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The Mandalorian - Rezension zur Episode 2.07 "The Believer" ("Der Getreue")

Die vorletzte Episode der aktuellen Staffel wird von Action dominiert, hat aber noch einiges mehr zu bieten.

The Mandalorian S02 E07 The Believer

von Thorsten Walch, dem Autor des Sachbuches "Es lebe Star Wars"

ACHTUNG, DIE REZENSION IST NICHT SPOILERFREI!

In der (leider bereits vorletzten!) Folge der zweiten Staffel von The Mandalorian macht sich der titelgebende behelmte Krieger nach der Zerstörung seines Schiffes, der Razor Crest, auf die Suche nach dem kleinen Grogu (der für viele Fans wohl auf ewig»das (geheimnisvolle) Kind« bleiben wird.

Dieser wurde – wir erinnern uns – am Ende der letzten Folge The Tragedy (Die Tragödie) von den Dunkeltruppen (diese Dark Trooper traten übrigens erstmals im bis vor Kurzem indizierten Star-Wars-Computerspiel Dark Forces von 1995 in Erscheinung) des bösen Moff Gideon an einen unbekannten Ort entführt.

Der Inhalt

Doch glücklicherweise muss der Mando (Pedro Pascal) nicht allein auf diese gefahrvolle Mission gehen: Seine beiden neuen Begleiter Boba Fett (Temuera Morrison, Aquaman) und Fennec Shand (Ming-Na Wen, Marvel’s Agents Of S.H.I.E.L.D.) stehen ihm dabei ebenso zur Seite wie seine alte Kampfgefährtin Cara Dune (Gina Carano, Deadpool), die nunmehr als Marshal der Neuen Republik fungiert.

Cara ist es auch, die den ehemaligen imperialen Scharfschützen Migs Mayfeld (Bill Burr, Breaking Bad) aus dem Schrottplatz-Straflager auf den Karthon Chop Fields befreit, wo er eine langjährige Zwangsarbeitsstrafe verbüßen soll. Auch Mayfeld ist ein alter Bekannter des Mandos, bekamen sie es doch bereits in der Folge The Prisoner (Der Gefangene) in der ersten Serienstaffel miteinander zu tun. Mayfeld soll dem Mando und seinen Kampfgefährten dabei helfen, Moff Gideon aufzuspüren. Hierzu jedoch benötigt der Ex-Imperiale ein internes imperiales Datenterminal.

Aus diesem Grund steuert Boba Fett mit der Slave I den Waldplaneten Morak an, auf dem das Imperium das hochexplosive Rhydonium zur Treibstoffstoffherstellung abbaut. Da sowohl Cara als auch Fennec und Boba bei den Überbleibseln des Imperiums zu bekannt sind, können sie die Rhydonium-Raffinerie mit dem dringend benötigten Terminal nicht betreten, und somit bleibt dem Mando keine andere Wahl, als dies gemeinsam mit Mayfeld selbst zu tun. Nachdem ein mehrachsiger imperialer Rhydonium-Tanktruck gekapert wurde und die leidige Frage »Helm« bei unserem Helden geklärt ist (er legt schließlich seine Beskar-Rüstung ab und dafür eine imperiale Rüstung an), machen er und Mayfeld sich auf den gefahrvollen Weg durch den Dschungel zu der Raffinerie. Neben der im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlichen Ladung macht ihnen dabei auch eine Piratenbande auf Schwebegleitern das Leben schwer …

