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Star Trek und seine Familiengeschichten - Teil 2: Mütter

In den verschiedenen Star-Trek-Serien finden sich immer wieder spannende familiäre Verstrickungen. Im zweiten Teil dieser Reihe wollen wir uns ein paar davon ansehen. Heute geht es dabei um Mütter und ihre Kinder.

Mothers Picard1

Denkt man an Star Trek oder SF-Serien im Allgemeinen, kommen einem schnell Assoziationen zu futuristischer Technik, tobenden Weltraumschlachten, intergalaktischen Krisen, Zeitreisen, verwirrenden Raumanomalien oder spannenden Forschungsmissionen in den Sinn.

Doch gab es auch immer schon den menschlichen (oder außerirdischen) Faktor, der uns obendrauf noch vorführte, wie es in den Protagonisten aussah. Ein elementarer Teil deren Sozialisierung basiert auf Freundschaften oder familiären Verhältnissen - wie im echten Leben eben!

In dieser Reihe wollen wir uns nach und nach verschiedene Aspekte des Miteinanders anschauen, wie Star Trek es uns über die Jahrzehnte vorgeführt hat. Heute stehen die Mütter und ihre Nachkommen im Fokus.

Mutter eines captains

Beginnen wir mit einem der größten Helden der Trek-Geschichte: Jean-Luc Picard. Er wuchs auf dem elterlichen Weingut in La Barre, Frankreich, als Sohn von Vater Maurice Picard und Mutter Yvette Gessard-Picard auf und verlebte dort seine Kindheit und Jugend an der Seite des älteren Bruders Robert.

Während Picards Vater, ganz der Traditionalist, die Bestimmung seiner Söhne im Fortführen des Weingutes sah, war Mutter Yvette der Gegenpol und unterstützte die eigenen Pläne der Kinder. Ihr moderner Ansatz zeigte sich auch in der Haltung zu einem Replikator, den sie durchaus hätte anschaffen wollen. Ihr Mann war jedoch dagegen. Diese Familiendynamik setzte sich sogar noch in der nächsten Generation zwischen Robert und seiner Frau Marie fort.

Nur wenig ist darüber hinaus über Yvette und ihre Beziehung zu Jean-Luc bekannt. Er nannte sie liebevoll Maman und erlebte eine kurze Vision seiner Mutter in der Episode Where No One Has Gone Before (Der Reisende) aus TNG. Dort sahen wir sie auch das einzige Mal. Als Picard ein Kind war, sang seine Mutter oft Komm raus, komm raus, wo immer du bist, wie wir in Star Trek: Insurrection (Star Trek: Der Aufstand) erfuhren. Die Liebe zur Musik seiner Mutter äußerte sich auch darin, dass sie das Klavierspiel ihres Sohnes immer sehr schätzte. Picard hasste es jedoch und gab das Spielen früh auf, was er später bedauerte.

Aufgrund dessen, was wir von Picard und seinen Eltern wissen, darf man annehmen, dass Jean-Luc Picard durch das Verhalten seines Vaters lernte, offener zu sein und andere Sichtweisen zuzulassen. Das Feingeistige scheint demnach auch eher mütterlicherseits geprägt zu sein. Dass Picard nie wirklich eine dauerhafte Bindung zuließ und selbst keine Kinder hat, darf man dann auch getrost auf das komplizierte Verhältnis zu Vater und Bruder und die Erlebnisse der Kindheit zurückführen. Wir sind eben alle Produkte unserer Sozialisation.

Mothers Picard2

Es ist kompliziert, Teil 1

Mit unserer zweiten Mutter wird es dann direkt komplizierter. Beverly Crusher musste nach dem frühen Tod ihres Mannes Jack den gemeinsamen Sohn Wesley alleine großziehen. 2348 hatte sie Jack kennengelernt und geheiratet. Wesley kam im gleichen Jahr zur Welt. Nur sechs Jahre später standen Mutter und Sohn dann jedoch vor dem schmerzhaften Abschied, als Jack bei einer Mission unter dem Kommando von Jean-Luc Picard ums Leben kam.

Wesley verlebte nicht nur aufgrund dieses Schicksalsschlags, sondern auch wegen seiner hohen Intelligenz eine einsame Kindheit und brauchte lange, um den Tod des Vaters zu verwinden. Er konnte sich jedoch immer der Unterstützung seiner fürsorglichen Mutter gewiss sein, die ihren Job als Ärztin mit dem der Alleinerziehenden verband. Als Wesley 16 Jahre alt war zogen die beiden gemeinsam auf die USS Enterprise, wo Crusher Chefärztin wurde. Eine Aufnahme von Jack zeigte sie Wesley erst etwas später, als sie ihn für alt genug und emotional stabil hielt, und ermöglichte ihm somit einen Abschluss dieses Kapitels.

