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Star Trek, Star Wars & Stargate: Immer diese Prequels!

Christopher Booker behauptet, es gäbe nur sieben Grundstories auf der Welt. Mixt man einige oder alle in einer Serie zusammen, erhält man unter Umständen sogar ein sehr unterhaltsames Gesamtwerk. Was Booker jedoch nicht auflistet, ist der Drang, Vorgeschichten erzählen zu wollen. Bei Star Trek, Star Wars und Stargate hat dieser Ansatz auch leider gar nicht funktioniert, was unseren Star-Trek-Experten Björn Sülter mehr als ärgert.

Präsentiert von: Björn Sülter


Die verlorene Trilogie, die keiner brauchte

Die Star-Wars-Reihe hatte auf Außenstehende immer ein wenig verwirrend gewirkt. Schließlich wurde dort 1977 mit Episode IV begonnen und dann die Episoden V und VI nachgeschoben. George Lucas hatte dem eigenen Bekunden nach immer drei Trilogien geplant. Dass es Stand Heute sogar ein paar mehr werden dürften, ist dem weltweiten Erfolg der bisherigen neun (im Sommer zehn) Filme, der Zeichentrickserie und den Massen an Begleitmaterialien geschuldet.

Dennoch war die Idee, Star Wars 1999 mit den Prequel-Filmen wiederzubeleben, inhaltlich eine mittelschwere Katastrophe. Hatte George Lucas bei den Episoden IV bis VI noch mit charmanten Figuren, Herz und Witz gepunktet, gerieten ihm die Inhaltsstoffe der neuen Trilogie weitestgehend ungenießbar. Aus den launigen Abenteuerfilmen mit phantastischen Elementen wurde eine Dauerwerbesendung für Merchandise mit albernen Witzchen auf Kleinkindniveau und noch alberneren Außerirdischen. Dass zudem die Geschichte nicht überzeugen konnte und viele Darsteller dank flacher Dialoge blass blieben, machte dem Großteil der drei Filme den Garaus.

Auch war es mehr als ärgerlich, dass man die vollkommen undefinierbare – und dadurch gerade so spannende – Macht logisch und wissenschaftlich zu untermauern versuchte.

Der kommerzielle Erfolg steht bei der ganzen Angelegenheit aber natürlich auf einem anderen Blatt. Die drei Filme spielten an den Kinokassen über 2,5 Milliarden US-Dollar ein! Von den Einnahmen im Bereich Merchandise oder Zweitverwertung ganz zu schweigen. Wenn man ehrlich ist, war die Vorfreude im Fandom aber ohnehin so groß, dass jeder Ansatz funktioniert hätte. Die Produzenten hätten auch dreimal zwei Stunden Han Solo bei seinem täglichen Stuhlgang begleiten können. Harrison Ford hätte daraus sicher ganz großes Kino gemacht!

Doppelte Vorgeschichte macht’s auch nicht besser

Nach vier Serien, die in der Star-Trek-Zeitlinie vorangeschritten waren, entschied man sich, mit Star Trek: Enterprise ein Prequel zu machen, das die Vorgeschichte aller anderen Serien und Filme erzählen und die Bemühungen der Menschheit beleuchten sollte, Pionierarbeit im Weltall zu leisten.

Die Idee an sich war gut. Man wollte Figuren, die näher an den Stereotypen unserer Zeit lagen, wählte ein Design, das klare Reminiszenzen an U-Boote zeigte und Uniformen, die für die Arbeit auf einem Raumschiff alltagstauglich schienen.

Leider jedoch waren die Macher ausgebrannt und konnten ihre eigenen Visionen nicht mit Leben füllen. Die Episoden schleppten sich, die Quoten sanken stetig und als man zur vierten Staffel endlich einen Umschwung hin zum wahren Prequelgedanken wagte, war es für alles zu spät. Die Serie wurde nach 98 Episoden abgesetzt und hatte ihr Potential nie entfalten dürfen.

Erstaunlich, dass ein gewisser Bryan Fuller dennoch exakt den gleichen Weg gehen wollte und sich mit dem gewählten Zeitfenster von rund zehn Jahren vor der Originalserie in eine noch kleinere Ecke des bekannten Kanon bewegte. Nun ist Fuller bei Star Trek: Discovery schon lange kein Thema mehr, ein Prequel wurde die Serie aber dennoch. Dass man großflächig ein visuelles Update daraus machte, verärgerte eingefleischte Fans. Dass man auch inhaltlich bekannte Fakten oft beugte oder brach, sogar die weniger eingefleischten.

