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The Mandalorian - Rezension zur Episode 2.01 "The Marshal" ("Der Marshal")

Der Auftakt der zweiten Staffel beschert uns weiterhin ein spektakuläres Produktionsniveau und begeistert zudem mit einem spannenden Cliffhanger.

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von Thorsten Walch, dem Autor des Sachbuches "Es lebe Star Wars"

ACHTUNG, DIE REZENSION IST NICHT SPOILERFREI!

Trotz der zumindest hierzulande recht kurzen Wartezeit von lediglich sechs Monaten seit dem Ende der deutschen Erstveröffentlichung wurde die zweite Staffel von The Mandalorian mit großer Spannung erwartet: Seit Freitag, dem 30. Oktober ist es nunmehr soweit und die Eröffnungsfolge ist unter dem Titel Kapitel 9: Der Marshal (The Marshal) zu sehen.

Wenn dem Produktionsstab um Showrunner Jon Favreau (Iron Man) hierbei eins gelungen ist, dann sowohl das Halten des spektakulären Produktionsstils und der actionreichen Handlung ebenso wie die vielen Anklänge an das Star-Wars-Universum und darüber hinaus. Jon Favreau hat die Eröffnungsfolge auch höchstpersönlich inszeniert. Werfen wir zunächst einen Blick auf die Handlung von Der Marshal:

Der Inhalt

Nach den Ereignissen am Ende von Staffel 1 befindet sich der Mandalorianer (Pedro Pascal) zusammen mit dem geheimnisvollen »Kind« auf der Suche nach weiteren Angehörigen seiner Kriegerkaste: Diese sollen ihm dabei helfen, den Kleinen seiner Bestimmung zuzuführen. Einen ersten Hinweis erhält er von dem schmierigen Gangster Gor Koresh (John Leguizamo, bekannt unter anderem als Stimme des Faultiers Sid aus den Ice-Age-Filmen) vom zyklopenhaften Volk der Abyssins, der mörderische Zweikämpfe zwischen den schweineartigen Gamorreanern veranstaltet. Mit ein wenig Druck erfährt der Mando von Koresh, dass es auf dem Wüstenplaneten Tatooine einen weiteren seiner Art geben soll.

Dort angekommen, erhält er von der ihm bereits aus Folge 5 (Der Revolverheld) bekannten Mechanikerin Peli Motto (Amy Sedaris, Unbreakable Kimmy Schmidt) den Hinweis auf die verborgene Wüstenstadt Mos Pelgo, in der sich der andere Mandalorianer aufhalten soll. Dort angekommen, wird der Mando sehr schnell fündig: Der Gesuchte ist der ehemalige Sklave Cobb Vanth (Timothy Olyphant, Santa Clarita Diet). Dieser hat den Jawas die Rüstung des gefürchteten Boba Fett abgehandelt, der in Die Rückkehr der Jedi-Ritter von dem gefräßigen Sarlacc verschlungen wurde und dabei vermeintlich starb. Dank der Fähigkeiten, die ihm die Rüstung verleiht, hat sich Vanth zum Marshal der Bergarbeitersiedlung Mos Pelgo hochgearbeitet und beschützt die intergalaktische Bevölkerung vor den Bedrohungen nach dem Ende des Imperiums. Der Mandalorianer verlangt die Herausgabe der Rüstung, doch Vanth stellt eine Bedingung: Ehe er diese aushändigt, soll ihm der Mando im Kampf gegen ein monströses Wüstengeschöpf, einen sogenannten Krayt-Drachen, helfen.

