahre 2002) erlebten wir einen Staatsstreich auf Romulus, der zu einem Konflikt zwischen dem Captain der Enterprise und dem Anführer der Remaner namens Shinzon führte. Dass dieser jedoch in Wahrheit ein menschlicher Klon von Picard selbst war, machte die Angelegenheit komplizierter. Am Ende wurde Shinzon besiegt, der Putsch abgewendet und die Erde gerettet vor Shinzons Zorn gerettet.

Data starb beim Versuch, seine Crew zu beschützen, Riker und Troi machten sich als frisch gebackenes Ehepaar auf, zukünftig mit der USS Titan Abenteuer zu erleben und ließen ihren Captain mit Worf, LaForge und vielen neuen Gesichtern sowohl dem Androiden B-4 auf der USS Enterprise zurück.

In der Chronologie der Serie und der Filme schrieben wir mit diesem Abenteuer das Jahr 2379 und haben seitdem nichts kanonisches mehr von Picard, der Enterprise, den Rikers und der Titan oder allen anderen Crewmitgliedern erfahren. Romane werden wie immer nicht zum Kanon gezählt, so schön die Geschichten auch oft sein mögen.

Zeitsprung ans Ende des 24. Jahrhunderts. Wir schreiben das Jahr 2399 und Jean-Luc Picard ist in der Zwischenzeit zum Admiral befördert worden, hat diesen Rang jedoch aufgegeben. Das verriet uns der kurze Trailer, in dem es um die Frage nach seiner Motivation für den Rückzug ging. Interessant ist hierbei, dass somit sowohl im Trek-Kanon wie auch in der realen Welt rund zwanzig Jahre vergangen sind.

Die Trailer-Szenen in den Weinbergen der Familie Picard in La Barre, Frankreich, legen nahe, dass der Ex-Captain und Ex-Admiral sich für eine Weile dorthin zurückgezogen hat.

Auch ist durch verschiedene Aussagen seitens Alex Kurtzman bekannt, dass die Ereignisse vom Beginn des Films Star Trek (von 2009) eindeutig im Prime-Universum kanonisch sind und Romulus zerstört wurde. Zwar spielt der Rest dieses Films (und die beiden Folgeabenteuer) in einer alternativen Zeitlinie, der Anfang hat ihren Ursprung in der Prime-Zeitlinie. Dieser Vorgang hat Picard aus einem bisher unbekannten Grund stark beeinflusst. Ob es dabei an seinen Erfahrungen mit Shinzon oder dem Aufeinandertreffen mit Spock und Sarek (und den Bemühungen des Ersteren um eine Wiedervereinigung der Romulaner und Vulkanier) liegt oder um seine Erlebnisse mit Sela (der Tochter von Tasha Yar) geht, bleibt unklar.

Die starke Beeinflussung wird sich laut Kurtzman derart äußern, dass wir es nicht mehr mit dem Picard zu tun bekommen werden, den wir kennen.

Schauen wir uns zum Schluss noch zwei Bilder aus einem inoffiziellen Teaser und vom Set an. Auf einem kann man Jean-Luc Picard in zivil erkennen, wie er von einem jungen Sternenflottenkadetten befragt wird.

Das andere Bild veranschaulicht, wie stark man in Sachen Uniformen dem Look der klassischen Serien nacheifert.

Was vermuten wir?

Somit darf man annehmen, dass irgendetwas Picards Glauben in die Sternenflotte erschüttert hat, was im Zusammenhang mit den Romulanern steht. Vielleicht zeichnet die Serie also seinen Weg zurück zum Glauben an die Werte der Organisation nach oder bringt ihn schlicht auf einen anderen Lebensweg.

Ein wenig klingt der Cast auch nach einer Gruppe von Abtrünnigen, mit der Picard auf eine Mission geht. Etwas Ähnliches hatte man in der Serie bereits im Zweiteiler Gambit (Der Schachzug) versucht, als man Picard mit einer falschen Identität an Bord eines Söldnerschiffes agieren ließ. Haben sich die Macher vielleicht ein wenig davon und von Serien wie Firefly inspirieren lassen? Es wären keine schlechten Vorbilder.

Was die weiteren Schauspieler angeht, kann man ihnen vorsichtig folgende Rollenbeschreibungen zuordnen: Isa Briones könnte Indira spielen, die als schlau, wendig und fern der Heimat beschrieben wird. Harry Treadaway käme für Starton, einen Experten für positronische Gehirne in Frage. Alison Pill passt vom Alter her zwar auf Söldner-Pilotin Connie, die wird allerdings als Afroamerikanerin beschrieben. Evan Evagora spielt eventuell K'Bar, einen romulanischen Kampfkünstler. Ein Hologramm namens Dr. Smith steht darüber hinaus auch noch im Casting-Sheet. Verschiebungen und Umbenennungen sind hier aber natürlich noch möglich.

Die alternative Zukunft aus der TNG-Abschlussepisode All Good Things (Gestern, heute, morgen) dürfte derweil keine Rolle spielen, auch wenn der Zeitpunkt der Handlung ähnlich ist. Die Szenen in der fernen Zukunft spielten dort im Jahr 2395. Ob Picards dort thematisierte Erkrankung Erwähnung findet, muss man ebenso abwarten.

Außerdem sollte es schon mit dem Teufel zugehen, wenn im Verlauf der Serie nicht irgendein bekannter Charakter aus Stewarts eigener Serie oder einer anderen Trek-Produktion einen Auftritt erhalten wird.

Was hoffen wir?

Der letzte genannte Punkt ist auch gleich mit einer Hoffnung verbunden: Es wäre schön, wenn die Serie so eigenständig wie möglich wäre und man Namedropping und das Einbringen bekannter Figuren auf ein gesundes Maß reduzieren würde. Lasst unsere Helden nur dann mitspielen, wenn sie wirklich eine wichtige Funktion in der Handlung erfüllen, nicht nur aus Spaß an der Freude.

Am meisten Sinn ergeben würden vermutlich ehemalige Ratgeber und Vertraute des Captains wie Riker, Troi oder auch Guinan. In diesem Zusammenhang wäre es aber selbstverständlich möglich, nicht nur Figuren aus Star Trek: The Next Generation, sondern auch aus Star Trek: Deep Space Nine und Star Trek: Voyager zu zeigen, die alle vollkommen natürlich um zwei Jahrzehnte gealtert sein können. Ob ein Riker allerdings zwanzig Jahre lang Captain der Titan geblieben ist, sei mal dahingestellt, leben werden die alten Recken aber sicher alle noch.

Außerdem wäre es schön, wenn man Picard all die Facetten belassen würde, die ihn zu einer so positiven, aufrechten und liebenswerten Figur gemacht haben. Dieser Captain war immer jemand, zu dem man aufschauen mochte, an dem man sich orientieren konnte. Picard war der Anker seiner Serie und ein Fels in der Brandung, wie schwer die Zeiten und Entscheidungen auch wurden.

Auch wenn er durch verschiedene Ereignisse verändert, verbittert oder vom Kurs abgekommen sein sollte, wäre ein Erhalt dieses Kerns der Figur doch wünschenswert.

Darüber hinaus sind aber vermutlich die meisten Fans einfach damit glücklich, ihren Captain noch ein weiteres Mal in Aktion zu erleben. Im besten Fall in einer spannenden, anregenden, unterhaltsamen, humorvollen und philosophisch potenten Serie über die Figuren und die Welt, in der sie spielt. Damit würde man nicht nur Picard, sondern auch seiner Serie und Star Trek im Allgemeinen huldigen.

Was könnten wir uns mehr wünschen?

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

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Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.