Als die Enterprise einmal von einem schiffsweiten Energieversagen bedroht war, betäubte Crusher ihren Sohn, damit er nicht leiden müsse, sollten alle sterben (Der Wächter/The Last Outpost). An dieser Stelle zeigte sich eine interessante (und vielleicht auch diskutable?) Vermischung ihrer professionellen Analyse der Situation und der Sorge um ihren Sohn.

Als Dr. Crusher für ein Jahr auf die Erde versetzt wurde, wollte sie Wesley am liebsten mitnehmen, dieser entschied sich jedoch, seine begonnene Ausbildung an Bord der USS Enterprise fortzusetzen. Für einen jungen Mann der kurz vor der Volljährigkeit stand, handelte es sich dabei um eine nachvollziehbare Entscheidung. Da seine Mutter nach nur einem Jahr wieder zurückkehrte, war diese Trennung aber ohnehin nicht von langer Dauer und trug vermutlich auf positive Weise zu einem Abnabelungsprozess bei. Die Vorwürfe, die Crusher sich aufgrund ihrer Abwesenheit im Nachhinein trotzdem machte, konnte sicher jeder Vater oder jede Mutter nachvollziehen. Gleiches galt für die, laut ihrere Aussage, einzige Situation, in der sie Wesley jemals geschlagen hat. Diese Ohrfeige trug sich während des Besuches von Botschafter Sarek auf der Enterprise zu.

Als Wesley die Enterprise verließ, um zur Sternenflottenakademie auf die Erde zu wechseln, hielten die beiden zwar weiterhin Kontakt, Beverly musste jedoch auch mit ansehen, wie ihr Sohn ihr immer weiter entglitt, was schließlich auch zu seiner Entscheidung führte, die Akademie zu verlassen und sich dem Reisenden anzuschließen. Man sah Wesley später zwar noch auf der Hochzeit der Rikers in Star Trek: Nemesis, es ist aber nicht klar, wie sein Weg (und auch der mit seiner Mutter) weitergegangen ist.

Letztlich handelt es sich bei Beverly und Wesley um eine weitestgehend typische Mutter-Sohn-Geschichte, wie sie viele erleben. Große Nähe, Schicksalsschläge, Entfremdung und Abnabelung bis hin zu eigenen Entscheidungen und Lebenswegen; alles war für dieses Duo dabei. Wärme und Liebe blieben aber immer feste und spürbare Bestandteile dieser Beziehung.

Mothers Beverly

Es ist kompliziert, Teil 2

Umgekehrt sah die Sache bei Familie Sisko aus. Als Benjamin und Jake Sisko zum ersten Mal die Raumstation Deep Space Nine betraten, war Jennifer bereits verstorben. Ihren Verlust bei Wolf 359 konnten beide nur schwer verwinden, hielten sich aber immer aneinander fest. Jennifer blieb somit nur eine begrenzte Zeit für ihre Mutterrolle, genauer die Jahre 2355 (von Jakes Geburt) bis zu ihrem Tod im Jahr 2367. Weitere Details erfuhren wir als Zuschauer jedoch nie darüber.

Wie Jake einmal berichtete, war ein Campingausflug nach Itamish III, auf dem er auch Wasserski fahren lernte, eine besondere Erinnerung an die in seinen Augen glücklichste Zeit als Familie. Das Motiv eines Protagonisten, dessen Mutter stirbt, zog der angehende Autor später übrigens auch für seinen Roman Anslem in Erwägung.

Einen seiner schwierigsten Momente in Hinblick auf seine Mutter erlebte Jake, als er von der Version aus dem Spiegeluniversum entführt wurde. Es war einerseits die einzige Chance, eine Verbindung zu einer Person herzustellen, die irgendwie seine Mutter war, aber eben doch überhaupt nicht, andererseits aber bestimmt auch emotional zutiefst verwirrend.

