News | 2 Monate

The Mandalorian: Ein Rückblick auf die erste Staffel - Teil 1

Seit Ende Dezember ist zumindest in den USA die Premieren-Staffel der ersten Live-Action-TV-Serie aus dem Star Wars-Universum nach acht Folgen vorerst abgeschlossen. Gastautor Thorsten Walch (Autor des neuen Sachbuches Es lebe Star Wars) wirft in zwei Teilen einen resümierenden Blick auf das erste Jahr von The Mandalorian.

Mandalorian Main 1280x720

Von Thorsten Walch

Ein Teil der Star Wars-Fangemeinde erwartete die erste nicht animierte TV-Serie aus ursprünglich George Lucas‘ Multimedia-Universum mit weit größerer Spannung und Enthusiasmus als den neunten, vorerst letzten Kinofilm der Saga. Auch insgesamt wurde dieser mit wesentlich harscherer Kritik bedacht als die ungewöhnliche Serie. Diese kann außerhalb der USA bisweilen lediglich in den benachbarten Niederlanden auf Disney+ angesehen werden, was sich ab dem 31. März 2020 jedoch ändern wird: Zu diesem Termin wird Disney+ auch in Deutschland an den Start gehen. Neben The Mandalorian wird Disney+ natürlich noch einiges mehr an Star Wars-Content für die Fans mit sich bringen.

Faktencheck

Es sind andere Aspekte der Star Wars-Welt, die Showrunner Jon Favreau (Iron Man, Cowboys & Aliens) den mitunter überaus kritischen Saga-Fans vorsetzt als die aus den (insbesondere neuen) Kinofilmen gewohnten. Wir starten fünf Jahre nach den Ereignissen aus Episode VI, Die Rückkehr der Jedi-Ritter: Ein bis auf seine Bezeichnung namen- und auch gesichtsloser Held fightet sich durch ein Universum, das sich nur nach und nach aus dem eisernen Griff des galaktischen Imperiums löst. Hier tritt er sowohl gegen dessen Überbleibsel als auch teilweise seine eigenen Leute sowie allerlei Schurken aus gleich mehreren gesinnungsmäßigen Lagern an. Bei alledem muss er auch seinen neuen kleinen Freund beschützten. Diesen hat er im Rahmen seines Jobs als Kopfgeldjäger eigentlich für einen mysteriösen Auftraggeber aus imperialen Reihen von einem entlegenen Planeten herbeigeholt, jedoch aus Gewissensgründen letztlich nicht dem Klienten überlassen: Das mysteriöse „Kind“, das ganz eindeutig zur gleichen Spezies gehört wie der legendäre 900-jährige Jedi-Meister Yoda (was ihm binnen kürzester Zeit die geläufige Fan-Bezeichnung „Baby-Yoda“ eingebracht hat) und über ähnlich große Befähigungen in der Macht verfügt wie dieser.

In einer Welt, die in Szenario und Ambiente vielfach dem Schmuddel-Look der Italo-Western eines Sergio Leone aus den 1960er-Jahren ähnelt, folgt der „Mando“ (so die Kurzform) einer Bestimmung, die am allerwenigstens er selbst voll und ganz versteht. Der Aufwand, mit dem die Serie produziert wurde, ist beträchtlich: Sage und schreibe 15 Millionen US-Dollar wurde für eine einzelne Episode von The Mandalorian veranschlagt, was ein Gesamtbudget von rund 120 Millionen für die komplette erste Staffel ergibt: Genug für einen wirklich großen Kinofilm, an dem sicherlich auch ein Großteil der Gaststars (darunter Nick Nolte, Carl Weathers und Werner Herzog) mit Vergnügen mitgewirkt haben würde.

Kapitel 1: Der Mandalorianer

Regie: Dave Filoni

Der Mandalorianer (Pedro Pascal, Prospect) gehört zur unbarmherzigen, aber einem strengen Ehrenkodex folgenden Gilde der Kopfgeldjäger. Nachdem er einen Alien-Verbrecher dingfest und an Bord seines Schiffes so wie weiland Han Solo in Karbonit eingefroren hat, erhält er von Greef Carga (Carl Weathers, Rocky I-IV, Action Jackson), dem Chef der Gilde, einen neuen Auftrag: Für einen namenlosen Klienten aus Kreisen des einstigen Imperiums (Werner Herzog, Jack Reacher) soll er auf dem Wüstenplaneten Arvala-7 eine nicht näher bezeichnete „50-jährige Person“ mit offensichtlich großer Bedeutung in Gewahrsam nehmen und zurückbringen. Als Vorschuss erhält er einen Barren des fast unzerstörbaren und entsprechend wertvollen Beskar-Stahls, aus dem mandalorianische Rüstungen bestehen (und das, wie wir erfahren, während der Herrschaft des Imperiums als Zahlungsmittel verwendet wurde).

