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Star Trek: Prodigy - First Look auf die neue Serie

Mit der Animationsserie Star Trek: Prodigy ist der nächste neue Ableger aus dem Universum des Gene Roddenberry in den USA angelaufen. Nach den ersten drei Episoden schauen wir uns heute gemeinsam an, was man in Deutschland im kommenden Jahr von dem Format erwarten darf.

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Von Björn Sülter

ACHTUNG: DER ARTIKEL ENTHÄLT DEZENTE SPOILER

Nach den Abenteuern aus Star Trek: Discovery (seit 2017, vierte Staffel ab dem 19. November auf Netflix), Star Trek: Picard (seit 2020, zweite Staffel kommendes Jahr auf Amazon Prime), den Short Treks (seit 2018) und Star Trek: Lower Decks (seit 2020, dritte Staffel kommendes Jahr auf Amazon Prime), lief am 28. Oktober in den USA die nächste neue Serie an: Star Trek: Prodigy ist ein weiteres Animationsprojekt und nach den Zeichentrick-Abenteuern aus den 70er-Jahren sowie Lower Decks bereits das dritte dieser Art im Trek-Universum.

Einen gewaltigen Unterschied gibt es jedoch: Während man mit The Animated Adventures damals Kirk & Co auf Reisen schickte, die weder für Kinder noch für Erwachsene so richtig geeignet waren, und Lower Decks auf ein älteres, sehr trek-affines Publikum abzielt, ist Star Trek: Prodigy nun der Versuch, die junge Zielgruppe ab- und zu Star Trek zu holen. Der Aufbau einer neuen Fangeneration? Wir haben uns für euch die ersten drei Episoden angeschaut und verraten euch, was man erwarten darf, wenn Sky uns 2022 den Streamingdienst Paramount+ samt den Episoden rund um die USS Protostar auch in Deutschland liefern wird.

Übrigens: Die Ausstrahlung folgt nicht dem bisher erwartetem Pfad. Vor einigen Tagen wurde zunächst bekannt, dass die erste Staffel aus satten 20 Episoden bestehen wird und die Serie darüberhinaus bereits für eine weitere Staffel verlängert wurde. Für viele Abenteuer ist also gesorgt.

Zunächst wird man bis 18. November fünf Episoden zeigen und dann Platz für Star Trek: Discovery lassen. Zwischen dem 6. Januar und dem 3. Februar geht es dann mit fünf neuen Folgen weiter. Eine erneute Pause lässt Luft für das zweite Jahr von Star Trek: Picard. Die Episoden 11-20 sollen dann später im Jahr 2022 laufen. Die zweite Staffel kommt demnach voraussichtlich nicht vor 2023. Man merkt: Es wird langsam eng im Trek-Jahr.

Startrekuniverse

Das Setting

Wir schreiben das Jahr 2383. Der Dominionkrieg endete in Star Trek: Deep Space Nine vor acht Jahren. Vor fünf Jahren kehrte die USS Voyager zur Erde zurück. Vor vier Jahren kam es zu den Ereignissen rumd um Shinzon in Star Trek: Nemesis und somit auch zum Tod Datas und dem Wechsel von Riker und Troi auf die USS Titan. Zur weiteren Einordnung: Star Trek: Lower Decks spielt ab 2380 (also fast parallel) und Star Trek: Picard ab 2399.

Star Trek: Prodigy bespielt also eine Phase nach dem letzten TNG-Kinofilm und vor Picard, die einzig durch Lower Decks belegt ist; allerdings an einem vollkommen anderen Ort. Hinzu kommt, dass es sich bei der USS Protostar um ein verschollenes, experimentelles Schiff handelt und die Crew sich aus außerirdischen Teenagern rekrutiert, die ihrem Leben der Hoffnungslosigkeit und Gefangenschaft entfliehen möchten und zu einem echten Team werden müssen. Dass sie dabei die Anleitung einer Holo-Janeway erhalten, kann bezüglich der Vermittlung der Ideale der Sternenflotte nur helfen. Wo ihre Reise sie wohl hinführen wird?

Pro 103 Gwyn Rok

DIE FIGUREN

Sympathisch ist vermutlich das erste Wort, welches den Zuschauern nach Ansicht der ersten Episoden in den Sinn kommt. Dal ist der typische Außenseiter ohne Herkunft und mit einem starken Überlebensinstikt gesegnet. Er ist witzig, frech und immer ein wenig verplant. Gwyn bietet durch die Verbindung zum finsteren Diviner viel Konfliktpotenzial und zeigt sich bisher äußerst intelligent und reflektiert. Für den Tellariten Jankom Pog, den Brikar Rok-Tahk und insbesondere für den "Blob" Murf gilt: Sie runden die Gruppe mit Buddy-Movie-Feeling ab. Man muss abwarten, wie tief die Autoren bei ihnen graben werden. Etwas anders sieht die Sache noch bei Zero, dem Medusen, aus. Diese aus der Originalserie bekannte und äußerst mysteriöse Spezies wirkt ungemein interessant und kann in jede Richtung erzählerisches Potenzial bieten.

