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Wann ist ein Mann ein Knight? Die Geschichte einer absoluten Kultserie

Knight Rider – Ein Mann und sein Auto kämpfen gegen das Unrecht.” Ein Satz, der sich in die Gehörgänge vieler Genrefans eingebrannt hat. Ein Portrait der Kultserie zum Start der Neuauflage bei SYFY.

David Hasselhoff als Michael Knight in Knight Rider

In love with Knight

Star Lord liebt David Hasselhoff - diese Enthüllung samt Cameo aus "Guardians of the Galaxy Vol.2“ war nicht nur einer der besten Gags des Films, sie zeigt auch eine Wertschätzung für einen Schauspieler samt Alter Ego Michael Knight, die absolut verdient ist.

Heutzutage kennt man David Hasselhoff am ehesten für die ihm oft zu Unrecht angedichtete Behauptung, er habe die deutsche Wiedervereinigung herbeigeführt, sein trauriges Burger-Video bei Youtube oder Gastauftritte in Werken wie "Piranha 2“, "Sharknado“, dem "Baywatch“-Reboot oder eben bei den Guardians und seinem größten Fan Star Lord alias Peter Quill.

Dabei liegen seine größten Erfolge schon eine Weile zurück und gelten bis heute zurecht als Welthits. "Baywatch“ lief von 1989 bis 2003 mit 243 Episoden in 11 Staffeln und einem Reunion-Film in vielen Ländern und erreichte Kultstatus. Dazu gab es sogar noch den kurzlebigen Ableger "Baywatch Nights“.

The one and only Knight

Für Genrefans interessanter war jedoch immer seine Rolle als Michael Knight im Auftrag der Foundation für Recht und Verfassung - mit seinem sprechenden Wunderauto KITT.

"Knight Rider" entstand 1982 nach einer Idee von Glen A. Larson für NBC. Larson steht für unzählige Hits wie "Kampfstern Galactica“, "Buck Rogers“, "Magnum“, "Quincy“ oder "Ein Colt für alle Fälle“.

In "Knight Rider“ stand Hasselhoff als ehemaliger Polizist Michael Long im Mittelpunkt. Nach seinem vermeintlichen Tod rekrutierte ihn die Organisation von Devon Miles (Edward Mulhare), stattete ihn mit einem neuen Nachnamen und einem technisch einmaligen Auto aus, und schickte ihn in den Kampf gegen Verbrechen und Korruption.

In vier Staffeln und 90 Episoden mussten Michael Knight und KITT (Kurzform für Knight Industries Two Thousand) oft an oder über die Grenze gehen, konnten aber regelmäßig den Schwachen helfen und somit das Recht wiederherstellen. Obwohl das Auto, ein schwarzer Pontiac Trans Am mit Humor, der eigentliche Star war, punktete Hasselhoff mit Lederjacke, Charme und coolen Sprüche. Dass die Serie schauspielerisch kaum etwas von ihm verlangte, ist dabei nur zweitrangig. Hasselhoff war Knight und wenn er in seine Armbanduhr sprach und „Ich brauch dich Kumpel“ sagte, glaubte man ihm - wie albern es auch war.

Erst fünf Jahre nach dem Ende der Serie gab es dann einen Nachschlag. Doch entfernte man sich in "Knight Rider 2000“ so sehr von der Grundidee, wechselte das Auto zu einem roten Dodge Stealth (dem sogenannten Knight 4000) und veränderte den Look so stark, dass die Fans ausblieben. Dabei hatte man mit diesem Fernsehfilm eigentlich testen wollen, ob es Bedarf an einer Neuauflage gab. In dieser Form war dem offenbar nicht so. Hasselhoff und Mulhare tauchten zwar im Film auf, doch waren beide zum damaligen Zeitpunkt nicht an einer Mitwirkung in Serienform interessiert. Das Projekt wurde zu den Akten gelegt.

Erneute sechs Jahre später war es dann wieder an Mastermind Glen A. Larson persönlich, für eine Fortsetzung zu sorgen. Mit "Team Knight Rider“ erweiterte er das Konzept, verteilte die Handlung auf mehrere Hauptfiguren und neue abwechslungsreiche Fahrzeuge. In der letzten von 22 Episoden der ersten Staffel sah man sogar Michael Knight kurz von hinten. Hier hätte es durchaus vielversprechende Möglichkeiten gegeben. Eine Fortsetzung blieb jedoch aus und erneut war ein Versuch gescheitert, den Kult wiederzubeleben.

Nun entstand eine längere Pause. Doch zehn Jahre nach dem Ende des "Team Knight Rider“ traute man sich erneut an einen Fernsehfilm, der als Backdoor-Pilot für eine Neuauflage der Ur-Serie dienen sollte. Hier schickte man Justin Bruening alias Mike Traceur und später Michael „Mike“ Knight in die Schlacht, stellte ihm KITT als schwarzen Ford Shelby GT500 an die Seite (hier stand das Kürzel sinnigerweise für Knight Industries Three Thousand) und erlaubte Hasselhoff einen Mentorenauftritt als Michael Knight, der zeigte, dass er auch gleichzeitig der Vater von Traceur war. Mit Val Kilmer besetzte man sogar die reine Sprechrolle als KITT äußerst prominent.

