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Stargate ist genau das mutige Franchise, das die Welt braucht

In einer Welt, die dringend Inspiration und gutmeinende Helden, die den Tag retten, benötigt, bräuchten wir das Stargate-Franchise eigentlich mehr denn je.

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Unsere modernen Helden mussten sich gegen übermächtige Widerstände in der Form von Alien-Angriffen und mysteriösen Krankheitserreger zur Wehr setzen. Gleichzeitig handelte es sich aber um ein hoffnungsvolles und hoffnungsspendendes Science-Fiction-Abenteuer mit Protagonisten, die durch ein Sternenportal die unendlichen Möglichkeiten des Universums entdeckten. Die Serie hat aber nie das Lob und die Aufmerksamkeit wie beispielsweise Star Trek erfahren, das eine weitestgehend optimistische Zukunft zeigt, in der die Menschen gelernt haben, zusammenzuarbeiten. Stargate war immer spürbar aktuell: Die Figuren rissen Witze über die Simpsons und fanden stets das passende MacGuffin zum richtigen Zeitpunkt.

Diese Geschichten brachten das Beste in uns hervor und handelten von echten Menschen, die ihre Ängste überwanden, sich selbst immer wieder aufrappelten und in jeder Episode für die Rettung der Erde kämpften. Ihre Gegner waren Aliens mit Superkräften oder mit gottähnlichen Mächten und sie nahmen es mit deren pyramidengroße Mutterschiffen auf. Die heldenhaften Pläne dieser Kämpfer waren allerdings oftmals schludrig zusammengeschustert, riskanter und schlechter durchdacht als alles, was Will Smith in Independence Day versuchte. Das machte die Protagonisten nur noch lebensechter und sympathischer.

Das Franchise hielt sich auch nie mit Späßen zurück. Diese reichten von einer Farscape-Parodie bis zu einer Zeitschleifen-Episode auf einer intergalaktischen Driving-Range. Auch wenn die Teams oftmals aus strengen Militär-Archetypen bestanden, war eine vielfältige Besetzung ein entscheidender Bestandteil der Erfolgsformel. Das bedeutete, dass Vertreter verschiedener Spezies ihre Heimatwelten verließen, um sich dem Kampf gegen das Böse anzuschließen. Alle diese Figuren hielten zusammen, auch wenn es sich nicht immer durchgehend um Menschen handelte.

Der Ursprung der Stargate-Reihe liegt eine Weile zurück: Im Jahr 1994 war dem eher mittelmäßigen Kinofilm Stargate nur ein mäßiger Erfolg an den Kinokassen beschert. Ernsthaft begann das Franchise erst ein paar Jahre später, als das Konzept des Films für das Fernsehen aufbereitet wurde. Die Produktion entwickelt sich zu der bekannten und langlebigen Science-Fiction-Serie mit dem Titel Stargate: SG1 und zeigte Helden, die jede Woche eine neue Welt erforschten. Die Serie lief zehn Jahre lang. Anschließend wurden noch zwei Ableger in Spielfilmlänge direkt für den Heimkino-Markt produziert. Außerdem entstand eine Spin-Off-Serie namens Stargate: Atlantis, die insgesamt 100 Episoden umfasste, die wiederum auf fünf Staffeln verteilt waren. Hierin ging es um ein neues Team innerhalb einer neuen Galaxie.

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Mit der letzten zentralen Serie mit dem Titel Stargate: Universe schlug das Franchise 2009 eine eher ernsthafte Richtung ein, die tonal an das Battlestar-Galactica-Remake erinnerte. Die neue Crew bestand aus evakuierten Wissenschaftlern und Soldaten, die auf einem fremden Raumschiff in einer fremden Galaxie weit entfernt von der Erde festsaßen und keinen Weg nach Hause finden konnten. Auch wenn sich die Prämisse der Geschichte ziemlich düster anhört, war es trotz aller widrigen Umstände immer eine hoffnungsvolle Serie. Leider wurde sie schon nach zwei Staffeln wieder abgesetzt. Zwischendurch gab es noch die bizarre, in der Zukunft spielende, Animationsserie Stargate: Infinity, die 2002 veröffentlicht wurde. Man sollte sie zumindest einmal gesehen haben, sie ist komplett irre. Nach 14 Jahren auf Sendung und insgesamt 350 Episoden setzten beim Franchise aber langsam Ermüdungserscheinungen ein.   

Als Pläne für ein erneutes Reboot für die Kinoleinwand zunächst ins Stocken gerieten und dann völlig verpufften, wurde es ruhig um das Stargate-Franchise. Das sollte sich erst ändern, als der mittlerweile wieder eingestampfte Stargate-Command-Streamingservice die mit einem kleinen Budget produzierte Webserie Stargate: Origins zeigte. Nachdem der Service die 10 Webisoden veröffentlicht hatte, wurden sie zu einem etwa 90minütigen Film zusammengeschnitten. Origins musste sich mit keinen großen Kontinuitätsfragen auseinandersetzen, weil die Story in den 30er Jahren spielte. Hierin ging es um eine junge Frau, die dabei half, das Stargate in Ägypten zu entdecken und auch Abenteuer jenseits des langvergessenen Sternenportals erlebte. Origins war eine spaßige Ablenkung für Fans, die sich jahrelang nach neuen Franchise-Inhalten sehnten. Trotzdem handelte es sich im wahrsten Sinne des Wortes nur um einen Lückenbüßer. 