Der Mandalorianer findet heraus, dass das Ungetüm nicht nur die Bewohner von Mos Pelgo, sondern auch die mit ihnen verfeindeten in der Wüste lebenden Sandleute bedroht. Zusammen mit Marshal Vanth formiert der Mando eine wacklige Allianz zwischen den Bergarbeitern und den Tusken-Räubern, und gemeinsam schmieden sie einen Plan, um dem Krayt-Drachen den Garaus zu machen…

Was wir bekommen

Was dann geschieht, ist (wieder einmal!) eine Sternstunde des modernen Streaming-Fernsehens. Der Kampf gegen das Monster (das in früheren Inkarnationen von Star Wars zwar erwähnt, aber bisher lediglich als Skelett gezeigt wurde und hier erstmals wirklich zu sehen ist) fügt sich passgenau in den bisherigen Stil der Serie ein, in dem der Mandalorianer stets unfreiwillig zum Helden der Unterdrückten wird.

Erneut gibt es neben jeder Menge Action zahllose Anspielungen auf das bisher bekannte Star-Wars-Universum, wenn neben den bestens bekannten Jawas und Sandleuten auch die in Jabbas Palast als Wächter dienenden Gamorreaner oder ein Zyklop vom Volk der Abyssins auftauchen, ganz zu schweigen natürlich vom legendären Boba Fett oder zumindest dessen berühmter Rüstung.

Auch außerhalb von Star Wars bleibt die Serie zitatenfreudig: Das Szenario der bedrohten Wüstenstadt ist erneut eine postmoderne Weiterentwicklung der Kulissen von Italo-Western eines Sergio Leone oder Sergio Corbucci, ferner standen für den Krayt-Drachen unverkennbar gleich drei filmische Legenden Pate; der mächtige Sandwurm Shai Hulud aus Frank Herberts im nächsten Jahr zum dritten Mal filmisch adaptierten Science-Fiction-Klassiker Dune: Der Wüstenplanet lässt hier ebenso grüßen wie Smaug aus Der Hobbit oder letztlich der Ur-Vater des modernen Tierhorrors höchstpersönlich – Der weiße Hai. All das geschieht in einer Weise, die ganz und gar nicht wie eine fantasiearme Nachahmung wirkt, sondern in gekonnter Weise das tut, was von jeher eine Spezialität bei Star Wars war: Die Adaption beliebter und bekannter Elemente in eine neue Form.

Daran, dass Jon Favreau und seinem Team genau das immer wieder gelingt ist unschwer zu erkennen, dass die Zukunft der Saga bei ihm in guten Händen liegt. Zumindest für die nächste Zeit dürfte sie erst einmal auf den heimischen Bildschirmen statt den großen Kinoleinwänden stattfinden, wofür The Mandalorian einen exzellenten Startschuss liefert.

Doch wie nicht zuletzt die Macht in Star Wars lehrt, kommt viel Licht niemals ohne wenigstens ein klein wenig Schatten aus: Etwas verwunderlich nämlich mutet die Untätigkeit des »Kindes« an, das während der ersten Staffel bereits mehrfach seine große Befähigung in der Macht unter Beweis gestellt hat und das sicherlich deutlich mehr im Kampf gegen den Krayt-Drachen hätte beitragen können als niedlich auszusehen und putzige Baby-Geräusche von sich zu geben. Andererseits jedoch wäre die vorliegende Episode dadurch deutlich kürzer geworden als die 52-minütige Laufzeit, die zumindest einem Großteil der Star-Wars-Fangemeinde sicherlich die gelungene Rückkehr ihrer Saga bescheren dürfte.

Übrigens handelt es sich beim Auftauchen von Boba Fetts alter Rüstung am Leib von Cobb Vanth nicht um das versprochene Wiedersehen mit Boba Fett: Hiervon kündet die kurze Schlussszene von Der Marshal, die einen recht verheißungsvollen Blick auf die kommenden sieben Folgen bis zum 17. Dezember werfen lässt.

Freuen wir uns also auf den kommenden Freitag – möge die Macht bis dahin mit uns allen sein!

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Thorsten Walch ist Journalist und Autor. Von ihm stammt unter anderem das Sachbuch Es lebe Star Wars, welches euch die langlebige Geschichte des Sternenfranchise näherbringt.

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