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Von Star Trek über Walking Dead bis Vikings: Sinnlose Serienfiguren

Sie haben undankbare Aufgaben. Nicht etwa, weil sie schlecht spielen würden, sondern weil die Autoren nicht in der Lage sind, ihre Figuren sinnvoll in die Handlung einzubauen. Unser Björn Sülter stellt euch seine TOP3 der sinnlosesten Serienfiguren vor.

Star Trek

Starke Figuren sind das Salz in der Seriensuppe. Ohne sie wären Erfolgsgeschichten vieler Formate gar nicht möglich gewesen. Wenn eine gute Charakterzeichnung dann noch mit perfektem Casting zusammentrifft, kann schnell eine ikonische Figur für die Ewigkeit entstehen.

Man denke quer durch den Garten der Fernsehgeschichte beispielsweise an Thomas Magnum (Magnum), Beckett & Castle (Castle), Walter White (Breaking Bad), Tyrion Lannister (Game of Thrones), Ragnar Lothbrok (Vikings), Captain Jean-Luc Picard (Star Trek: The Next Generation), G'Kar & Londo (Babylon 5), Mulder & Scully (The X-Files) und viele andere.

Doch gibt es dort, wo so viel Sonne scheint, eben auch immer eine Menge Schatten. Serienautoren ist es ohne Frage immer ein Anliegen, allen Figuren gleichermaßen gerecht zu werden. Einige funktionieren jedoch schon aufgrund ihrer Konzeption nicht oder entwickeln sich später nicht in dem Maße, wie man es sich vielleicht zu Beginn erhofft hatte. Das muss im Zweifelsfall auch gar nichts mit der Qualität der Darstellerin oder des Darstellers zu tun haben.

Heute stelle ich euch drei dieser Figuren vor, die mich ganz persönlich genervt und frustriert haben.

Trinker, Verräter & zielloser Kämpfer

Clive Standen erhielt in Vikings die Rolle des Ragnar-Bruders Rollo. Der sympathische, äußerst attraktive und schauspielerisch überzeugende Brite war zuvor insbesondere in drei Episoden aus Doctor Who aufgefallen.

Was die Geschichte seiner Figur in Vikings angeht, konnte man sich von Beginn der Serie aber leider an Seifenopern erinnert fühlen. Rollo war mal der starke Wikinger, der aufrecht an der Seite seines Bruders stand, dann der intrigante Verräter, der Ragnar in den Rücken fiel. Am einen Tag war er stark, mutig und voller Würde, dann wieder der weinerliche Alkoholiker, der lieber sterben wollte, als für seine Ziele aufzustehen.

Clive Standen mühte sich redlich und durchaus erfolgreich, all diese viel zu oft wechselnden Facetten darzustellen, muss sich dabei aber fraglos auch wie im falschen Film vorgekommen sein. Seiner Figur fehlte jeglicher Plan oder ordnende Hand.

Spätestens als Rollo dann noch versuchen musste, in Paris Fuß zu fassen, wurde er dramaturgisch zum Kasper degradiert. Das mag zwar durchaus beabsichtigt gewesen sein, stand der Figur aber einfach gar nicht gut zu Gesicht.

Die Autoren hatten offenbar von Anfang an keine Idee, was sie mit Rollo machen wollten. Sie schickten ihn nach Belieben hin und her, ließen ihn Stimmung und Gesinnung wechseln wie Unterwäsche und machten aus dem zunächst stolzen Krieger schließlich eine Witzfigur. Armer Clive Standen, der so viel mehr aus der Figur hätte herausholen können.

Ewiger Retter mit Strickpullover

Beginnen wir mit ein paar positiven Vorbemerkungen: Es war grundsätzlich eine sehr gute und lobenswerte Idee, ein Kind (und sogar den Sohn eines Offiziers) zum Teil des Casts der zweiten Star-Trek-Realserie zu machen. Man gab damit Dr. Crusher eine gelungene Backstory und viel Potenzial für zukünftige Geschichten an die Hand und verband all das sogar noch mit der Figur des neuen Captains.

Auch war Will Wheaton, der bereits in Stand by me stark aufgespielt hatte, eine sehr gute Wahl für die Figur des Wesley Crusher. Dass dieser sogar noch nach Eugene Wesley „Gene“ Roddenberry benannt wurde, war die Cocktailkirsche auf dem Kuchen.

