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Von Jurassic Park zu Jurassic World: Ewig lockt der Dino

Bereits seit 1993 lässt Hollywood alle Jahre wieder die Dinos über die Leinwand tanzen. Neben bald zwei kompletten Trilogien hat das Thema jedoch noch mehr zu bieten. Wir haben uns für euch in der Welt von Triceratops und T-Rex genauer umgeschaut.

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von Björn Sülter

An den vergangenen drei Abenden haben wir bei SYFY die Originaltrilogie von Jurassic Park wiederholt. Viele werden sich aber auch noch daran erinnern, als die Dinos das erste Mal die Leinwand einnahmen. Erschreckend, dass der erste Jurassic Park bereits 27 Jahre her ist, oder? Inzwischen stehen wir bei fünf Filmen, einer Serie, die zwar nichts mit dem Franchise zu tun hatte, aber den Hype zu nutzen versuchte, unzähligen Spielen und Merchandiseprodukten und dem nahenden Abschluss der zweiten Trilogie im Juni 2021. Reisen wir gemeinsam durch fast drei Jahrzehnte, in denen die Dinos laufen lernten ...

Gibt es in Ihrem Park auch Dinos?

Was war das 1993 für ein Hype, als die Dinos zum ganz großen Knüller für eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen wurden! Mit dem Thema Urzeitriesen hatte nicht nur Michael Crichton, der Autor der Romanvorlage DinoPark, sondern vor allem auch Regisseur Steven Spielberg den richtigen Riecher gehabt. 1,5 Millionen Dollar ließen sich die Universal Studios die Filmrechte am Roman kosten, durften sich ihrer Sache aber zurecht sehr sicher sein. Obwohl Spielberg den Film nicht durch die Postproduktion betreuen konnte (da er parallel direkt im Anschluss Schindlers Liste drehte) und die Aufgaben George Lucas übergab, war er mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Und warum auch nicht? Jurassic Park zelebriert auch heute noch Kinomagie! Sei es durch den Humor, die wunderbare Filmmusik des John Williams, die damals bahnbrechenden Effekte, die sympathischen Darsteller wie Jeff Goldblum, Sam Neill und Laura Dern oder die rasante Story. Den Erbauer des Parks, John Hammond, besetzte Spielberg mit Sir Richard Attenborough, der zuvor seit 1979 keine Rolle mehr angenommen hatte. Für Spielberg erfüllte sich damit ein Traum. Der erste Teil der Dino-Saga ist längst ein moderner Klassiker. 63 Millionen Dollar Produktionskosten standen am Ende der Kinoauswertung über einer Milliarde Einspielergebnis gegenüber. Ein gigantischer Erfolg, der jedoch erst vier Jahre später in eine Fortsetzung mündete.

Erneut war Spielberg für die Regie zuständig, ein weiteres Mal spielte Jeff Goldblum die Hauptrolle und auch Attenborough kehrte zurück. Allerdings verzichtete man auf Neill und Dern und brachte dafür neue Figuren ins Spiel. Vergessene Welt: Jurassic Park war in jeder Hinsicht größer, länger, opulenter, spannender und sogar etwas teurer: 73 Millionen Dollar verschlang die Produktion. Was wohl niemand erwartet hatte: Mit nur knapp über 600 Millionen Dollar Einspielergebnis fiel der Film an der Kinokasse zwar nicht durch und machte noch satten Gewinn, den ganz großen Wurf hatte man aber nicht mehr gelandet. War der Hype schon vorbei? Hatte man vielleicht zu lange gewartet?

2001 wollte man der Sache nach einer Pause von vier Jahren noch einmal auf den Grund gehen. Für Jurassic Park III brachte man diesmal allerdings Sam Neill und Laura Dern in ihren Rollen aus dem ersten Teil zurück, verzichtete aber auf Goldblum. Jim Johnston übernahm die Regie, Spielberg zog sich auf den Posten des Executive Producers zurück. Die beiden Freunde hatten bereits nach dem ersten Teil über eine Möglichkeit gesprochen, dass Johnston einmal ein Sequel umsetzen könnte. Nun war der Zeitpunkt gekommen, da Spielberg kein Interesse mehr am Regiestuhl bei der Reihe hatte. Ob er vielleicht sogar ahnte, dass das Thema eigentlich längst den ganz großen Massenappeal verloren hatte?

