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Star Trek: Universe - Der Himmel ist die Grenze

Mit der Wiedervereinigung von CBS und Paramount unter einem Dach steht das Star-Trek-Franchise an der Schwelle zu vielen neuen Möglichkeiten. Björn Sülter arbeitet das Thema auf, blickt zurück und spricht über die Zukunft.

Star Trek

Präsentiert von: Björn Sülter


Im Moment spricht die Trek-Welt neben Picard, Animationsserien, Discovery, Sektion 31 und Short Treks vor allem über einen Vorgang, der zunächst abstrakt wirkt: es geht um den Remerger zwischen Viacom (Paramount) und CBS. Doch was ist das überhaupt? Und warum ist es nötig? Fangen wir am Anfang an.

The only way is down

Das Jahr 2005 markierte im Franchise einen gigantischen Wendepunkt. Nach über 700 TV-Episoden in 30 Staffeln und zuletzt 18 Jahren Dauerbeschallung auf dem Fernsehschirm sowie insgesamt zehn Kinofilmen endete das klassische Star Trek abrupt und ausgezehrt.

Star Trek: Nemesis war, wie auch schon der Vorgänger Star Trek: Insurrection (Star Trek: Der Aufstand), an der Kinokasse durchgefallen und auf dem kleinen Schirm hatte Star Trek: Enterprise den anhaltenden Abwärtstrend aus Quotensicht fortgesetzt und war nach vier Jahren humorlos von UPN beendet worden.

Den Höhepunkt und die goldene Zeit von 1994, als Star Trek: The Next Generation glorreich endete und spektakulär ins Kino wechselte sowie mit Star Trek: Deep Space Nine erstmals eine zweite Serie parallel gelaufen war, hatte man zu diesem Zeitpunkt längst vergessen. Die Nachfolgeserien konnten den Hype nicht halten und waren sukzessive in der Gunst der Zuschauer abgerutscht. Letztlich war alles, was nach diesem Jahr kam, eine langsame Abwärtsspirale – mit der Ausnahme von Star Trek: First Contact (Star Trek: Der Erste Kontakt) von 1996, der noch einmal frischen Wind brachte.

Man musste es so ehrlich gestehen: 2005 war die Trek-Kuh abgemolken und es sah für viele Szene-Insider nicht danach aus, als wenn noch einmal jemand viel Geld für das siechende Franchise in die Hand nehmen würde.

Star Trek

Crash

Als wäre das alles noch nicht genug gewesen, ereignete sich obendrauf eine Veränderung hinter den Kulissen, die die Zukunft der Marke auf noch unsicherer Füße stellte.

Viacom, der Mutterkonzern des Franchises, teilte sich auf und stellte die Filmsparte unter die Verantwortung von Paramount, während CBS die Fernsehserien erhielt. Erstmals gab es also keinen gemeinsamen Kurs mehr, eine inhaltliche Zusammenarbeit war zu diesem Zeitpunkt ausgeschlossen.

Star Trek hatte die Basis verloren, auf der die Macher Jahrzehnte lang operieren konnten. Plötzlich war es nicht mehr möglich, eine beliebte Fernsehcrew auf Kinoreise zu schicken. Eine Fortsetzung der bekannten Geschichten im jeweils anderen Medium wurde verhindert. Am ehesten kann man diesen Vorgang mit der Scheidung eines Ehepaares vergleichen, bei der ein Kind zum Vater und eins zur Mutter geht und beide nicht mehr miteinander spielen dürfen.

Star Trek

Es hatte sich sogar eine sehr konkrete Vereinbarung ergeben, über die wir Fans erst sehr viel später etwas erfahren sollten. Bis Januar 2017 (!) und somit zwölf Jahre lang musste CBS auf dem TV-Markt die Füße stillhalten, bevor an neue Projekte zu denken war. Man darf davon ausgehen, dass die Macher beim Sender 2005 ohnehin keine Lust auf neuen Trek hatten, der Deal verhinderte aber in jedem Fall, dass es früher wieder losging, als letztlich mit Star Trek: Discovery.

