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Star Wars: Episode IX - Der Aufstieg Skywalkers

Seit dieser Woche ist die neunte und letzte reguläre Episode der epochalen Sci-Fi-Fantasy-Saga in den deutschen Kinos zu sehen. Unser Gastautor Thorsten Walch, verantwortlich für das kürzlich erschienene Sachbuch Es lebe Star Wars, setzt das Werk für uns in einen Kontext.

Star Wars Rise Skywalker Kylo Rey

Von Thorsten Walch

Am 18. Dezember 2019 war das Ende einer Saga gekommen – eine schicksalhafte Stunde für die weltweit Aber-Millionen von Fans der einstmals von Filmemacher George Lucas ins Leben gerufenen phantastischen Saga, welche von jeher die Genres der Science-Fiction und der Fantasy miteinander kombinierte. Obwohl Der Aufstieg Skywalkers die neunte Episode der filmischen Gesamtgeschichte darstellt, gibt es in der Tat bekanntlich zwei weitere Star Wars-Filme, welche den Umfang der Kinoreihe auf elf Teile erhöhen: Doch handelt es sich bei Rogue One sowie Solo um zwei Anthologien, welche jeweils den Zusatz A Star Wars Story im Titel tragen.

Spoilerwarnung: Diese Rezension enthält Informationen über die Handlung. Wer den Film also noch ohne derartige Kentnisse sehen möchte, sollte nun nicht mehr weiterlesen.

Faktencheck

Leicht haben die Fans es den Machern der „neuen“ Star Wars-Filme nach dem Wechsel der Rechte zu Disney nicht gemacht: Bereits der erste Teil der neuen Trilogie, Star Wars: Das Erwachen der Macht von 2015 geriet in das Schussfeuer insbesondere der Fan-Kritik, da man zu viele Ähnlichkeiten zur klassischen „Episode IV“ in ihm zu erkennen glaubte (dass diese Ähnlichkeiten schon anno 1999 beim nachgeschobenen Prequel „Episode I“ vorhanden waren, wurde dabei mehr oder weniger geflissentlich übersehen …). Dennoch wurde der ansonsten überaus gelungene, das typische Star Wars-Feeling verbreitende Film von Star Trek-Regisseur JJ Abrams mit einigem Wohlwollen in der einflussreichen Franchise-Fanszene aufgenommen.

Anders verhielt es sich zwei Jahre später im Falle von Star Wars: Die letzten Jedi: Obwohl auch dieser Film glänzend am Box Office abschnitt, hagelte es berechtigte wie unberechtigte Schelte gleichermaßen wie noch nie zuvor bei einem Teil der Saga. Regisseur Rian Johnson hatte einfach in einem viel zu hohen Maße versucht, es allen Fraktionen des Publikums gleichermaßen recht zu machen und einen Streifen inszeniert, in dem sich altbekannte Komponenten der Saga in bei Weitem nicht immer passender Weise miteinander verbanden. Bis heute genießt die achte Star Wars-Episode den schlechtesten Ruf aller Filme. Somit kam auf JJ Abrams, der für die abschließende „Episode IX“ wieder auf dem Regiestuhl Platz nehmen wollte, eine schwierige Aufgabe zu: Die Karre aus dem Dreck … oder besser gesagt das gestrandete Raumschiff wieder aus dem Hyperraum zu ziehen.

Furioses Saga-Finale mit kleinen Schönheitsfehlern

Wie im Falle aller bisherigen Star Wars-Filme fanden die Dreharbeiten für den Abschluss der Skywalker-Saga (eine davon unabhängige neue Star Wars-Saga befindet sich indes bereits im Planungsstadium) unter großer Geheimhaltung statt, doch scheint es, als erführen die Fans im Vorfeld diesmal noch weit weniger über den Fortgang der schicksalhaften galaktischen Ereignisse. So viele Fragen waren offengeblieben, von denen die wichtigsten lauteten, was denn nun aus der angedeuteten Beziehung zwischen der jungen Rey und dem missratenen Sohn von Han Solo und Prinzessin Leia, Kylo Ren, werden sollte und für welche Seiten der kosmischen Macht sie sich letztlich entscheiden sollten.