Die Kinozuschauer beantworteten die Frage deutlich. Der dritte Teil kostete 93 Millionen Dollar, spielte aber nur noch 369 Millionen ein. Nach Adam Riese blieb da am Ende nicht viel für das Studio übrig, da man mit einer großangelegten Werbekampagne definitiv auf eine höhere Zahl abgezielt hatte und extrem in Vorleistung gegangen war. Die Trilogie war nun jedoch würdig und spannend zu einem Abschluss gekommen und der Dino-Hype wohl endgültig am abschwellen. Es sollte dann auch eine ganze Weile dauern, bis das Thema wieder aus der Mottenkiste geholt wurde ...

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Wöchentliche Dinos

Selbstverständlich blieb die Idee, auch den kleinen Bildschirm mit Dinos zu versorgen, nicht unartikuliert. Zehn Jahre nach dem dritten Teil der Originaltrilogie und vier Jahre vor dem Auftakt der zweiten war es kein geringerer als Steven Spielberg, der als Executive Producer das Projekt Terra Nova übernahm. Dieses basierte zwar nicht auf den Filmen oder den Büchern des Michael Crichton, hatte aber fraglos Dinos zu bieten und war somit das nächstbeste, was Fans der Filme im TV bekommen konnten.

Der Plot drehte sich um die Familie Shannon, die der Umweltverschmutzung des Jahres 2149 entfliehen wollten und mit anderen Siedlern per Zeitreise die Zeit der Dinosaurier auf der Erde unsicher machten. Ehrensache, dass es eher die Kolonisten waren, deren Leben von diesem Moment an unsicher wurde. Leider rankten sich die Plots um zu viele zwischenmenschliche Dramen, die man in jeder Soap bereits einmal ähnlich (und besser) gesehen hatte. Dinos, Action und wirklich gute Plotlines waren in den ersten 13 Episoden Mangelware. Als die Serie zum Ende der kurzen ersten Staffel endlich spannend wurde und in  einen Cliffhanger gipfelte, zog FOX den Stecker. Die Quoten waren zwar für damalige Verhältnisse wahrlich nicht schlecht (konstant zwischen 7 und 9 Millionen Zuschauer in der linearen Ausstrahlung der USA), reichten den Machern aber nicht.

Irgendwie hatte es also nicht sein sollen. Wie charakterisierte ein Kritiker die Serie damals so schön? "Jurassic Park trifft Unsere kleine Farm". Recht hatte er! Für ihre Ambitionen und die mit der Produktion verbundenen Kosten war die Serie einfach zu unspektakulär. Schade eigentlich, denn eine richtig gute Dino-Serie wäre doch eigentlich eine tolle Sache, oder?

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Ein Park ist nicht genug

Frei nach diesem etwas abgewandelten Bond-Motto ließ man 2015 also lieber erneut die Kino-Dinos aus den Käfigen. Diesmal sollte es aber kein weiterer Teil der ursprünglichen Park-Story werden, man ersetzte das zweite Wort des Originaltitels lieber durch World und startete (mit Steven Spielberg als Produzent) eine ganz neue Trilogie. Erfolg vorausgesetzt!

Dieser stellte sich im Gegensatz zu den TV-Dinos vier Jahre zuvor auch schnell ein. Mit 150 Millionen US-Dollar war der von Colin Trevorrow mitgeschriebene und inszenierte Film in der Produktion zwar kein Schnäppchen, fast 1.7 Milliarden Dollar Einspielergebnis linderten die Schmerzen der Geldgeber jedoch schnell. Die opulent inszenierte Geschichte rund um Chris Pratt als Owen Grady und seine Arbeit als Dinoflüsterer auf der Isla Nublar, der Insel aus dem ersten Jurassic Park, begeisterte die Zuschauer. Am Ort des damaligen Geschehens hatte man inzwischen einen ganzen Vergnügungspark aus der Dino-Geschichte gestrickt, der ­- wie Disneyland - Besucher aus der ganzen Welt anzog. Es ging eben immer noch größer (und gefährlicher)! Perfide war auch zu sehen, wie selbst Kleinkinder im Dino-Streichelzoo ihren Spaß hatten oder auf kleinen Dinos reiten durften. Die Message war so simpel wie eindeutig: Der Mensch neigt einfach dazu, seine Macht ausspielen zu wollen. Filme wie dieser bringen uns dann jedoch verlässlich auf den Boden der Tatsachen zurück. Denn wenn der Mensch Gott spielt, passiert im Film meist das Gleiche: Es geht schief. So auch hier, als die Technik versagte, die Dinos ausbrachen und viele Menschen starben.