An der Front der Gegenspieler begeistern der Diviner (als Variante des Imperators aus Star Wars) und Drednok (als Darth-Vader-Ersatz).

Inwieweit sich die Rolle der Holo-Janeway treiben lässt, muss man abwarten. Ironischerweise übernimmt Mulgrew hier den Part ihres Ex-Kollegen Robert Picardo aus den ersten Jahren von Star Trek: Voyager. Spaß macht ihre Beteiligung aber in jedem Fall.

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DIE MACHART

Nachdem Star Trek: Lower Decks in Sachen Animationen eher reduziert geriet und zum Retrofest wurde, stellt Prodigy in dieser Hinsicht den dringend benötigten Befreiungsschlag in Richtung Gegenwart dar. Die Serie sieht fantastisch aus, hält den Vergleich mit der Konkurrenz jederzeit stand und bietet neben dem krachenden Score (Titelsong von Michael Giacchino, Score von Newcomerin Nami Melumad) auch noch talentierte Voice-Actors, bei denen John Noble (Fringe) und Jimmi Simpson (Westword) die finsteren Antagonisten geben dürfen. Doch machen auch alle anderen ihre Sache ganz großartig.

Als Kirsche auf der Torte darf man Kate Mulgrew bezeichnen, die ihre Rolle der Janeway (hier als Trainingshologramm) wieder aufnimmt und Alt-Fans Gänsehaut beschert. Da auch Robert Beltran als Chakotay bereits für Gastauftritte verpflichtet wurde, wird die Serie sogar zur Wiedersehensshow für Voyager-Fans. Für uns deutsche Fans bleibt derweil zu hoffen, dass man für die Synchronisation in jedem Fall Gertie Honeck als Janeway an Bord holt. Chakotay-Stimme Frank-Otto Schenk verstarb leider bereits 2020.

In der Summe wird Star Trek: Prodigy absolut dem Anspruch gerecht, neue Fans für Star Trek begeistern zu können. Da sich überdies auch Alt-Fans an dem schicken neuen Schiff sowie den gelungenen, bekannten Spezies erfreuen dürfen, bleiben vorerst keine Wünsche offen. An der Umsetzung sollte es also in keinem Fall scheitern.

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DER EINDRUCK

Wie oft haben wir in den vergangenen Jahrzehnten den Werbe-Satz "Das ist nicht mehr das Star Trek eurer Großeltern" in verschiedenen Varianten gehört oder gelesen? Sogar zum Start von Star Trek: Enterprise im Jahr 2001 war Brannon Braga dieser Spruch über die Lippen gekommen. Wir wissen längst, dass die Serie rund um Captain Archer in Wirklichkeit perfekt zum Rest des klassischen Franchise passte. Selbst Star Trek: Lower Decks, so kontrovers der Humor diskutiert wird, ist pures Star Trek und ein Fest für Trekkies, die alle anderen Serien auswendig kennen und mit dem Humor klarkommen.

Mit Star Trek: Prodigy haben die Verantwortlichen nun aber wirklich ein Pferd im Stall, das nicht nur hundertprozentig auf eine neue Zielgruppe abzielt, sondern dieses Versprechen auch einlöst. Die Abenteuer der jungen Crew sehen grandios aus, machen Spaß, bieten Action und Humor und bewegen sich dabei auch noch zielsicher im Spektrum dessen, was man von Star Trek wissen muss, um die anderen Serien und Filme besser zu verstehen und schätzen zu lernen.

Die bisherigen Episoden halten die Balance aus Besinnung auf den Kern von Star Trek und einem neuen, frischen Ansatz. Die Chancen, damit neue, junge Zuschauer zum Franchise zu holen, stehen gut. Dass das Ganze auch noch für in die Jahre gekommene Fans (wie den Schreiber dieser Zeilen) eine Freude ist, rundet die Sache ab. Endlich hat man als Trekkie-Papa ein Format an der Hand, dem Kind zu vermitteln, warum diese Uralt-Serie zurecht seit 55 Jahren existiert und warum man sich so intensiv und voller Leidenschaft damit befasst.

Star Trek: Prodigy stellt einen wichtigen Baustein im Puzzle der Star-Trek-Zukunft dar. Hoffen wir daher einfach, dass das Experiment am Ende funktioniert. Dann stehen die Chancen für viele weitere feierliche Geburtstage des Roddenberry-Kults mehr als gut.

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Wie erwähnt wird Paramount+ (ehemals CBS All Access) 2022 auch nach Deutschland kommen und via Sky verfügbar werden. Ein festes Datum gibt es zwar noch nicht, bis zum Sommer sollte es aber eigentlich soweit sein. Dann werden wir auch hierzulande mit der bunten Crew der USS Protostar auf Reisen gehen können.

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