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The Mandalorian - Rezension zur Episode 2.08 "The Rescue" ("Die Befreiung")

Das Ende der zweiten Staffel bringt erneut Moff Gideon und Din Djarin in eine brenzlige Situation im Kampf um Grogu und dürfte bei einigen Fans zudem für herunterklappende Kinnladen sorgen.

Mandalorian Rescue Gideon

von Thorsten Walch, dem Autor des Sachbuches "Es lebe Star Wars"

ACHTUNG, DIE REZENSION IST NICHT SPOILERFREI!

Und da ist es leider auch schon – das Finale der zweiten Staffel von The Mandalorian nach acht viel zu kurzen Wochen. Eigentlich war es ja angesichts der bisherigen Folgen nicht anders zu erwarten: Man lässt es zum (etwa ein Jahr bis zum Wiedersehen dauernden) Abschied noch einmal so richtig krachen und präsentiert absolutes Hochglanz- (Streaming-) Fernsehen von bisher in dieser Form so gut wie unbekannter Art. Bereits nach den ersten Augenblicken dachte ein Großteil der Zuschauerschaft wahrscheinlich das Gleiche wie der Rezensent: »Ich glaub‘, ich sitz‘ im Kino!« Auch gibt es ein Wiedersehen mit gleich mehreren bekannten Gesichtern aus der bisherigen Staffel und dem Star-Wars-Universum allgemein …

Der Inhalt

Der Mando (Pedro Pascal, Wonder Woman 1984), Boba Fett (Temuera Morrison, Aquaman), Fennec Shand (Ming-Na Wen, Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.) und Cara Dune (Gina Carano, Daughter Of The Wolf) kapern an Bord von Bobas Raumschiff Slave I ein imperiales Shuttle der Lambda-Klasse, welches Moff Gideons Chefwissenschaftler Dr. Pershing (Omid Abtahi, American Gods) transportiert und nehmen diesen gefangen. Anschließend kontaktiert die zusammengewürfelte Truppe die mandalorianische Thronfolgerin Bo-Katan Kryze (Katee Sackhoff, Another Life) und ihre Kampfgefährtin Koska Reeves (Mercedes Varnado, bekannt als Profi-Wrestlerin Sasha Banks) und bittet sie um Hilfe bei der Befreiung des kleinen Grogu, der sich noch immer in der Gewalt Gideons befindet und den sie mit der unfreiwilligen Mithilfe Pershings aufspüren wollen.

Bo-Katan, die das im Besitz Gideons befindliche mandalorianische Dunkelschwert zurückerobern will, willigt unter der Bedingung ein, dass sie anschließend Gideons Raumkreuzer erhält und der Mando ihr bei der Befreiung ihrer Heimatwelt beisteht. Gemeinsam stürmt die nunmehr zu einer kleinen Streitmacht angewachsene Gruppe Gideons Schiff. Dort muss sich der Mando zunächst der Droiden-Dunkeltruppen an Bord erwehren, gegen die sich die »Terminators« aus der Kinofilmreihe dieses Namens wie ein paar Waisenknaben ausnehmen und schließlich Moff Gideon (Giancarlo Esposito, Breaking Bad) selbst in jeweils erbitterten Kämpfen gegenübertreten. Als die Gefahr am größten ist, kommt plötzlich Hilfe von völlig unerwarteter Seite: Es scheint, als habe der kleine Grogu kurz vor seiner Entführung aus dem Jedi-Tempel auf Tython tatsächlich einen Jedi-Ritter herbeirufen können …

Was wir bekommen

Das Spoilern dessen, was dann folgt, käme fast schon einer Sünde an den Star-Wars-Fans gleich, die die heute veröffentlichte Episode noch nicht sehen konnten, aus diesem Grund soll auf gleich mehrere Aspekte noch einmal an anderer und späterer Stelle ausführlich eingegangen werden. Es sei nur soviel gesagt: Das, was da unter der Regie von Peyton Reed (bekannt durch die Inszenierung der beiden Marvel-Filme um Ant-Man) abläuft, braucht den Vergleich mit hochwertigen Kinoproduktionen in keiner Weise zu scheuen, sei es nun in Sachen Tricktechnik (die in der heutigen Zeit ohnehin bei hochwertigen Fernsehproduktionen der in Kinofilmen in nichts mehr nachsteht) als auch in punkto Spannungsaufbau, Dramatik und dem Vermögen, den Zuschauer mitzureißen: Ganz zu schweigen von einem geradezu ungeheuren Sinn für Kontinuität in einem aufeinander aufbauenden Handlungsuniversum.