Dann jedoch begann die Serie und zeigte uns ein kleines Genie, das bei jeder Gelegenheit das Schiff übernehmen oder retten durfte, altklug daherredete, die Karriereleiter emporhechtete und in seiner oberlehrerhaften Genialität einfach nur nervte. Wesley war nie ein Kind. Von Beginn an musste er etwas Besonderes sein und alle beeindrucken. Das machte aus ihm einen Pseudo-Erwachsenen und verwehrte der Serie viele altersangemessene Geschichten und seiner Mutter letztlich ebenfalls Futter für Entwicklungen.

Dass Wheaton in der vierten Staffel und nach 83 Episoden die Serie verließ, war zwar seine eigene Entscheidung, in der Summe aber nur das Eingeständnis, dass die Figur nicht funktioniert hatte und die Flucht vor den vielen negativen Kommentaren der Fans. Seine Auftritte nach diesem Zeitpunkt waren zwar unterhaltsam, zeigten aber ein ähnliches Problem: So rettete er in schon in The Game (Gefährliche Spielsucht) direkt wieder das Schiff.

Viel besser gelang das Experiment übrigens später in Star Trek: Deep Space Nine, als man Jake Sisko einfach nur einen ganz normalen Jungen sein ließ und in The Orville, wo Dr. Finn als alleinerziehende Mutter ihre Sorgen mit Ty und Marcus hat, die einfach nur typische Heranwachsende sind und für einigen Trubel sorgen.

Will Wheaton und seinem Wesley Crusher blieb all das vorenthalten, weil man unbedingt ein Wunderkind in der Serie haben wollte, das letztlich aber nicht glaubhaft war, noch besonders viele Sympathiepunkte gewinnen konnte. Wer mag schon unfehlbare Streber?

Intrigantin, Geliebte, Ehefrau & Zicke

Sarah Wayne Callies kann wirklich nicht von sich behaupten, viel Glück mit ihren Rollen zu haben. Sowohl in Prison Break (als Dr. Sara Tancredi) als auch später in The Walking Dead (als Lori Grimes) erlebte sie ein Muster, das wirklich unschön war.

In Prison Break war ihre Hintergrundgeschichte durchaus interessant gewesen. Sie hatte eine Drogensucht hinter sich gelassen und in ihrem Job als Gefängnisärztin einen neuen Sinn gefunden. Auch ignorierte sie das Flirten von Michael Scofield zunächst noch.

Immer mehr jedoch verfiel sie dem charismatischen Häftling und wurde von den Autoren im Verlauf der Serie zum Anhängsel ihres Freundes degradiert, anstatt dass man aus Sara Tancredi auch weiterhin eine starke und eigenständige Figur gemacht hätte. Doch dafür fehlte es insbesondere den Drehbüchern einfach an Qualität.

In The Walking Dead erhielt sie die Rolle der Lori Grimes an der Seite des Protagonisten Rick. Lori hatte ihren Mann nach dem Ausbruch der Seuche jedoch zunächst aufgegeben und eine Beziehung mit dessen besten Freund Shane begonnen. Nachdem ihr Mann dann wieder auftauchte, begann ein Liebesreigen, der ihrer Figur nicht gut zu Gesicht stand.

Auch verhielt sie sich in verschiedenen Situationen äußerst meinungsflexibel, wechselte die Seiten, spielte ihre Mitmenschen gegeneinander aus und intrigierte hinter deren Rücken. Lori Grimes redete zu viel, lästerte zu viel und war weder als Mutter von Carl noch als Partnerin von Rick wirklich überzeugend geschrieben. 

In beiden Fällen kann und darf man Sarah Wayne Callies aber keinen Vorwurf machen. Sie wurde schlicht zum Opfer der Drehbuchschreiber, denen es nicht gelang, überzeugende Figuren zu schreiben.

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Headwriter und Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch Es lebe Star Trek ist auch der Auftakt seiner Jugendbuchreihe Ein Fall für die Patchwork Kids erschienen. Dazu läuft mit Beyond Berlin seine erste eigene Science-Fiction-Reihe, die es als Print, Ebook und Hörbuch, gelesen von Synchronsprecher und TV-Mann Benjamin Stöwe, zu kaufen gibt. Sein Podcast Planet Trek fmbehandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Zudem liest er Hörbücher (Der Earl von Gaudibert, Q sind herzlich ausgeladen) und ist als Moderator auf verschiedenen Events im Einsatz.