Für einige Furore sorgte ab der offiziellen Disney-Convention D23 im August im kalifornischen Anaheim ein neuer exklusiver Trailer, der Ungeheuerliches offenbarte: Imperator Palpatine, die seit Die Rückkehr der Jedi-Ritter anno 1983 verkörperte Impersonisation der dunklen Seite der Macht, kehrt in „Episode IX“ wieder zurück, und Bilder von einer schwarzgekleideten Rey mit einem roten Klapp-Lichtschwert, die Waffe der bösen Sith, ließ Schlimmstes ahnen. Doch die Zeit verging und spätestens seit dem 18. Dezember weiß man nunmehr Bescheid rund um den Abschluss der Skywalker-Saga. Ab hier wird es nun zum einen oder anderen Spoiler kommen, was insbesondere Leser bedenken sollten, die den neuen Film noch nicht gesehen haben. Dennoch soll zumindest der Großteil der Pointen (derer es mehrere gibt!) aus Spannungsgründen verschwiegen werden.

Schon im Lauftext wird Unfassliches verkündet: Imperator Palpatine hat den Sturz in einen der Reaktoren des Todessterns (in Realzeit 36 Jahre zuvor) überlebt und zieht die Fäden innerhalb der „Ersten Ordnung“, die dem galaktischen Imperium nachgefolgt ist. Kylo Ren, nach der Ermordung des vorherigen „Obersten Anführers“ Snoke nunmehr der neue Herrscher der diktatorischen Militärmacht, hat den Imperator mittels eines mystischen „Sith-Wegweisers“ auf dessen Exilplaneten Exegol ausfindig gemacht und einen verhängnisvollen Pakt mit ihm geschlossen: Wenn es Kylo gelingt, die junge Rey zu vernichten, soll er dafür eine riesige Flotte alter imperialer Sternzerstörer erhalten, die der Imperator einstmals für seine Rückkehr an die Seite geschafft hat.

Rey wird derweil nach dem körperlichen Tod von Luke Skywalker von dessen ebenfalls in der Macht begabten Zwillingsschwester General Leia Organa weiterhin ausgebildet. Im Widerstand hat man durch einen Spion in den Reihen der „Ersten Ordnung“ inzwischen von Palpatines Weiterleben erfahren. Rey führt ein aus ihren Freunden Finn, Poe Dameron, Chewbacca und den Droiden C-3PO und BB-8 bestehendes Himmelfahrtskommando an, um ihrerseits den Imperator zu finden und zu vernichten. Dazu jedoch benötigen auch sie einen „Sith-Wegweiser“, von dem lediglich noch ein weiterer neben dem von Kylo existiert. Die Freunde fliegen den Wüstenplaneten Pasaana an, wo sie auf Rebellen-Veteran General Lando Calrissian treffen. Lando berichtet ihnen von einem alten Raumschiff, in dem einst Luke Skywalker ebenfalls nach dem Sith-Wegweiser suchte. Dort finden sie einen mystischen Sith-Dolch, der die Position des zweiten Wegweisers in Form einer Runen-Gravur enthält. Da werden sie plötzlich von Kylo und seinen Gefolgsleuten, den vermummten „Rittern von Ren“ angegriffen. In dem nachfolgenden Gefecht mit selbigen und Kräften der „Ersten Ordnung“ wird Wookie Chewbacca gefangengenommen und von seinen Freunden zunächst für tot gehalten. C-3PO kann wenig später die Inschrift zwar entziffern, doch verbietet ihm seine Programmierung, seine Freunde von seinen Kenntnissen zu unterrichten. Poe Dameron führt die Gruppe daraufhin auf den Planeten Kijimi, wo seine alte Freundin Zorri Bliss bei der Umprogrammierung des Droiden helfen soll. Kurz darauf kommt es zu einer neuerlichen Konfrontation mit der „Ersten Ordnung“, während der die Freunde an Bord eines derer Raumschiffe gebracht werden. Hier offenbart sich der geheimnisvolle Spion und hilft ihnen bei der Befreiung von Chewbacca und der anschließenden gemeinsamen Flucht. Es kommt zum großen Showdown, der Rey und ihre Freunde nacheinander zu den Überresten des Todessterns auf dem stürmischen Planeten Kef Bir, der zum Endor-System gehört und auf dem sie von einer Gruppe von Deserteuren der „Ersten Ordnung“ unter Leitung der quirligen Jannah unerwartete Hilfe bekommen; danach erneut zu Luke Skywalkers Exil-Planet Ahch-To, wo der Jedi-Meister seine ehemalige Schülerin Rey aus dem Jenseits ein letztes Mal berät; und schließlich zur finsteren Schattenwelt Exegol, wo sich das endgültige Schicksal von Rey, Kylo Ren und auch des Imperators entscheidet ...

