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The Mandalorian - Rezension zur Episode 2.02 "The Passenger" ("Die Passagierin")

Mit der zweiten neuen Episode lässt es The Mandalorian etwas ruhiger angehen und belässt es bei einem schaurigen, kleinen Ausflug mit einem überraschenden Passagier.

The Mandalorian The Passenger Review 700x300

von Thorsten Walch, dem Autor des Sachbuches "Es lebe Star Wars"

ACHTUNG, DIE REZENSION IST NICHT SPOILERFREI!

Der Inhalt

Nach dem fulminanten Auftakt der zweiten Staffel von The Mandalorian in der vergangenen Woche (The Marshal) schaltet die Serie in der zweiten Folge, der insgesamt zehnten veröffentlichten Episode, einen Gang zurück.

Unmittelbar nach den Ereignissen der vergangenen Woche befinden sich der Mando (Pedro Pascal) und sein kleiner Begleiter mit dem von Peli Motto (Amy Sedaris) geliehenen Speeder Bike auf dem Rückweg nach Mos Eisley. Dummerweise werden sie von einer gemischtrassigen Gruppe von Wegelagerern überfallen, welche das Gefährt des Mandos mittels eines gespannten Drahtseils zu Fall bringen und unsere Helden im wahrsten Sinne des Wortes das Fliegen lehren.

Der Mando kann die Aliens zwar fast alle besiegen, doch bringt einer von ihnen das geheimnisvolle »Kind« in seine Gewalt. Zum Austausch verlangt er den Düsenpack des Mandos, den dieser ihm auch bereitwillig überlässt. Der Grund dafür wird eine Szene später ersichtlich: Kaum macht sich der Räuber mit seiner Beute davon, startet der Mando den Raketenrucksack, der den Erpresser hoch in die Lüfte reißt, von wo aus er unsanft wieder auf den Wüstenboden hinabstürzt, alldieweil das Fluggerät zu seinem Besitzer zurückkehrt.

In Mos Eisley angekommen, erhält der Mando von Pelis Sabacc-Spielpartner, dem insektoiden Dr. Mandible, auf deren Vermittlung hin einen Hinweis darauf, wo sich weitere Mandalorianer befinden könnten. Der Mando erfährt nur unter einer Bedingung die Koordinaten dieses Ortes: Er muss eine reptiloide Alien-Frau samt ihrem Gelege mit dorthin nehmen. Die Sache hat gleich zwei Haken – zum einen ist sie keiner ihm verständlichen Sprache mächtig und zum anderen darf er ausschließlich den Unterlichtantrieb seines Schiffes Razor Crest benutzen, da die Eier ansonsten zu Schaden kommen würden. Eine Gefahr für die Eier ist allerdings auch das »Kind«, für das sie augenscheinlich eine besonders leckere Delikatesse darstellen.

Auf dem Flug zum Zielort gerät die Razor Crest in eine Kontrolle durch zwei X-Flügel-Jäger der Neuen Republik, denen der Mando den gewünschten Code für den Weiterflug nicht vorweisen kann. Bei seiner halsbrecherischen Flucht legt die Razor Crest eine Bruchlandung auf einem unwirtlichen Eisplaneten hin und bleibt dort für den Moment havariert liegen. Während der Mando sich an die Reparatur macht, schleicht sich seine Passagierin davon, um in einem natürlichen Warmwasserbecken in einer Eishöhle weitere Eier zu legen.

Der Mando findet sie zwar nach einer kurzen Suche und kann die Eier sichern, bekommt es jedoch mit einem wesentlich größeren Problem zu tun: Nachdem das »Kind« von den geheimnisvollen anderen Eiern einer unbekannten Spezies gekostet hat, welche sich ebenfalls in der Höhle befinden, werden die drei von ganzen Scharen spinnenartiger Kreaturen in den verschiedensten Größen angegriffen. Mit Mühe und Not können sie zurück zur Razor Crest fliehen, dann jedoch tritt ein hausgroßes Exemplar der Monsterspinnen auf den Plan…

Was wir bekommen

Trotz der recht actionlastigen und temporeichen Handlung kann es The Passenger nicht mit der Eröffnungsfolge aufnehmen, bietet allerdings dennoch solide gut gemachte und auch gagreiche Unterhaltung – jedwede andere Kritik wäre Jammern auf einem schier astronomisch hohen Niveau.

Anklänge gibt es diesmal an den Space-Horror-Prototypen schlechthin, Alien von 1979 sowie an Jack Arnolds Monsterfilmklassiker Tarantula von 1955. Der Fan und Zuschauer gewinnt allerdings recht bald den Eindruck, als wolle man nach Folge 1 einen Gang zurückschalten – hoffentlich, um für weitere Abenteuer im Breitwandformat in den kommenden Wochen auszuholen.

Was dabei bleibt, ist eine ansehnliche Füllepisode. Allerdings fällt die Passivität des »Kindes«, das in Staffel 1 mit vielerlei Weltraumkreaturen wie etwa dem gefährlichen Schlammhorn fertig werden konnte, auch diesmal auf: Eine dramaturgische Finte, die auf kommende Geschehnisse hinweist oder ein Mini-Plothole, um zu schnelle Problemlösungen in der Handlung zu vermeiden? Die Zukunft wird es zeigen.

Dafür gibt es auch diesmal wieder gleich mehrere »Easter Eggs« für hartgesottene Star-Wars-Fans: War es in der letzten Folge der Krayt-Drache, welcher erstmals in Film beziehungsweise TV, aber dafür schon im Computerspiel Knights Of The Old Republic von 2003 zu sehen gewesen war, gibt es diesmal unter anderem ein Wiedersehen mit der aus Episode IV bekannten »Mos Eisley Cantina«, in welcher der Mando auf Peli Mott trifft. Der am dortigen Spieltisch sitzende insektenhafte Dr. Mandible hingegen gehört allem Anschein nach zum Volk der Killik: Dieses trat bisher nur in einer Romantrilogie aus dem Erweiterten Universum (EU) in Erscheinung, und zwar in Dark Nest (Star Wars: Dunkles Nest) von Troy Denning.

Auch die Spinnenwesen auf dem Eisplaneten dürften aufmerksame Fans wiedererkennen: In der Episode The Mystery Of Chopper Base (Kampf um die Basis)aus der zweiten Staffel der Animationsserie Star Wars Rebels traten sie unter der Bezeichnung »Krykna« auf dem Planeten Atollon bereits in Erscheinung.

Ein ganz besonderes Easter Egg ist auch das Wiedersehen mit dem schon aus Folge 6 (The Prisoner/Der Gefangene) bekannten X-Flügler-Piloten Trapper Wolf: Bei seinem Darsteller handelt sich um keinen geringeren als Dave Filoni; wie die meisten Star-Wars-Fans wissen, der Showrunner der beiden Animationsserien Star Wars: The Clone Wars sowie Star Wars Rebels. Und last not least dürfte auch der Regisseur der Folge kein Unbekannter sein: Peyton Reed inszenierte bisher unter anderem die beiden Marvel-Comicverfilmungen Ant-Man (2015) und Ant-Man And The Wasp (2018) und verfügt allein schon deshalb über eine Expertise für Insektenwesen.

Und somit gelingt The Passanger trotz etwas geringerer Kragenweite eins auf jeden Fall: Uns Star-Wars-Fans voller Spannung auf die Folge der kommenden Woche zurückzulassen.

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Thorsten Walch ist Journalist und Autor. Von ihm stammt unter anderem das Sachbuch Es lebe Star Wars, welches euch die langlebige Geschichte des Sternenfranchise näherbringt.

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