Mothers Jennifersisko

Es ist kompliziert, Teil 3

Verlust kennzeichnet auch die Beziehung von Michael Burnham zu ihrer Mutter Gabrielle. Als kleines Mädchen lebte Michael Anfang der 2230er-Jahre mit ihren Eltern auf einer Sternenbasis und sorgte sich primär darum, nur mit den Eltern im Nirgendwo zu leben. Im Short Trek mit dem Titel The Girl Who Made the Stars erlebten wir nur ihren Vater Mike an ihrer Seite, nach dem Michael übrigens auch benannt wurde.

Später zog die kleine Familie dann weiter nach Doctari Alpha, wo Michael ihre Eltern bei einem Angriff der Klingonen im Jahr 2236 verlor und in der Folgezeit bei Sarek und Amanda Grayson auf Vulkan aufwuchs. Amanda war es auch, die einen Ausgleich zur Erziehung durch Sarek schuf und Michael Erdenliteratur wie Alice im Wunderland oder Traditionen ihrer Heimat näherbrachte.

Erst als erwachsene Frau musste Michael dann feststellen, dass ihre leibliche Mutter dem Angriff der Klingonen entkommen war und seitdem einen Rückweg gesucht hatte. Viel Zeit, die Mutter-Tochter-Beziehung auszubauen, blieb jedoch innerhalb der Serie auch hier nicht. Nach dem Sprung in die Zukunft der USS Discovery traf man sich jedoch wieder. Gabrielle hatte sich zwischenzeitlich den Qowat Milat angeschlossen und half ihrer Tochter bei einem Ritual im Orbit von Vulkan.

Insgesamt darf man vorsichtig annehmen, dass die hohe Identifikation der leiblichen Eltern mit ihrer Arbeit, die damit verbundene frühkindliche Isolation Michaels, das (vermeintliche Ableben) der Burnhams, das Aufwachsen in einer fremden Kultur (mit einer menschlichen Stiefmutter) und ihr weiterer Lebensweg erheblichen Einfluss auf das hatten, was später aus Michael wurde; ein Kind zweier Welten, hochgradig emotional und doch diszipliniert sowie auf eine übersteigerte Art und Weise selbstständig und ihrer eigenen Sichtweise verpflichtet. Michael ist eindeutig das Produkt ihrer Geschichte und bietet im Subtext viel spannendere Ansätze der Interpretation ihres Handelns als die Serie on Screen meist zu zeigen in der Lage ist.

Mothers Burnham

Happy Family?

Erstaunlich aber wahr, blicken wir nun auf eine klassische Familienkonstellation, die in TNG ihren Anfang nahm und in DS9 fortgesetzt wurde.

Aus Miles O´Brien und Keiko Ishikawa wurden die O´Briens, die nach ihrer Hochzeit im Jahr 2367 auf der USS Enterprise ein Jahr später Eltern der kleinen Molly wurden. Erneut rund ein Jahr später siedelte die kleine Familie dann nach Deep Space Nine um, was Keiko zunächst nicht wie der ideale Ort für ihre Kinder erschien. Übrigens war Molly bereits in der TNG-Episode Erwachsene Kinder (Rascals) optisch deutlich älter gewesen, als sie eigentlich hätte sein dürfen. Hier nahm man seitens der Produktion einen kleinen Kunstgriff vor, um schnell mehr Interaktion mit Molly zu ermöglichen. Hanna Hatae, die die Rolle von dieser Episode an spielte, wurde bereits 1988 geboren und stellte Molly somit erstmals mit rund dreieinhalb Jahren dar; ein Jahr nach der Geburt der Figur im Kanon der Serie (und auch ein Jahr nach Ausstrahlung der Geburtsepisode). Schwamm drüber!

Keiko kümmerte sich immer rührend um ihre Familie. Ihre ruhige Art passte auch perfekt zu ihrer bereits in TNG thematisierten Liebe zu Pflanzen und der Rolle als Lehrerin in DS9. Die Serie führte uns hier eine recht klisscheehafte Geschichte vor, in der der Vater aufgrund seiner Arbeit versetzt wird, die Mutter mit den Auswirkungen leben muss und neben der Erziehung der gemeinsamen Kinder auch noch versucht, sich selbst zu verwirklichen und ihre Rolle als eigenständige Frau mit Karriereambitionen nicht zu vergessen.

Diese Art der Darstellung einer traditionellen und intakten Familie mit ihren alltäglichen Problemen gab es in Star Trek nur sehr selten und wurde mit den O`Briens meist gut umgesetzt.

