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The Mandalorian - Rezension zur Episode 2.06 "The Tragedy" ("Die Tragödie")

Die kürzeste Episode der bisherigen Staffel von The Mandalorian punktet mit hohem Tempo und spannenden Wendungen.

Mandalorian Season2 Thetragedy Flying Babyyoda

von Thorsten Walch, dem Autor des Sachbuches "Es lebe Star Wars"

ACHTUNG, DIE REZENSION IST NICHT SPOILERFREI!

Für die aktuelle Folge von The Mandalorian ließe sich eine alte Redewendung wunderbar in »Kurz, aber oho!« umwandeln. Mit lediglich 34 Minuten Lauflänge handelt es sich um die bisher kürzeste Episode von Staffel 2, dafür jedoch hat sie es auf ganzer Linie und über alle Maßen in sich. Aber immer der Reihe nach.

Der Inhalt

Moff Gideon (Giancarlo Esposito, Breaking Bad) verfolgt an Bord seines Raumkreuzers mittels des in der vorherigen Folge an Bord der Razor Crest geschmuggelten Peilsenders den Mando (Pedro Pascal) und seinen kleinen Freund. Dieser trägt, wie wir mittlerweile wissen, den Namen Grogu, und die beiden fliegen zum Jedi-Tempel auf dem Planeten Tython, wozu ihnen Ahsoka Tano geraten hat.

Auf Tython angekommen, finden sie den Tempel recht schnell, doch muss der Mando ebenso schnell erkennen, dass sie verfolgt wurden: Ein charakteristisches Raumschiff in Elefantenkopf-ähnlicher Form geht in der Nähe des Tempels nieder. Während Grogu Verbindung zur Macht aufnehmen kann, steht der Mando wenig später dem Kommandanten der Slave I (so der Name des Schiffes) gegenüber: Wie Star-Wars-Fans natürlich längst wissen, handelt es sich dabei um den gealterten und nach seinem Sturz in den Schlund des Sarlacc auf Tatooine vernarbten Kopfgeldjäger Boba Fett (Temuera Morrison, Aquaman). Doch Boba Fett ist nicht allein gekommen: In seiner Begleitung findet sich die Elite-Söldnerin Fennec Shand (Ming-Na Wen, Marvel’s Agents Of S.H.I.E.L.D.), auf die der Mando bereits in Staffel 1 (in der Folge The Gunslinger/Der Revolverheld) getroffen ist und die er für tot gehalten hatte. Fennec hat jedoch dank der Hilfe von Boba Fett überlebt und arbeitet seitdem mit ihm zusammen. Boba Fett verlangt vom Mando die Herausgabe seiner Rüstung.

Noch während die beiden über das Für und Wider dessen und die entsprechenden Bedingungen diskutieren, trifft weiterer Besuch auf Tython ein: Es handelt sich um die Sturmtruppen Moff Gideons. Boba Fett, der mittlerweile seine alte Rüstung anlegen konnte, Fennec und auch der Mando können einen Großteil der Sturmtruppen ausschalten. Dann jedoch kommt es zur titelgebenden, gleich aus zwei Komponenten bestehenden Tragödie, über die an dieser Stelle jedoch noch nichts verraten werden soll…

Was wir bekommen

Natürlich – die Geschmäcker auch oder gerade der Star-Wars-Fangemeinde sind und bleiben verschieden, und trotz des zu erwartenden großen Erfolges auch der zweiten Staffel von The Mandalorian hat die Serie nicht allein Freunde. Daher sei dem Rezensenten sein unbestrittener Enthusiasmus verziehen, wenn er sagt, dass The Mandalorian die klassische Star-Wars-Saga in einer geradezu unvergleichlichen Weise fortsetzt und dabei altbekannte und neue Komponenten gleichermaßen zu einem grandiosen Ganzen kombiniert. Zumindest für die nächsten Jahre spielt sich die einstmals von George Lucas (der sich übrigens seit geraumer Zeit wieder mehr und mehr der Fortsetzung seiner Schöpfung annähert) ersonnene Saga auf den heimischen TV-Bildschirmen ab, und dank The Mandalorian braucht sich zumindest ein Großteil der Fangemeinde vor diesem Umstand nicht zu fürchten. Showrunner Jon Favreau (Iron Man I bis III) zeigt das richtige Gespür hierfür und gibt dem Publikum das, was sich der geneigte Löwenanteil wünscht. Eine große Rolle hierfür spielt auch seine exzellente Auswahl der jeweiligen Episodenregisseure: Diesmal fällt diese Aufgabe erstmalig Robert Rodriguez zu, den Fans fantastischer Kinounterhaltung durch seine Inszenierung moderner Klassiker wie Sin City (2005), Planet Terror (2007) oder zuletzt der von James Cameron produzierten Anime-Realverfilmung Alita: Battle Angel (2019) kennen.

Dass der Kopfgeldjäger Boba Fett durch seine beiden Auftritte in Das Imperium schlägt zurück (1980) und Die Rückkehr der Jedi-Ritter (1983) zu einer ausgesprochenen Kultfigur wurde, steht außer Frage. Doch schafft es The Mandalorian, diesem eigentlich bereits fix und fertigen Charakter ein paar ganz neue Facetten hinzuzufügen: In der vorliegenden Episode lernen wir Boba als ehrenhaften, trotz seiner »dunklen Seite« voll und ganz zu seinem einmal gegebenen Wort stehenden Krieger kennen. Allein sein erstes Auftauchen in seiner zurückgeholten Rüstung dürfte bei vielen Fans zu unterschiedlichsten freudigen Reaktionen geführt haben, die denen des Aufrtritts von Ahsoka Tano eine Woche zuvor entweder in nichts oder nur sehr wenigem nachstehen.

Ja, der Plot von The Mandalorian mag nicht eben subtile Handlungsverläufe transportieren, doch ist gerade dies seit nunmehr 43 Jahren die große Stärke einer Weltraumsaga, in der die Verknüpfung von Alt und Neu verbunden mit einer vergleichsweise einfachen, aber wichtigen philosophischen Botschaft im Vordergrund stehen. Und genau dort setzt die Serie an, verbunden mit vielerlei nostalgischen Rückgriffen auf die mittlere und gleichzeitig älteste und bei recht vielen Fans noch immer beliebteste Trilogie. Die neueste Folge jedenfalls stellt trotz ihrer reduzierten Laufzeit (die jedoch angesichts der rasanten Handlung voll und ganz ausreichend ist, wenngleich in solchen Fällen länger immer besser ist) den Höhepunkt der zweiten Staffel, wenn nicht gar der ganzen bisherigen Serie dar.

Einziger Wermutstropfen für (Serien-) Fans: Es bleiben nur noch zwei Folgen bis zur diesmal mindestens einjährigen Wartepause übrig. Der Serie eher ablehnenden Zeitgenossen sei genau der gleiche Satz in beschwichtigender Weise gesagt. Möge die Macht mit uns allen sein!

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Thorsten Walch ist Journalist und Autor. Von ihm stammt unter anderem das Sachbuch Es lebe Star Wars, welches euch die langlebige Geschichte des Sternenfranchise näherbringt.

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