Denn eines zeigte diese bisher aktuellste Serie: Irgendwann gab es seitens der Macher wieder Lust auf Trek. Doch woher war das gekommen?

Reboot

Bedanken durfte man sich bei CBS an dieser Stelle bei den Ex-Verbündeten von Paramount, die aus der Not eine Tugend machten und ihrerseits bereits 2009 J. J. Abrams in den großen Produzentenstuhl hievten, den zuvor unter anderem Gene Roddenberry und Rick Berman besetzt hatten.

Seine Filme, die zwar auf den Figuren und dem Setting basierten, aber per Re-Casting und inhaltlich frischem Ansatz die Geschichte einfach neu erzählten, erreichten ein großes Publikum und wurden für das Studio zum Erfolg, wenn auch der dritte Streifen aus vielfältigen Gründen kommerziell enttäuschte.

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Angefixt durch diesen Ansatz, mag man bei CBS bereits lange Jahre mit den Hufen gescharrt haben. Als dann endlich der Zeitpunkt gekommen war, lehnte man sogar den Verkauf der Rechte an Player wie Netflix ab und produzierte lieber wieder selber Trek. Was aktuell daraus geworden ist, kann jeder Trekkie auf den einschlägigen Seiten verfolgen. Ein ganzes TV-Universum aus verschiedenen Formaten entsteht unter der Führung von Alex Kurtzman.

Doch was war das nun noch gleich mit diesem …

Remerger

Wie schon im Text zum Jahr 2005 könnte man auch jetzt wieder beginnen: Als wären all diese neuen Projekte noch nicht genug, kommt es vermutlich noch 2019, spätestens aber 2020 zur Wiedervereinigung der beiden Marken unter dem Dach der neuen ViacomCBS.

Doch was bedeutet das für uns Fans genau? In erster Linie finden das Film- und das Serienfranchise wieder unter einem Dach zueinander. Es ist also wieder möglich, alle Figuren in beiden Medien einzusetzen und Synergieeffekte zu erzeugen.

Man darf aber gerne davon ausgehen, dass für den neuen Konzern ein viel größeres Ziel im Fokus steht. Offenbar sieht man Star Trek vom Potenzial auf einem Level mit dem Marvel Cinematic Universe und Star Wars. Das mag auf den ersten und zweiten Blick extrem hochgegriffen sein. Dennoch ist die Ähnlichkeit nicht von der Hand zu weisen. Alle drei Spielwiesen bieten einen schier unendlichen Fundus an Orten, Figuren und Geschichten, alle drei besitzen Massenappeal und können für unterschiedliche Altersgruppen adaptiert werden.

Ob man den aktuellen Machern zutraut, diesen Schritt bei Star Trek zu gehen, steht ganz sicher auf einem anderen Blatt. Dennoch besteht fraglos die Chance, das Franchise größer zu machen als je zuvor. Mit dem Remerger und in der aktuellen Situation kommen Faktoren zusammen, die nicht von der Hand zu weisen sind: Rechtesicherheit, vielfältige Veröffentlichungskanäle, der feste Glaube und Willen und Geld.

Man bringt die Sender und Plattformen CBS, Showtime, Nickelodeon, MTV, BET, Comedy Central und das Paramount Network unter ein Dach. Zum Portfolio gehören zukünftig über 140.000 Fernsehepisoden und mehr als 3.600 Filme. Neben Star Trek wird auch Mission: Impossible als Franchise wieder vereint. Dazu kommt mit Paramount Pictures ein Filmstudio, das zu den Größten in Hollywood zählt.

Auch für CBS All Access könnte diese Entwicklung einen starken Push bedeuten. Es bleibt abzuwarten, wie die Verantwortlichen die Entwicklung ihres Streamingdienstes vorantreiben werden. Angesichts von Netflix, Amazon, Disney+ und anderen handelt es sich hier aber sicher um keine einfache Aufgabe.

Dennoch: Die Zukunft von Star Trek wird mehr als spannend. Hoffen wir einfach auf die richtigen Entscheidungen hinter den Kulissen und genießen solange das, was man uns anbietet.

Star Trek

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

Das Buch ist bei Amazon und vielen anderen Händlern erhältlich.

Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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