Mothers Keiko

Mooooooooogiiiiiieeeee

Eine weitere alleinstehende Mutter trafen wir auf Ferenginar an. Ishka, die einst mit dem liebevollen, aber in geschäftlichen Angelegenheiten nicht sehr bewanderten, Keldar verheiratet war, zog ihre Söhne Quark und Rom nach dessen Tod auf ihre ganz eigene Weise auf und lehrte sie beispielsweise die Erwerbsregeln. Laut ihrer Einschätzung hatte Rom das gute Herz des Vaters geerbt, Quark hingegen ihren Geschäftssinn, oder wie die Ferengi sagen: die Ohrläppchen für den Erfolg. Das innigere Verhältnis hatte sie immer zu Rom, da Quark ihre Lebensweise lange Zeit offensiv ablehnte. Dennoch liebte sie beide Söhne gleichermaßen und erwarb sich mit der Zeit auch den Respekt Quarks.

Ein schönes Beispiel für ihre Denkweise stellt auch diese Anekdote dar: Obwohl sie sich beispielsweise dem Brauch verweigerte, den Kindern das Essen vorzukauen, tat sie es aus mütterlicher Zuneigung gelegentlich für Quark, dem diese Dinge aufgrund seiner Erziehung durch Keldar sehr wichtig waren. Ishka war also dermaßen fortschrittlich, dass sie sogar bereit war, beide Welten zu verbinden; zum Wohle ihrer Kinder.

Sie war schon immer eine sehr fortschrittlich denkende Frau, die sich regelmäßig und mit voller Absicht den Konventionen der Ferengi-Gesellschaft widersetzte, Geschäfte abwickelte, mit Fremden sprach und Kleidung trug. Ihren Söhnen war dieses Verhalten oft nicht geheuer, insgeheim bewunderten jedoch beide ihre "Moogie" dafür.

Später lernte sie den Großen Nagus Zek kennen und lieben. In der folgenden Beziehung behielt Ishka dann ebenfalls im wahrsten sinne des Wortes die Hosen an und wurde zur treibenden Kraft hinter dem Anführer der Ferengi.

Mothers Moogie

Die beste

Die Horta sind eine empfindungsfähige, intelligente Spezies, die auf Silizium basiert und im Gestein von Janus VI lebt. Sie sondern eine ätzende Flüssigkeit ab, die es ihnen ermöglicht, Tunnel durch das Gestein zu graben. Ihre Asbest-Panzerung schützt sie sogar vor schwachen Phaserstrahlen. Alle 50.000 Jahre sterben alle Hortas bis auf eine Mutterhorta, die sich dann um die Siliziumeier kümmern muss, damit eine neue Population aufgebaut werden kann.

Erstmals entdeckt wurde diese Spezies durch Minenarbeiter. Die Mutterhorta setzte sich zur Wehr, da die Arbeiter ihrer Eier zerstörten. Am Ende wurde jedoch ein friedlicher Kompromiss gefunden, der ein Zusammenleben ermöglichte: Die neugeschlüpften Horta halfen von nun an beim Graben nach Erzen, die Arbeiter ließen die Eier in Ruhe.

Die Mutterhorta ist ein Paradebeispiel für bedingungslose Mutterliebe und das Verteidigen ihrer Nachkommen. Dass sie dazu auch noch zu Kompromissen und friedlicher Koexistenz fähig ist, macht diese Spezies zu etwas ganz Besonderem in der großen Star-Trek-Welt und Mutterhorta zu einer wahren Vorzeigemami!

Funfact am Rande: Im Roman Spocks Welt (der nicht zum offiziellen Trek-Kanon zählt) gibt es eine Horta namens Naraht, die an Bord der Enterprise als Wissenschaftsoffizier tätig ist. Es gibt jedoch noch weitere Auftritte in den Romanwelten. In den Titan-Romanen lernen wir beispielsweise einen männlichen Horta namens Chwolk kennen.

Das wäre doch sicher auch mal was für Star Trek: Lower Decks, oder?

Mothers Horta

Ausblick: So geht es weiter

In den nächsten Specials rund um Familienangelegenheiten werden wir uns zum Beispiel noch mit Brüdern & Schwestern sowie Freundschaften befassen. Denn ist Star Trek so viel mehr als Special-Effects, Zeitreisen, Bedrohungen und Kriege. Es ging im Kern immer um uns; was wir sind und werden können. Ob man uns dazu Außerirdische als Spiegel der eigenen Kultur vorführte, oder direkt Menschen ins Spiel brachte, war immer zweitrangig.

Trek Friends Obrienbashir