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The Mandalorian - Rezension zur Episode 2.04 "The Siege" ("Die Vertreibung")

Die Serie fliegt auch in der vierten Episode der neuen Staffel einen Umweg, taucht aber immerhin in ein actionreiches Abenteuer ein, das Spaß macht.

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von Thorsten Walch, dem Autor des Sachbuches "Es lebe Star Wars"

ACHTUNG, DIE REZENSION IST NICHT SPOILERFREI!

Ehe man sich versieht, ist die erste Hälfte der zweiten Staffel von The Mandalorian mit der vierten Folge bereits veröffentlicht, und es bleiben nur noch vier weitere Folgen bis zum 18. Dezember mit Spannung zu erwarten.

Die neueste trägt den Titel The Siege, in der deutschen Fassung Die Vertreibung, und diesmal ist es Regisseur Carl Weathers, der unseren behelmten Helden auf eine weitere Abenteuerreise schickt. Carl Weathers ist in The Mandalorian natürlich auch als Schauspieler in der Rolle des undurchsichtigen Kopfgeldjäger-Chefs Greef Carga zu sehen. 1976 wurde er durch die Darstellung des Box-Champions Apollo Creed, dem Gegenspieler von Sylvester Stallone in Rocky, zum Kinostar und wirkte danach in Produktionen wie Predator (1987) und den beiden Filmen um Action Jackson (1988 und 1990) mit.

Der Inhalt

Unser Mando (Pedro Pascal) befindet sich auf dem Weg zum Waldplaneten Corvus, wo er Ahsoka Tano zu treffen hofft, kommt jedoch mit der Reparatur der noch immer beschädigten Razor Crest nicht voran. Auch das geheimnisvolle »Kind« von der gleichen Rasse wie der berühmte Jedi-Meister Yoda ist ihm keine große Hilfe. Also steuert er den Vulkan-Planeten Nevarro an, auf dem sich der Showdown der ersten Staffel der Serie ereignete.

Hier hat die ehemalige Shocktrooperin der Rebellenallianz Cara Dune (Gina Carano) mittlerweile den Posten des Marshals inne und bringt Verbrecher wie eine Gangsterbande vom Volk der walrossartigen Aqualishaner (denen auch der berühmt-berüchtigte Ponda Baba aus Star Wars: Episode IV angehörte – Stichwort: »Du gefällst ihm nicht!«) zur Strecke. Greef Carga (Carl Weathers) bekleidet derweil das Amt eines Magistrates und beschäftigt den blauhäutigen reptilienhaften Mythrol (Horatio Sanz), welcher der allererste Fang des Mandos in Folge 1 der Serie war.

Greef Carga beauftragt seine Mechaniker mit der Reparatur der Razor Crest, im Gegenzug ist der Mando ihm, Cara und dem Mythrol bei der Zerstörung eines noch bestehenden imperialen Außenpostens auf Nevarro behilflich. Nach der Ankunft dort muss die Gruppe erkennen, dass es sich keineswegs um einen gewöhnlichen Außenposten handelt: Vielmehr fanden dort allem Anschein nach Versuche am lebenden Objekt statt, durchgeführt vom ebenfalls schon aus Staffel 1 bekannten in Diensten des Imperiums stehenden Wissenschaftlers Dr. Pershing (Omid Abtahi). Die Versuche standen im Zusammenhang mit dem »Kind«, das nach wie vor von den (offenbar doch nicht allzu wenigen) Überbleibseln des Imperiums dringend gesucht wird, und das Kommando der Geheimoperation führt kein Geringerer als Moff Gideon (Giancarlo Esposito).

Was wir bekommen

Auch Folge 4 von The Mandalorian bietet vorwiegend Action-Unterhaltung anstelle tiefgründiger Handlungselemente, keine Frage. So wie schon Folge 2, The Passenger von vor zwei Wochen ist auch The Siege eine Füllepisode, in der die übergeordnete Gesamthandlung von der Suche des Mandos nach den Jedi pausiert. Dafür gibt es ein Wiedersehen mit zwei beliebten Figuren aus Staffel 1 – Cara Dune und Greef Carga – sowie dem allerersten galaktischen Gangster, den der Mandalorianer ganz zu Beginn der Serie einfing und in Karbonit einfror: Einen ansonsten namenlosen reptilienartigen Mythrol.

Neben der Action in der Folge gibt es erneut eine Reihe von »Easter Eggs« für die Fans zu sehen: So können wir erstmals miterleben, wie der Mando eigentlich trinkt, ohne dabei in der Gegenwart des Kindes seinen Helm abzunehmen; ein weiteres Easter Egg ist das Auftauchen einer Bande von Aqualishanern, der an humanoide Walrosse erinnernden Alien-Rasse vom Planeten Ando. Deren bisher berühmtester Vertreter bisher war Ponda Baba, ebenfalls ein Gangster und Dauerbegleiter des vernarbten Dr. Evazan in Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung, der durch das Lichtschwert Obi-Wans seinen Arm verlor.

Als Lehrer(in) einer Schulklasse auf Nevarro fungiert ein Protokolldroide der gleichen Bauart wie der berühmte C-3PO, der im Gegensatz zu diesem aber mit einer weiblichen Stimme spricht. In dieser Schulklasse erweist es sich übrigens, dass man auch in der weit, weit entfernten Star-Wars-Galaxis die hierzulande immens beliebten Macarons zu kennen scheint, wenngleich die dortigen von spacig-blauer Färbung sind. Auch kommt ein Landspeeder ähnlich dem Gefährt von Luke Skywalker in ebenfalls Episode IV in der neuen Folge zu Ehren, während das Imperium von einigen Speeder Bikes mit entsprechenden Fahrern die Verfolgung aufnehmen lässt; diese Gefährte lernten die Fans erstmals 1983 in Die Rückkehr der Jedi-Ritter kennen.

Zu guter Letzt tritt erneut Captain Carson Teva (Paul Sun-Hyung Lee) von der einstigen Allianz der Rebellen und jetzigen Neuen Republik auf, der bereits in Folge 10 zusammen mit seinem von Produzent Dave Filoni gespielten Pilotenkumpan Trapper Wolf in Erscheinung trat. Teva möchte Marshal Cara Dune gern zurück zum Militär holen, was von dieser jedoch abgelehnt wird. In der Abschlussszene von The Siege wird ferner ein weiteres Spannungselement kommender Folgen eingebracht, über das wir an dieser Stelle jedoch nichts verraten wollen.

Dass der Mando nicht bereits in dieser Folge die in der letzten Episode angekündigte, aus den Animationsserien Star Wars: The Clone Wars und Star Wars Rebels bekannte Ahsoka Tano trifft, mag eine Enttäuschung für einen Teil der Fangemeinde darstellen. Allerdings bietet es sich dramaturgisch geradezu an, damit einen ganz besonderen Höhepunkt in der Serie zu generieren: Möglicherweise wird man hieraus gar eine Art Abschlussknaller für die zweite Staffel der Serie machen.

Wir sind gespannt auf die nächste Folge! Möge bis dahin die Macht mit ihnen allen sein!

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Thorsten Walch ist Journalist und Autor. Von ihm stammt unter anderem das Sachbuch Es lebe Star Wars, welches euch die langlebige Geschichte des Sternenfranchise näherbringt.

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