Es sei dem Rezensenten nachgesehen, aber die einzige große Schwachstelle der neuesten Episode ist der Umstand, dass es sich dabei um die letzte für ein ganzes langes Jahr handelt. Natürlich ließen sich bei entsprechender Suche Kritikpunkte finden, aber dazu müsste man schon sehr genau hinsehen und nicht nur eine Lupe, sondern besser ein Mikroskop verwenden, und selbst dann wäre die Begeisterung vermutlich überwiegend. So und nicht anders geht Star Wars – vielleicht nicht in den Augen restlos jeden, aber doch zumindest denen einer großen Anzahl an Fans, wie die Beliebtheit der Serie inner- und außerhalb der festen Fan-Szene der Saga beweist.

Insgesamt gesagt: Zwar mag der Begriff »episch« gerade in Bezug auf die erste Star-Wars-Realserie mittlerweile ein wenig abgegriffen wirken (nichtsdestotrotz er nach wie vor zutreffend ist), doch gibt es schlicht und ergreifend keinen anderen und vor allem passenderen Ausdruck für das, was die letzte Folge von Staffel 2 der Abenteuer unseres behelmten Helden bietet. Man wünscht sich den sprichwörtlichen einen Dollar für jeden Star-Wars-Fan, der in ähnlicher Weise auf die gewissermaßen gleich zwei Abschlusspointen reagiert hat wie der Verfasser dieses Reviews. Ein kleiner Hinweis sei erlaubt: Man sollte sich die Folge unbedingt bis nach dem Abspann anschauen, wie es Kinozuschauer in aller Regel auch bei den Marvel-Verfilmungen tun. Platt ausgedrückt: Da kommt noch was – und zwar ein richtig, richtig dickes Ding, das zumindest dank der (in diesem Fall recht gut informierten) Gerüchteküche in den vergangenen Monaten bereits abzusehen war.

Spätestens mit The Rescue dürfte klar sein, welchen Weg die Star-Wars-Saga auch in den kommenden Jahren einschlagen wird. Natürlich ist und bleibt Star Wars ein Kinophänomen, wenngleich die letzten veröffentlichten Filme samt und sonders nicht den Publikumserwartungen entsprochen haben (in den Augen vieler, nicht allein des Rezensenten, jedoch bei Weitem nicht so schlecht waren, wie manche sie machen wollen). Doch findet zumindest die nächste Zukunft des Franchises im (Streaming-) TV bei Disney+ statt.

Und spätestens seit dem Staffel-Finale von The Mandalorian dürfte auch zumindest ein Teil der kritischen, weil Kino-affinen Fans dieser Zukunft nicht mehr ganz so bange entgegensehen. Eine traurige Nachricht jedoch überschattet die Freude und Begeisterung für die neue Episode: Just einen Tag vor ihrer Veröffentlichung schloss am 17. Dezember der Original-Darsteller Boba Fetts, Jeremy Bulloch, im Alter von 75 Jahren nach langer schwerer Krankheit für immer seine Augen. Die Figur, die er unsterblich gemacht hat und die auch in The Mandalorian eine wichtige Rolle spielt, geht nun auf ihren neuen Darsteller Temuera Morrison über.

In diesem Sinn bleibt abschließend nichts anderes übrig, als den Lesern im besten Star-Wars-Sinn den wohl bekanntesten Spruch aus der Saga zu entbieten: Möge die Macht mit Ihnen allen sein – immer!

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Thorsten Walch ist Journalist und Autor. Von ihm stammt unter anderem das Sachbuch Es lebe Star Wars, welches euch die langlebige Geschichte des Sternenfranchise näherbringt.

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