News | 22 Tage

Star Trek und seine Familiengeschichten - Teil 1: Väter und Söhne

In den verschiedenen Star-Trek-Serien finden sich immer wieder spannende familiäre Verstrickungen. In einer neuen Reihe von unserem Trek-Experten Björn Sülter wollen wir uns ein paar davon ansehen. Zum Auftakt geht es um Väter und Söhne.

Star Trek

Denkt man an Star Trek oder SF-Serien im Allgemeinen, kommen einem schnell Assoziationen zu futuristischer Technik, tobenden Weltraumschlachten, intergalaktischen Krisen, Zeitreisen, verwirrenden Raumanomalien oder spannenden Forschungsmissionen in den Sinn.

Doch gab es auch immer schon den menschlichen (oder außerirdischen) Faktor, der uns obendrauf noch vorführte, wie es in den Protagonisten aussah. Ein elementarer Teil deren Sozialisierung basiert auf Freundschaften oder familiären Verhältnissen - wie im echten Leben eben!

In dieser Reihe wollen wir uns nach und nach verschiedene Aspekte des Miteinanders anschauen, wie Star Trek es uns über die Jahrzehnte vorgeführt hat. Zum Start stehen die Väter und ihre Söhne im Fokus.

Fehlende Herzlichkeit, Teil 1

Beginnen wir mit einem Beispiel aus der klassischen Star-Trek-Serie, den Kinofilmen und drei Episoden aus Star Trek: The Next Generation. Dort war es ausgerechnet der um eine emotional möglichst weiße Weste bemühte Spock, der mit seinem Vater Sarek das eine oder andere Scharmützel auszutragen hatte.

Als Sarek erstmals auf der Bildfläche erschien, war das Verhältnis zu seinem halbmenschlichen Sohn fraglos unterkühlt.

In den Kinofilmen durfte man dann eine Annäherung erleben, die jedoch - ganz nach vulkanischer Art - eher steif vonstatten ging. Auch Star Trek: Discovery führte uns zuletzt noch einmal vor, wie komplex die Beziehung zwischen Vater und Sohn immer schon gewesen war.

Sarek starb schwer erkrankt, ohne seinen Sohn noch einmal zu sehen oder die finale Aussprache vornehmen zu können. Auch hatten die beiden erstaunlicherweise nie die Chance gehabt, eine Geistesverschmelzung vorzunehmen. Spock erhielt dafür aber Einblicke in die Gefühlswelt seines Vaters durch eine Verschmelzung mit Picard, der diese Ehre auch mit Sarek hatte teilen dürfen. So erfuhr Spock doch noch von der Bewunderung und Liebe seines Vaters, die im Leben immer ungesagt geblieben war.

Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn war nie unbelastet, unter der harten Schale jedoch von gegenseitigem Respekt geprägt. Dennoch blieb Vieles ungesagt. Ein mahnendes Beispiel, Familienangelegenheiten ernst zu nehmen und im Leben aufeinander zu zu gehen, bevor der Tod uns scheidet.

Fehlende Herzlichkeit, Teil 2

Star Trek: The Next Generation verfiel gleich zweimal in das Muster der belasteten Vater-Sohn-Beziehung. Was den Androiden Data anging, war das Verhältnis zu seinem Vater (beziehungsweise Schöpfer) Dr. Soong glücklicherweise für den Offizier der Enterprise von Gefühlen befreit. Ansonsten hätte er bestimmt größere Probleme damit gehabt, dass er genaugenommen nur die weniger perfekte Version seines Bruders Lore darstellte.

Etwas mehr ans Eingemachte ging man jedoch in der Causa Worf und Alexander. Eines schönen Tages tauchte die Halbklingonin K'Ehleyr auf der Enterprise auf, verbrachte ein kleines Stelldichein mit dem Sicherheitschef des Schiffes und kehrte rund ein Jahr später mit einem Sohn zurück. So kann´s gehen!

Für Worf war das natürlich ein Schock, hatte er doch nicht wirklich geplant, als Vater aktiv zu werden. Als K'Ehleyr starb, musste Worf seine Rolle jedoch annehmen und tat, was man nicht tun sollte: Er gab Alexander in die Obhut seiner eigenen Pflegeeltern auf der Eltern. Ein trauriges Beispiel für fehlendes Verantwortungsbewusstsein oder vielmehr das Wissen um die eigene Unzulänglichkeit? Keine einfache Frage, die die Serie da aufwarf, aber leider nie wirklich beantwortete. Letztlich wirkte Worf aber ehrlicherweise wie ein Feigling, der sich seinem Sohn nicht stellen wollte.

Zwar gab es innerhalb der Serie immer mal wieder eine Annäherung, im Großen und Ganzen vergaß man Alexander aber viel zu leicht und erlaubte Worf, seinen Sohn zu ignorieren und aufzugeben.