Was wir bekommen

In der ersten Folge der gesamten Serie, die ohne das niedliche »Kind« Grogu auskommen muss (schließlich geht es ja um die Suche nach dem gekidnappten Kleinen) setzt man in der insgesamt dritten Regiearbeit des auch als Autor tätigen Rick Famuyiwa (Dope) in der Serie auf Action. Dienten bei nicht wenigen früheren Episoden von The Mandalorian die berühmt-berüchtigten Italo-Western der beiden Sergios Corbucci und Leone als stilistische Vorbilder, bemüht man diesmal ein anderes Vorbild: Filmfans erkennen unschwer Anleihen an den klassischen Abenteuer-Thriller Lohn der Angst mit Yves Montand und dem gebürtigen Deutschen Peter van Eyck in den Hauptrollen. In diesem erzählte der französische Regisseur Henri-Georges Clouzot 1953 filmisch die Geschichte des gefahrvollen Transportes von Tankwagen voller Nitroglyzerin durch den südamerikanischen Dschungel, und bis heute gilt diese ungewöhnliche cineastische Mischung als Meilenstein des Spannungskinos. Mehr als nur ein wenig fühlt man sich während der dieswöchigen Episode von The Mandalorian an die verbissenen Nitro-Trucker aus dem genannten Film erinnert.

Allerdings machen die entsprechenden Szenen bei alledem nur einen Teil der Episode aus. Ebenfalls so richtig dramatisch wird das Ganze, wenn der Mando, in der Raffinerie angekommen, entgegen seines Kodexes den (in diesem Falle imperialen) Helm abnehmen muss, um einen Gesichtsscan über sich ergehen zu lassen (damit ist erst zum zweiten Mal das Gesicht von Hauptdarsteller Pedro Pascal in der bisherigen Serie zu sehen) oder aber, wenn ein imperialer Offizier den beiden vermeintlichen Soldaten in empfindlich-gefährlicher Weise zu nah kommt. In Sachen Action geht es dann gegen Ende von The Believer noch einmal zur Sache, wenn es darum geht, mit den erbeuteten Informationen aus der Raffinerie zu fliehen. Hierbei zeigt sich ein weiteres Mal das Gespür der Macher für die Entwicklung der agierenden Charaktere: Hielt man Mayfeld insbesondere bei seinem ersten Auftritt in der ersten Staffel von The Mandalorian noch für einen wenn auch insgeheim ewig-treuen Anhänger des Imperiums, zeigen sich bei seinem jüngsten Auftritt jedoch ganz andere, vor allem wesentlich menschlichere Facetten, über die jedoch aus Spannungsgründen nichts verraten werden soll.

Die Folge selbst ist freilich eine geradezu klassische Füllgeschichte, die in allererster Linie der Vorbereitung auf das ohne jeden Zweifel grandiose Staffelfinale in der kommenden Woche dienen dürfte. Nichtsdestotrotz hat man jedoch durchaus Ansehnliches mit ausgezeichneten (Action-) Schauwerten daraus gemacht, wenngleich man natürlich Tiefsinn auch in The Believer nur schwerlich finden dürfte. Doch wie lautete bereits das Resümee so mancher früheren Folge der ersten Live-Action-Star-Wars-Serie? Besagter Tiefsinn ist ganz sicher nicht der springende Punkt in The Mandalorian.

Und somit wartet die Star-Wars-Fangemeinde nunmehr abschiedsbang auf die letzte Folge der aktuellen Staffel in der kommenden Woche. Doch gibt es durchaus Neuigkeiten, die bestens dazu angetan sind, traurige Fans der Saga zu trösten: Fast zeitgleich mit der Bekanntgabe, dass die dritte Staffel von The Mandalorian ziemlich genau ein Jahr nach der zweiten herauskommen wird, stellte man seitens Disney nicht weniger als 10 (in Worten: ZEHN!!!) höchst unterschiedliche neue Star-Wars-Projekte teilweise auch für die Verwertung auf Disney+ in Aussicht. Das jedoch ist ganz entschieden eine andere Geschichte.

Sei einstweilen die Macht mit uns allen!

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Thorsten Walch ist Journalist und Autor. Von ihm stammt unter anderem das Sachbuch Es lebe Star Wars, welches euch die langlebige Geschichte des Sternenfranchise näherbringt.

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