Der Mandalorianer bricht zu seiner Mission auf. Hilfe erhält er auf Arvala-7 von dem Feuchtfarmer Kuiil (Nick Nolte, Picknick mit Bären), der zur schweineartig aussehenden Rasse der Ugnaught gehört. Unglücklicherweise ist der Mandalorianer nicht der einzige Kopfgeldjäger, der den Auftrag erhalten hat: Auch der Assassinen-Droide IG-11 (Stimme: Thor – Tag der Entscheidung-Regisseur Taika Waititi) sucht nach der wichtigen Person. Es ist jedoch der Mandalorianer, der sie schließlich nach der sprichwörtlichen Ausschaltung IG-11s aus den Fängen übler Gestalten befreien kann – und staunt nicht schlecht: Es handelt sich um ein Baby vom extrem langlebigen Volk Yodas …

Kapitel 2: Das Kind

Regie: Rick Famuyiwa

Als der Mandalorianer mit dem Alien-Kind (nein, das „B & Y-Wort“ soll auch weiterhin an dieser Stelle vermieden werden) zu seinem Raumschiff zurückkehrt, erwartet ihn dort eine böse Überraschung: Dieses wurde von den eigentlich vom Planeten Tatooine stammenden, aber auch auf Arvala-7 ansässigen Jawas ausgeschlachtet und ist nicht mehr flugfähig. Nachdem es dem Mandalorianer in einer furiosen Verfolgungsjagd nicht gelungen ist, den Sandcrawler der Jawas zu erobern, bietet erneut Kuiil seine Hilfe an. Die Jawas verlangen im Austausch für die gestohlenen Teile das riesige Ei eines sogenannten Schlammhorns, das als ungemein kostbare Delikatesse gilt; unglücklicherweise jedoch besteht diese Tierart aus alles andere als friedvollen Pflanzenfressern. Nach einem ziemlich wüsten Kampf gegen besagtes Schlammhorn, während dem das spitzohrige Kind erstmals den Deckel seines gewaltigen Machtpotentials lüpft, kann der Mandalorianer das begehrte Ei schließlich in Besitz bringen. Im Austausch löst er seine eigenen Ersatzteile aus den Klauen der glutäugigen Giftzwerge aus. Nachdem er sein Schiff wieder flugfähig gemacht hat, macht sich der Mandalorianer auf den Weg, das Kind zu seinem Auftraggeber zu bringen …

Kapitel 3: Der Fehler

Regie: Deborah Chow

Der Mandalorianer übergibt das Kind an seinen Auftraggeber und dessen Chefwissenschaftler, den schmierigen Dr. Pershing (Omid Abtahi, American Gods) und erhält dafür ein größeres Kontingent Beskar-Stahl. Hieraus lässt er sich sogleich eine neue Rüstung von der mandalorianischen Waffenmeisterin (Emily Swallow, Supernatural) schmieden. Allerdings regt sich wenig später das Gewissen des schweigsamen Helden, der erahnen kann, dass die Alt-Imperialen wenig Gutes mit dem kleinen grünen Wicht vorhaben. Also stürmt der „Mando“ kurzerhand den Stützpunkt des Klienten und befreit das Alien-Kind, welches bereits auf einem Versuchstisch Dr. Pershings liegt. Allerdings bringt er damit auch seine Kollegen aus der Kopfgeldjägergilde gegen sich auf, allen voran Greef Carga. Diese finden sein Verhalten unverzeihlich und blasen zum Angriff auf ihn. Als es zu einem heftigen Gefecht zwischen den gildentreuen Kopfgeldjägern und dem in die Enge getriebenen Mandalorianer kommt, zeigt sich jedoch die Loyalität seiner Brüdern und Schwestern aus der uralten mythischen Kriegerkaste: Diese kommen ihm schließlich zu Hilfe und verhelfen ihm und seinem neuen kleinen Freund zur Flucht …

Kapitel 4: Die Zuflucht

Regie: Bryce Dallas Howard

Der Mandalorianer und das Alien-Kind landen auf einem Planeten, dessen Bewohner ihre Existenz mit der Zucht von blauem Krill bestreiten. Aus diesem wird ein berauschendes Gebräu hergestellt. Die friedlichen Farmer werden regelmäßig von einer marodierenden Banditenbande überfallen, die ihnen die Ernte stehlen. Der Mandalorianer hat derweil die Bekanntschaft der ehemaligen Rebellen-Einzelkämpferin Cara Dune (Gina Carano, Deadpool) gemacht und ein kleines Kräftemessen hinter sich gebracht. Wenig später treten die Farmer an ihn und Cara mit einer verzweifelten Bitte heran: Für einen verschwindend geringen Sold sollen die beiden die Banditen bekämpfen, wozu sich sowohl der Mando als auch Cara, die eher widerwillig Respekt füreinander empfinden, nach einer Weile schließlich bereiterklären. Allerdings haben die Farmer ihnen geflissentlich verschwiegen, dass sich ein ausgemusterter, aber voll funktionstüchtiger imperialer AT-ST-Kampfläufer im Besitz der Banditen befindet. Also braucht es mehr als bloße Kampfkraft, um die Unterdrücker zu besiegen und den Farmern ein halbwegs unbeschwertes Weiterleben zu sichern. Außerdem glaubt der Mandalorianer, hier eventuell einen sicheren Ort für seinen neuen kleinen Freund gefunden zu haben…