Die mit dieser Geschichte verbundenen Aussagen waren zwar durchaus interessant, was auch für die Problematik des ungeplanten Kindes galt. Auch kennt wohl jeder Elternteil die mit der Verantwortung für Kinder verbundene Überforderung in gewissen Situationen. Dennoch wählte man hier viel zu oft und viel zu leicht den Ausweg, Alexander einfach wegzuschieben, als sich mit ihm auseinanderzusetzen. Eine vergebene Chance.

Die Geschichte von Worf und Alexander blieb daher in der Summe auch immer ein wenig traurig, da es nicht gelang, den Sicherheitschef der Enterprise als fähigen Vater zu zeigen, noch Alexander ausreichend spannende Eigenschaften zuzuschreiben.

So muss man Michael Dorns Auffassung letztlich wohl teilen, dass Worf zwar im Beruf jederzeit ein verlässlicher Vorzeigeoffizier war, als Vater jedoch leider versagt hat. Dass alleinerziehende Väter in Trek-Serien funktionieren können, bewies das Franchise allerdings noch zu einem späteren Zeitpunkt ...

Drei Generationen

Wenden wir uns nach all diesen etwas emotionsbefreiten Geschichten zur Abwechslung mal einer menschlichen Vater-Sohn-Dynamik zu, die es in DS9 sogar in doppeltem Sinne zu bestaunen gab.

Mit Benjamin Sisko führte man einen alleinerziehenden Witwer ein, der mit seinem Sohn Jake die Herausforderung annahm, nach dem Verlust der Ehefrau und Mutter auf den abgelegenen Außenposten DS9 zu ziehen.

Von Beginn an sahen wir einen Vater, der rührig, bemüht, fair, kommunikativ, ehrlich, gradlinig, aber auch durchaus streng und fordernd war. Zwischen ihm und seinem Sohn herrschte schon im Pilotfilm eine Vertrautheit und Herzlichkeit, die man fraglos den Schauspielern Avery Brooks und Cirroc Lofton (die sich auch im wahren Leben wie Vater und Sohn empfinden) zuschreiben muss.

Zwar hatten die beiden während der sieben Staffeln auch ihre kleinen Dispute auszutragen (und wurden durch Eingriffe von Außen belastet), im Gros blieb es jedoch immer eine typische, fast schon soapig anmutende Familiengeschichte.

Die Beziehungen innerhalb der Sisko-Familie waren sieben Jahre lang vor allem eines: echt! Es gab keine großen Dramen (wenn man einmal von den Enthüllungen um die Propheten absieht), sondern oftmals nur typisch zwischenmenschliche Probleme, die gelöst werden wollten.

Dabei gingen sowohl Joseph und Ben Sisko wie auch Ben und Jake immer fair, aufrichtig und liebevoll miteinander um (oder hatten zumindest nachvollziehbare Motive für ihre etwaigen Fehler) und regelten am Ende alles so, wie man es in einer Familie nun einmal tut: gemeinsam.

Die drei Siskos sind vermutlich das Beste, was Star Trek in Sachen Väter und Söhne hervorgebracht hat.

Füreinander da

Ein weiteres, jedoch oft viel weniger beachtetes, Vater-Sohn-Gespann auf DS9 bildeten Quarks etwas schusseliger, aber technisch so genialer Bruder Rom und dessen Spross Nog. Dieser hing zunächst viel mit Jake herum, entdeckte aber später seinen Wunsch, zur Sternenflotte gehen zu wollen und entgegen allen Widerständen seine Tauglichkeit zu beweisen. Mit Erfolg! Sein Vater war bei all diesen Abenteuern immer an seiner Seite und wuchs sogar über seine eigenen Vorurteile hinaus, die er zunächst noch gezeigt hatte.

Mit Rom und Nog wurde uns zur Abwechslung einmal eine durchweg positive, unaufgeregte, außerirdische Vater-Sohn-Konstellation vorgeführt, die einfach Spaß machte.

Ausblick: So geht es weiter

In den nächsten Specials rund um Familienangelegenheiten werden wir uns noch mit Müttern & Töchtern, Brüdern, Schwestern und Freundschaften befassen. Denn ist Star Trek so viel mehr als Special-Effects, Zeitreisen, Bedrohungen und Kriege. Es ging im Kern immer um uns; was wir sind und werden können. Ob man uns dazu Außerirdische als Spiegel der eigenen Kultur vorführte, oder direkt Menschen ins Spiel brachte, war immer zweitrangig.

Buchtipp: SYFY präsentiert das umfassendste Sachbuch zu Star Trek in deutscher Sprache - nominiert für den DPP 2019!

Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

Das Buch ist bei Amazon und vielen anderen Händlern erhältlich.

Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.