Anschließend folgte jedoch Funkstille und der neue Streaming-Service musste letztendlich seine Segel streichen. Vor einem Jahr brodelte es jedoch wieder in der Gerüchteküche: SG-1-Co-Schöpfer Brad Wright deutete an, dass er an „Gesprächen“ mit MGM beteiligt war, um SG-1 zurückzuholen. Seitdem hat man allerdings nichts mehr gehört. Diese Verhandlungen fanden vor einer halben Ewigkeit statt, als sich die Welt noch in der Prä-Covid19-Ära befand.     

Aber selbst wenn eine Zukunft des Franchises zum jetzigen Zeitpunkt noch in weiter Ferne zu liegen scheint, bedeutet das nicht, dass Stargate seine Zuschauer nicht weiterhin trösten oder inspirieren könnte – gerade jetzt benötigen die Menschen nämlich mutige Helden!

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Egal, ob man schon komplett alle Stargate-Serien oder nur ein paar Episoden gesehen hat oder gerade erst frisch zum Franchise hinzu stößt, nachdem man alle mit dem Wort „Star“ beginnenden Franchises auf Disney+ oder Netflix angeschautt hat – wer wegen der Pandemie viel Zeit Zuhause verbringt, erhält mit Stargate eines der besten Trostpflaster im Serienformat.

Und wer sich die gesamte Geschichte des Franchises ansieht, kann eine faszinierenden Story-Arc nachverfolgen. Am Beginn der Geschichte können die Zuschauer eine Menschheit beobachten, die mithilfe des Sternentors nur kleine Schritte in andere Welten wagt. Am Ende der Serie hat sich diese Menschheit dagegen mit mächtigen Aliens verbündet und konstruiert selbst intergalaktische Raumschiffe. Stargate schubst sein Publikum nicht mitten in ein weit entlegenes Weltraumzeitalter. Stattdessen steht die Menschheit noch am Beginn einer Reise, die mit harter Arbeit verbunden ist. Wir können Helden erleben, die sich diversen Herausforderungen stellen. Das gesamte Franchise umfasst so viele Stunden, dass man sich vielleicht sogar bis zum Ende der Pandemie damit beschäftigen kann.

Mit SG-1 erleben die Zuschauer eine Serie, die oftmals Ähnlichkeiten zur Star-Trek-Originalserie aufweist und Moralstücke enthielt, die auf fremden Planeten stattfanden. Atlantis erhöhte den Einsatz noch einmal und schickte ein Forscherteam in einer andere Galaxie, um eine altertümliche, lang verschollene Stadt zu besetzen. Es dauerte jedoch nicht lange, bis man auf eine vampir-ähnliche Alien-Spezies stieß, die wild entschlossen plante, über die gesamte Menschheit herzufallen. Die Helden mussten also für ein Universum kämpfen, das nicht einmal ihr eigenes war. Genau diese Art von Mut kann auch die heutige Welt gebrauchen. Wer dagegen ein im besten Sinne schrullige und altmodische Produktion wie ein kleines Indiana-Jones-Abenteuer mit geringen Budget sucht, kann mit Origins nichts verkehrt machen.

Die letzte Serie mit dem Zusatztitel Universe kam wesentlich bodenständiger daher. Hierin ging es um ein Team, das fast schon bemitleidenswert unvorbereitet eine aufgezwungene Mission bestreiten musste. Aber selbst ein düsteres Stargate bleibt weiterhin optimistisch: Die Crew überlebte zwei Staffeln und die Serie endete mit einem Cliffhanger, der auf die Erforschung einer gänzlich neuen Galaxie hindeutete.

Selbst wenn die Einsätze oftmals extrem hoch waren, wusste das Publikum immer, dass die Stargate-Crew als Gewinner aus ihren Abenteuern hervorgehen würde. Die Welt und der Tag konnten am Ende immer gerettet werden … auch wenn es manchmal etwas länger dauerte, bis sie am Ziel ankamen. Science-Fiction ist immer dann am besten, wenn sie seinen Zuschauern hohe Ideale vermittelt, die sie zu besseren Menschen machen – und das war letztendlich auch der Kern, der Stargate zu einem großartigen Franchise machte. Diese Art von Inspiration und Hoffnung ist genau das, was die Menschen jetzt benötigen.

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Dieser Artikel wurde von Stefan Turiak von Moin Moin Medien im Auftrag von SYFY.de übersetzt.

Der Originalartikel stammt von SYFY.com und wurde von Trent Moore geschrieben.

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