Die Serie wird vermutlich noch ein paar Jahre die Chance erhalten, das Beste aus der Grundidee herauszuholen. Bisher muss man allerdings sagen, dass sie als Schritt in die ferne Zukunft vermutlich eine ganze Ecke besser funktioniert und dabei auch viele Hürden einfach umschifft hätte.

Wenn es alle tun, muss ja was dran sein: Das Stargate-Debakel

Wie muss man sich das vorstellen? Die Verantwortlichen bei MGM wissen um die treue Fanbase ihrer Serien rund um das Sternentor und fragen sich, wie man den 20. Geburtstag samt Startschuss des Streamingportals Stargate Commando feiern könnte.

Dann erinnern sie sich, wie miserabel und unter den Fans umstritten die drei Prequels zu Star Wars vor vielen Jahren aufgenommen wurden. Auch denken sie daran, wie schwer sich das erste Star-Trek-Prequel Star Trek: Enterprise getan hatte und wie schmerzlich die vorzeitige Absetzung gewesen war. Auch fällt ihnen ein, dass die Serie inhaltlich nie das hatte liefern können, was das Setting versprach. Und schließlich werden sie noch an die erhitzen Diskussionen um Kanonprobleme bei Star Trek: Discovery und die konträren Meinungen der Fans über die Qualität der Serie nachgedacht haben.

All das führte unweigerlich zum absolut logischen Schluss: Wir feiern unser Franchise mit einem Prequel.

Stargate: Origins

Nun ist Logik offenbar eher eine Sache der Vulkanier, ein wenig mehr Weitsicht hätte man den Bossen bei MGM jedoch gewünscht. Es kam, wie es kommen musste. Mit einem lachhaften Budget, schwachen Darstellern, miesen Kulissen, einer fadenscheinigen Dramaturgie und zehn Episödchen lockte man nicht nur keinen Hund hinter dem Ofen hervor, man vertrieb die wenigen mutigen auch noch in andere weit entfernte Teile der bekannten Galaxis.

Stargate: Origins ist aktuell der unverdient grausame Schlusspunkt unter ein eigentlich tolles Franchise, wenngleich man fairerweise festhalten muss, dass die Serie bei dieser Qualität der Umsetzung auch als Sequel nicht besser gewesen wäre.

Gegenbeispiele, euer Ehren?

Abseits der genannten Beispiele aus der Phantastik, gibt es natürlich auch vorzeigbare Versuche.

Better Call Saul zum Beispiel ist nicht nur eine gute Serie, sie bereichert auch das Universum von Breaking Bad clever und auf subtile Art. Auch die Serie Hannibal entblätterte ganz neue Facetten der Geschichte rund um Dr. Lecter und Bates Motel gelang gleich ein mehrjähriges Psychogramm einer im Originalfilm eher eindimensionalen Figur.

Schade nur, dass diese Beispiele eben nicht aus dem Bereich der Phantastik stammen. Dort kommt einem dann schon eher etwas wie Caprica in den Sinn und somit eine Serie, der es in keiner Weise gelang, das Flair von Battlestar Galactica einzufangen und die sehr schnell Schiffbruch erlitt.

Nein, heute gibt es an dieser Front offenbar kein Gold zu bergen.

Tötet alle Prequels!

Spaß beiseite: Ganz so martialisch muss man es natürlich nicht betrachten, ein wenig mehr Vorsicht mit dem Thema wäre jedoch wünschenswert – zumindest im Bereich der Science-Fiction hat der Ansatz bisher nicht wirklich zu überzeugen gewusst. Dass Prequels funktionieren können und auch oft Spaß machen steht völlig außer Frage.

Hoffen wir einfach, dass Produzenten künftiger neuer Serien sich mindestens die drei Beispiele mit „Star“ im Titel sehr genau ansehen und Schlüsse ziehen werden, die mehr mit der Logik unserer spitzohrigen Freunde aus Star Trek zu tun haben, als die Ergebnisse der Denkprozesse der Herren Lucas, Berman & Braga sowie Terry & Ilvedson.

Es mag nur sieben Grundstories auf der Welt geben, diese können aber durchaus für spannende Geschichten ausreichen, um uns mutig in die Zukunft zu führen und den Blick in den Rückspiegel eher als gelegentliche Ergänzung zu benutzen.

 

Autor, Journalist & Podcaster Björn Sülter ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies, Robots & Dragons und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

Björn ist auch Experte für Star Trek. Viele Gedanken zum Thema, seine ganz persönliche Geschichte mit dem Franchise und Hintergrundinformation zu über 50 Jahren findet ihr ab Sommer in seinem Buch „Es lebe Star Trek“, das von SYFY präsentiert und im Verlag In Farbe und Bunt erscheinen wird. Das Buch wird schon in Kürze über Amazon und andere Kanäle vorbestellbar sein.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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