Der Film punktete durch großformatige Effekte, das Charisma von Pratt und Co-Star Bryce Dallas Howard als Claire Dearing sowie mit der Rückkehr an die Orte des ersten Films. BD Wong durfte nach seinem Auftritt im ersten Teil der Originaltrilogie obendrauf wieder seinen Dr. Henry Wu geben. Nach dem großen Erfolg an der Kinokasse stand einem zweiten Teil selbstverständlich nichts im Wege.

Dieser kam 2018 unter dem Titel Jurassic World: Fallen Kingdom in die Kinos, kostete nochmal 20 Millionen Dollar mehr und spielte immer noch rund 1.3 Milliarden ein. Regie führte diesmal J. A. Bayona, Trevorrow arbeitete aber erneut am Drehbuch mit. Die Stars des Auftakts kehrten zurück und mit Jeff Goldblum hatte man sogar (neben Wong als Dr. Wu) den beliebten Chaostheoretiker Dr. Ian Malcolm des ersten und zweiten Teils wieder mit an Bord. Obwohl der Film an einigen Stellen dramaturgisch fraglos überzog, zementierte er doch problemlos den Erfolg der zweiten Trilogie, die mit Jurassic World: Dominion kommendes Jahr ihren Abschluss finden wird. Dann sind neben Goldblum als Malcolm und Wong als Wu auch noch andere Helden mit dabei: Sam Neill als Dr. Alan Grant und Laura Dern als Dr. Ellie Sattler (aus dem ersten und dritten Teil)! Colin Trevorrow wird zum dritten Mal die Story liefern, diesmal aber auch wieder inszenieren. Eine Art Familientreffen zum Abschluss der Dino-Saga also? Fast. Leider erlebte Sir Richard Attenborough alias John Hammond den Kinostart der zweiten Trilogie nicht mehr. Er starb 2014 im Alter von 91 Jahren und bleibt nicht nur für seine Darstellung in den ersten beiden Filmen unvergessen.

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Mit Dinos spielen

Doch gibt es die meist übellaunigen Urzeitmonster nicht nur als Popcorn-Unterhaltung. Auch für die Gamer wurde das Konzept bereits unzählige Male umgesetzt. Seit 1993 vergab man die Lizenz für begleitende Spiele zu den Kinofilmen regelmäßig, was zu einer ganzen Reihe von Aracade- aber auch Strategietiteln führte, die auf allen denkbaren Plattformen veröffentlicht wurden. Zu den Höhepunkten gehört sicher die Simulation Jurassic World Evolution von 2018, bei der man nicht nur den Park managen muss, sondern auch eigene Dinos züchten kann.

2015 war es dann jedoch  ausgerechnet die Lego-Reihe, die insbesondere jüngere Fans mit einem Spiel erfreute, das die Storylines der ersten vier Kinofilme miteinander verband und schlicht einen Heidenspaß machte. Laut Aussage von Warner verkaufte sich das Spiel Lego Jurassic World direkt im ersten Jahr über vier Millionen Male. Im Spiel gilt es insgesamt zwanzig Level durchzuspielen und Puzzle zu lösen, wobei auf jeden Film fünf Level entfallen.

Das Game begeistert nicht nur mit einer liebevollen Umsetzung der bekannten Orte und Figuren, sondern punktet auch mit Originalmusik, den Originalstimmen der Schauspieler und aberwitzigem Humor. Ein Must-Have, nicht nur für Kinder.

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Immer mehr Dinos?

Auch wenn der dritte Teil der Jurassic-Word-Trilogie kommendes Jahr erstmal im Kino laufen muss, steht der Erfolg der neuen drei Teile kaum im Frage. Mit über drei Milliarden Dollar Einspielergebnis haben die ersten beiden Teile bereits lässig vorgelegt. Somit sollte einer weiteren Fortsetzung des Franchise doch eigentlich nichts im Wege stehen, oder?

Vielleicht wagt die Industrie ja auch noch einmal den Sprung auf den kleinen Bildschirm und beglückt die Fans mit einer richtigen Jurassic-Park-Serie. Alternativ kann man natürlich auch immer eine dritte Trilogie ansetzen. Die Dinos laufen uns in jedem Fall nicht weg; höchstens auch weiter hinterher.