Der Fernsehfilm erreichte eine starke Reichweite und wurde prompt in Serie geschickt - allerdings ohne Hasselhoff. Aus den zunächst angedachten 22 Episoden wurden allerdings nur 17, die Einschaltquoten halbierten sich rasch und unter der finanziellen Schieflage bei NBC und Ford beendet man die Serie schließlich erneut nach nur einem Jahr. Dabei hatte man den Ton des Originals hier eigentlich am besten getroffen: Ein attraktiver, junger Held mit einem coolen Auto an vorderster Front gegen das Verbrechen. Die Episoden blieben abwechslungsreich, der Humor geriet fast zu oldschool und man griff sogar Themen wie KARR, den bösen Gegenspieler aus der Originalserie wieder auf.

Die Neuauflage von "Knight Rider" spielte somit in vielen Punkte die Stärken der Originalserie aus und wusste durchaus zu unterhalten, wenngleich vieles auch zu banal blieb und schon 2008 wie aus der Zeit gefallen wirkte. Doch gab es abseits der angesprochenen finanziellen Sorgen hinter den Kulissen noch andere Gründe für das Scheitern?

Knight Core

Dazu müssen wir uns ein wenig mit der Hauptfigur beider Serien befassen.

Was macht diesen Mann eigentlich aus, um den der Kult entstanden ist? Michael Knight ist vor allem eines: Einer der Guten. Er hat immer das Schicksal der Schwachen im Blick, hilft wo er kann und geht dabei auch jeden noch so steinigen Weg. Er schlüpft in verschiedene Rollen, ermittelt undercover und im Notfall darf es auch mal eine zünftige Schlägerei sein.

Liebeleien mit den meist attraktiven Töchtern, Ehefrauen oder Geschäftspartnerinnen ziehen sich ebenso durch die Episoden wie seine lässigen Sprüche. Somit entspricht er eindeutig dem Heldenbild der 60er bis 90er Jahre, in dem ein einziger Mann den Unterschied machen kann und dabei auch noch viel Spaß hat. Hier gibt es von Captain Kirk über Thomas Magnum bis zu Colt Seavers eine Vielzahl von Prototypen, in deren Gesellschaft Knight sich nicht verstecken muss.

Dass die verschiedenen Wiederbelebungsversuche erfolglos waren, ist daher auch letztlich keine reine Qualitätsfrage sondern dem Zeitgeist geschuldet. Anfang der 80er Jahre war das Network-Fernsehen den 60ern und frühen 70ern näher als den 90ern. Serien, die in dieser Zeit entstanden, folgten bestimmten Mustern, brachten eine gewisse Dramaturgie oder einen Humor mit sich, der schon zehn Jahre später antiquiert wirkte. Auch Formate wie das in den 80ern mehr als beliebte "ALF" schafften nie den Transit über diese Schwelle, obwohl es auch dort immer wieder Versuche oder den Wunsch einer Wiederbelebung gab.

Vielleicht versuchte man mit den Neuauflagen bei "Knight Rider“ auch einfach zu sehr, sich von der Originalserie zu entfernen. Da Hasselhoff lange Zeit kein Interesse an einer längerfristigen Teilnahme hatte, waren vielleicht auch die gewählten Zeitpunkte nicht die richtigen.

Würde eine Serie, die Hasselhoff in den Mittelpunkt stellt, KITT in der Urform zurückbringt und einzig im Drumherum einige Anpassungen an moderne Sehgewohnheiten vornimmt aber heute überhaupt noch funktionieren? Ist die Einsamer-Held-Schiene noch zeitgemäß und kann man der heutigen Generation ein sprechendes Auto von vor über dreißig Jahren noch verkaufen? Man darf nicht vergessen: Seit den ersten Episoden sind bereits satte 35 Jahre vergangen.

Future Knight

Bereits seit einigen Jahren ist bekannt, dass Justin Lin ("The Fast and the Furious“, "Star Trek Beyond“) an einem Remake der Serie mit Hasselhoff in Filmform arbeitet. "Knight Rider Heroes“ soll damit aber weder ins Kino kommen, noch im TV laufen, sondern über einen gänzlich neuen Vertriebsweg via Youtube das Licht der Welt erblicken. Aktuell sind jedoch seit geraumer Zeit keine neuen Informationen mehr dazu zu finden - ist das Projekt längst eingestellt oder wird im Geheimen noch gearbeitet? Man wird abwarten müssen.

Auch Gerüchte über weitere Neuauflagen sind immer wieder zu lesen, doch auch an dieser Front ist bisher nichts in trockenen Tüchern. Zuletzt befeuerte Hasselhoff selber die Gerüchte, als er eine neue Serie mit "Guardians of the Galaxy“-Regisseur James Gunn in Aussicht stellte, die ihn unter Umständen in eine Art Devon-Rolle bringen würde - zumindest wenn es nach dem Star selber geht.

Eines scheint aber ziemlich sicher zu sein: Wir haben noch nicht das Letzte von diesem Franchise gesehen. Ein Mann und sein Auto werden wieder gegen das Unrecht kämpfen. Hand drauf.

Für den Moment freuen wir uns aber auf die 18 Abenteuer mit Mike Knight und KITT - ab dem 9. Oktober 2017, immer montags, ab 20:15 bei SYFY.