Kritik

Bereits in der ersten Folge, die im Gegensatz zu anderen TV- oder Streaming-Produkten eine lediglich etwas über 20-minütige Laufzeit aufweist (erst später pendelt sich die Laufzeit bei etwa 40 Minuten pro Episode ein), wird der schier unglaubliche Aufwand, den man mit der Serie betrieben hat, deutlich: Was den Zuschauer hier erwartet, das hat mit der üblichen TV- oder auch Streaming-Kost selbst der gehobenen Klasse nicht mehr wirklich viel gemeinsam. Die Sets und auch die Kostüme und Trickeffekte sind qualitativ identisch mit denen für die Star Wars-Kinofilme. Bereits sehr rasch ist zu bemerken, dass es sich bei The Mandalorian um eine chronologisch aufeinander aufbauende Gesamtgeschichte handelt, deren einzelne Episoden nicht für sich betrachtet, sondern lediglich im Kontext genossen werden können.

Zumindest während der ersten Hälfte der Serie, die an dieser Stelle vorgestellt wird, gibt es trotz der unterschiedlichen Episoden-Regisseure so gut wie keine stilistischen Brüche: Sie wirken wie aus einem Guss, und allein die Aussicht darauf, die Folgen mit der Zeit „an einem Stück“ genießen zu können, dürfte die Vorfreude vieler Fans wecken. Obwohl man der Serie anmerkt, dass ihr Showrunner ein riesiger Fan von italienischen Wildwest-Abenteuern wie der Dollar-Trilogie oder des Klassikers Spiel mir das Lied vom Tod ist, erwartet den Zuschauer dennoch Star Wars pur: Sei es das Feeling der Serie selbst oder die Vielzahl an Reminiszenzen an die Filme der Saga, die es eigentlich in so gut wie jeder Folge gibt.

Da zu jeder guten Kritik aber nun einmal auch wenigstens ein Negativ-Punkt gehört, sei dieser eher anstandshalber denn aus Gründen der Überzeugung genannt: An einigen Stellen kommt die Serie vielleicht ein wenig brutaler daher, als es angesichts der (im Falle einer Star Wars-Serie) zu erwartenden jungen Zuschauer nötig gewesen wäre. Doch ist dies sicher ein eher halbherziger Versuch, ein Haar in einer ansonsten ebenso ausgewogenen wie schmackhaften Suppe zu finden.

In Kürze gibt es den zweiten Teil der Reihe mit den restlichen Episoden der ersten Staffel.

Baby Yoda The Mandalorian 1573645230

Lesetipp - holt euch jetzt "Es lebe Star Wars"!

Wer sich für die Entstehungsgeschichte der Star Wars-Saga interessiert, dem sei das frisch erschienene Buch Es lebe Star Wars von Thorsten Walch wärmstens empfohlen. Es ist, wie auch Es lebe Star Trek von Björn Sülter, im Verlag in Farbe und Bunt erschienen und seit Kurzem online sowie im gutsortierten Buchhandel zum Preis von 14,80 € erhältlich – vielleicht ein Last-Minute-Weihnachtsgeschenk für alle Fans der Saga?

Es lebe Star Wars bietet die ideale Gelegenheit, tief in die Geschichte der Reihe einzutauchen, alles über die handelnden Personen, die Entstehungsgeschichten der Filme und Serien sowie den Verlauf über vier Jahrzehnte zu erfahren. Es ist das umfassendste Werk über Star Wars in deutscher Sprache. Autor & Journalist Thorsten Walch läd Sie ein auf eine spannende Zeitreise und berichtet neben all den faszinierenden Fakten und Anekdoten auch über seine ganz persönliche Verbindung zum Phänomen. Das Buch enthält zudem Interviews mit Pam Rose (Leesub Sirln, Episode IV) und Alan Flyng (Stormtrooper und Imperial Officer, Episode V und VI) sowie Kommentare von Autoren wie Björn Sülter (Es lebe Star Trek) und unzählige Fankommentare.

Ganz schnell geht es auch via Amazon.

E S L E B E N E U 3