News | 6 Monate

Starship Troopers: Eine Perle der Space-Opera

Manch große Hollywood-Produktion scheitert an der Kinokasse, obwohl sie durchaus das Zeug zum Blockbuster hat. Ein solcher Film ist Starship Troopers des niederländischen Regisseurs Paul Verhoeven, der seine Premiere am 7. November 1997 in den USA und am 29. Januar 1998 in Deutschland erlebte. Rückblick auf eine verkannte Genre-Perle.

St01

von Stefan Ulsamer

Starship Troopers basiert auf dem gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1959 des aufgrund seines Hanges zum Militarismus umstrittenen Autors Robert A. Heinlein (manche Kritiker behaupten sogar, Heinlein habe in einigen seiner Geschichten den Faschismus verherrlicht).

Das Setting

Starship Troopers – zweifellos das berühmteste Werk des 1988 im Alter von 81 Jahren verstorbenen Heinleins – erzählt von einer vereinten Erde im 23. Jahrhundert, die sich in einem intergalaktischen Krieg mit intelligenten, aber aggressiven außerirdischen Käfern (den Bugs) befindet. Robert Heinlein entwirft ein düsteres Zukunftsszenario, in dem eine Gesellschaft gezeigt wird, in der nur denjenigen sämtliche Bürgerrechte gewährt werden, die ihrem Land (oder in diesem Fall ihrem Planeten) militärisch gedient haben.

Während Heinleins Roman zur Hochzeit des Kalten Krieges entstanden ist, fanden die Dreharbeiten zur Filmversion Mitte der 1990er Jahre statt, als das kommunistische Bedrohungsszenario nicht mehr vorhanden war. Paul Verhoeven, der damals bei Genrefans insbesondere durch die beiden ebenso aufwendigen wie gewalttätigen Science-Fiction-Großproduktionen Robocop (1987) und Total Recall – die totale Erinnerung (1990) besonders hoch im Kurs stand, wandelte Heinleins todernste Militärfantasie in eine bissige Satire um, die auf vielschichtige Weise aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen der 1990er Jahre aufs Korn nimmt.

Ausgestattet mit einem damals beachtlichen Budget von 105 Millionen US-Dollar und mit Hilfe eines jungen dynamischen Darstellerensembles (hauptsächlich bekannt aus Teenagerserien wie Beverly Hills, 90210) inszenierte Verhoeven eine Space Opera, die Ende der 1990er ihresgleichen suchte. Starship Troopers erzählt die Geschichte von Johnny Rico (Casper van Dien) und seiner Freundin Carmen Ibáñez (Denise Richards) sowie seiner Freunde Isabelle "Dizzy" Flores (Dina Meyer) und Carl Jenkins (Neil Patrick Harris). Alle vier verpflichten sich nach dem Ende ihrer Schulzeit aus unterschiedlichen Gründen beim Militär der irdischen Föderation (die hier rein gar nichts mit ihrem futuristischen Namensvetter aus Star Trek gemein hat). Rico und Dizzy landen bei der mobilen Infanterie, Carmen wird Pilotin eines Sternenkreuzers und Carl arbeitet für den Geheimdienst. Am Ende von Starship Troopers sind aus den idealistischen und unschuldigen Teenagern abgebrühte Kriegsveteranen geworden, die nicht mehr viel mit ihren früheren Persönlichkeiten gemein haben.

Der 130-minütige Film ist deutlich in drei erkennbare Abschnitte unterteilt. Während der erste Teil das Leben der Teenager zeigt und die beklemmende Gesellschaft vorstellt, in der nur der gediente Militärveteran ein vollwertiger Staatsbürger ist, handelt der zweite Teil von der militärischen Ausbildung. Hier orientierte sich Verhoeven ganz klar an Kriegsfilmen wie Platoon von Oliver Stone oder Full Metal Jacket von Stanley Kubrick. Allerdings geht Verhoeven in seiner Darstellung der Härte der Ausbildung noch viel weiter und zeigt drakonische körperliche Strafen für kleinste Fehltritte der Rekruten. Im letzten Drittel geht es dann so richtig zur Sache mit aufwendigen Weltraumschlachten und Bodenkämpfen der Soldaten der mobilen Infanterie mit Tausenden von computeranimierten Käfern auf einem entfernten Wüstenplaneten.

St0st3

Eine Einordnung

Verhoeven-typisch gibt es auch in Starship Troopers besonders drastisch Gewaltdarsstellungen – so drastisch, dass Starship Troopers von 1999 bis 2017 in Deutschland auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften stand und nur in einer stark gekürzten Fassung im Fernsehen gezeigt werden durfte. Mittlerweile ist allerdings die ungekürzte Version ab 16 Jahren auf Blu-Ray bzw. DVD erhältlich und kann zum Streamen abgerufen werden.

Starship Troopers hat auch nach 24 Jahren nicht von seiner Faszination verloren, die visuellen Effekte können sich auch heute noch sehen lassen. Die Weltraumszenen, bei denen größtenteils noch von Hand gefertigte Modelle zum Einsatz kamen, brauchen sich nicht hinter Star Wars zu verstecken. Die im Rechner entstandenen Bugs könnten qualitativ auch einem aktuellen Blockbuster entstammen.

Mit weltweiten Einnahmen von ca. 121 Millionen US Dollar (bei einem Budget von 105 Millionen US-Dollar) konnte Starship Troopers den Status eines Blockbusters nie erreichen. Interessanterweise wurde der Film in den USA anders wahrgenommen als im Rest der Welt. Während das amerikanische Filmpublikum den gezeigten Hurra-Patriotismus durchaus ernst nahm, bemerkten viele Zuschauer in Europa (und anderswo) Verhoevens satirische Umsetzung von Heinleins düsterer Zukunftsversion. Insbesondere die im ganzen Verlauf der Handlung eingeblendeten Nachrichtenschnipsel lassen dem aufmerksamen Zuschauer so manches Lachen buchstäblich im Halse gefrieren. Insgesamt dürfte der Genuss des herrlich doppeldeutigen und trotzdem bombastischen Starship Troopers  für jeden Science-Fiction-Fan ein Hochgenuss sein (quasi als „Guilty Pleasure“).

Auf SYFY laufen übrigens bald die beiden Fortsetzungen: Am 8. Juni liefern wir ab 20.15 Uhr den zweiten Teil, direkt am 9. Juni ebenfalls ab 20.15 Uhr den dritten.

St02