Kritik

Um den wohl positivsten Punkt des neuesten Films an erster Stelle zu nennen: Kaum ein anderes Star Wars-Abenteuer ist so mitreißend wie Der Aufstieg Skywalkers. Schon von den ersten Minuten an erwartet den geneigten Zuschauer eine derartige emotionale Achterbahnfahrt, die sich im weiterem Verlauf der umfangreichen Handlung stets noch zu steigern weiß, dass man nach der beinahe 2 ½-stündigen Laufzeit erst einmal eine kurze Erholungspause im wieder hell werdenden Kinosaal benötigt. Ausnahmslos alle Hauptdarsteller, alte wie neue gleichermaßen (die ihre Sache einheitlich glänzend machen!), erhalten noch einmal „ihre“ Szene (ganz richtig, die Rede ist von ALLEN, nicht lediglich die via recyceltem Material aus Episode VII und VIII „wiederbelebte“, bereits 2016 verstorbene Leia-Darstellerin Carrie Fisher), Action steht bei aller Mystik und Mystizismus ebenso im Vordergrund und lässt den Kinositz dank brilliantem Sound sprichwörtlich erbeben, und wer sich zuvor den zahlreichen Spoilern insbesondere in den sozialen Netzwerken erwehren konnte, wird einige wirklich heftige Pointen vor allem gegen Ende des Films miterleben dürfen.

Ein paar kleine Wermutströpchen gibt es bei alledem freilich auch. Eines davon besteht in der Tatsache, dass lange nicht alle Teile der besagten Abschlusspointe wirklich logisch sind. Das Zauberwort lautet einmal mehr „Logikloch“. Dem entgegen steht jedoch, dass man diesen Gedanken zumindest während der Laufzeit des Films gar nicht erst fassen können wird, da – und damit sind wir bei einem weiteren kleinen Wermutstöpfchen angelangt – die Handlung an einigen Stellen recht überladen wirkt und hier und da einfach zu vieles zu verpacken versucht, da man auf wirklich jede Frage der letzten Jahre Star Wars eine Antwort geben möchte. Auch die groß angekündigten Gastauftritte bekannter Gesichter aus der benachbarten Fantastik waren letztlich nicht wirklich das, was man von ihnen erwartet hat: Während der im Vorfeld angekündigte „Doctor Who“-Darsteller Nr. 11, Matt Smith, gar nicht erst im fertigen Film auftaucht (die mit ihm abgedrehten Szenen landeten auf dem Boden des Schneideraums), handelt es sich beim „Gastauftritt“ von Dominic Monaghan (Hobbit Merry aus den Der Herr der Ringe-Filmen) um ein Mini-Cameo als Widerstands-Techniker und -Pilot Beaumont Kin (dessen Name im Film nicht einmal genannt wird). Das Gesicht von The Americans-Hauptdarstellerin Keri Russel als Zorri Bliss verschwindet fast vollständig unter einem Helm, und lediglich Naomie Ackie (The End Oft he F***ing World) hat als Deserteurin Jannah eine zwar kleine, aber dennoch letztlich bedeutsame Rolle.

Fazit

Doch Hand aufs Herz – besagte Wermutströpfchen sind Klagen auf immens hohem Niveau. Denn spätestens dann, wenn der Abspann läuft, ein letztes Mal unterlegt mit den epischen Klängen des Soundtracks von Altmeister John Williams, hat doch der Großteil alter und neuer Star Wars-Fans gleichermaßen das Gefühl, nicht nur einen würdigen Abschluss der Skywalker-Saga gesehen, sondern auch das sprichwörtliche „ganz große Kino“ erlebt zu haben.

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