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Wie passen die Agents of S.H.I.E.L.D. ins Marvel-Universum?

Die Macher der Serie Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D., zu denen unter anderem der damalige Avengers-Regisseur Joss Whedon und sein Bruder Jed gehörten, hatten ehrgeizige Ambitionen für ihr neues TV-Baby, als die Serie begann. Vielleicht zu ehrgeizige. Unser Björn Sülter hat sich einmal angeschaut, wie alles zusammenpasst und ob die Serie sich lohnt.

Präsentiert von: Björn Sülter


Die Action-, Comic- und Agentenserie, die ebenfalls im übergeordneten Marvel-Universum spielt, sollte sich nahtlos an das Kino-Universum anschmiegen. Sogar wiederholte Gastauftritte von Robert Downey Jr. alias Tony Stark (Iron Man) und Chris Evans alias Steve Rogers (Captain America) waren angedacht.

Der Zeitpunkt für die Serie eignete sich im Grunde auch perfekt: Marvel befand sich auf einem ungeahnten Höhenflug und der erste Avengers-Film war ein riesengroßer internationaler Erfolg. Die Fans (und eigentlich alle Kinozuschauer) gierten nach mehr. Mehr Superhelden, mehr Marvel, am besten immer und überall. Und wenn der Verlag und das Studio auch noch das Fernsehen mit qualitativ hochwertigen Serien füllen könnte, die genauso viel Spaß mit sich brächten, würden die Fans wahrscheinlich genau das bekommen.

Sicherlich, Marvel-Filme feiern noch heute große Erfolge, dennoch hat sich die Zuschauerschaft an den Auftritts-Rhythmus der Superhelden im Kino gewöhnt. Die Fernsehserien auf den verschiedenen Sendern und Streamingdiensten haben sich allerdings nie richtig im kulturellen Gedächtnis verankert und erst recht nicht für so viel Diskussionsstoff gesorgt. Dabei haben die Agenten von S.H.I.E.L.D. durchaus viel getan, um Teil dieser größeren Konversation zu sein. Wie erging es ihnen jedoch mit ihrem ambitionierten Vorhaben? Und viel wichtiger: Wie ergeht es ihnen heute?

Fan-Service sucht eigene Identität

Eine der wichtigsten Vorhaben der Serie war es, die beliebte Figur des Agent Coulson, der im ersten Avengers-Film sein Leben aushauchte, wieder zum Leben zu erwecken. Coulson war seinerzeit selbst ein wandelndes Easter Egg, der von einem Film zum nächsten hüpfte und unseren Helden immer einen kleinen Tritt in den Hintern gab, den sie benötigten, um ihr Schicksal zu erfüllen. Der Hintergrund seiner Wiederauferstehung war das große Geheimnis der ersten Staffel und wurde letztendlich etwas ungelenk und mit jeder Menge Faux-Marvel-Wissenschaft aufgeklärt. Gleichzeitig verschärften die Macher aber auch den Ruf, der Marvel bis heute anhaftet. Nämlich, dass viele Handlungen für die beliebten Hauptfiguren kaum Konsequenzen haben.

Die Serie beginnt also kurz nach dem ersten Avengers-Film. Innerhalb der ersten Staffel wurden zwei weitere Marvel-Filme veröffentlicht. Die achte Episode der ersten Staffel spielt kurz nach den Ereignissen des Films Thor: The Dark World.

Nachdem die Agententruppe zunächst von einem Fall zum nächsten wanderte und am besten als Akte X des Marvel-Universums beschrieben werden konnte, brachte das Ende der Staffel zum ersten Mal richtig aufregende Wendungen mit sich. Hier kamen nämlich die Auswirkungen zum tragen, welche die Ereignisse in Captain America: The Winter Soldier mit sich brachten. Schließlich stellte sich auch für das Team von Agent Coulson heraus, dass sich jede Menge Hydra-Doppelagenten in der eigenen Mitte befanden, unter anderem auch der hauseigene Agent Ward (Brett Dalton). Fortan mussten die Karten neu gemischt werden. Die S.H.I.E.L.D.-Erzählung entwickelte sich in eine etwas düstere, aber auch interessantere Richtung, bewahrte sich gleichzeitig jedoch ihren humorvollen und heiteren Ton.

Langsame Emanzipation

Abgesehen von ein paar Gastauftritten aus den Filmen von Schauspielern wie Samuel L. Jackson als Nick Fury und Sif-Darstellerin Jamie Alexander, die sich sonst in den Thor-Filmen herumtrieb, fanden kaum noch prominente Besuche statt. Vielleicht auch, weil sich andere Hollywood-Größen ihre Cameos mit etwas mehr Geld hätten entlohnen lassen, als im Budget vorhanden war. Trotzdem konnte die Serie eine illustre Besetzung aus interessanten, manchmal schrulligen Figuren zusammentrommeln. Serien, Figuren und Schauspieler benötigten eine Weile, bis sie einen festen und soliden Stand im Marvel-Universum fanden. Die direkten Beziehungen zur Kino-Timeline ließen allerdings ebenfalls nach. Das machte allerdings nicht unbedingt viel aus, denn die Serie musste sich letztlich emanzipieren, um überhaupt überleben zu können.

Immerhin hatte Cobie Smulders alias Maria Hill in der zweiten Staffel einen Auftritt, um zu erklären, warum ein Helicarrier am Ende des zweiten Avengers-Abenteuers auftauchte. Leider handelte es sich tatsächlich nur um wenig mehr als einen Cameo-Auftritt des Stars aus How I met your mother. Die Ereignisse des Captain-America-Films Civil War wurden in der Serie dagegen höchstens in einem Nebensatz erwähnt und besaßen keineswegs eine Tragweite, die andere Filme auf die Serie ausübten. Explizit sind diese Bezüge also schon lange nicht mehr. Mal wird hier und mal dort ein bekannter Name fallen gelassen. Das kann man als Zuschauer beklagen oder begrüßen – Tatsache ist, auch eine Serie, die im Marvel-Universum spielt, kann nicht rein vom Fanservice leben. Das könnte sich mit Avengers: Infinity War und der fünften Staffel von Agents of S.H.I.E.L.D. jedoch bald wieder ändern. Denn es ist kaum vorstellbar, dass ein derart großes Ereignis und der durch Thanos in die Tat umgesetzte Plan keinerlei Auswirkungen auf die Agenten haben werden.

Eventuelle Spoiler

Eines ist schon einmal sicher: Die bereits in den USA ausgestrahlten letzten Episoden der Staffel nehmen wieder direkten Bezug auf das große Kino-Crossover-Ereignis. Auch Showrunner Jed Whedon bestätigte bereits in einem Interview, dass durchaus Grund zur Sorge um die eine oder andere Hauptfigur bestehen darf. Gleichzeitig bedeutet das vielleicht, dass es auch in der Marvel-Serienwelt einige Personalveränderungen geben könnte. Wie das genau aussehen wird, kann bereits in englischsprachigen Medien nachgelesen werden, soll aber an dieser Stelle noch nicht verraten werden. 

Trotz ihrer holprigen Anfänge werden Kontinuitätsfanatiker und Komplettisten wohl nicht an der Serie vorbeikommen. Wer sich allerdings alles noch in der richtigen Reihenfolge anschauen möchte, hat sich sicherlich kein einfaches Ziel gesetzt, das aber nicht vollkommen unmöglich ist. Schließlich ist das meiste für das Heimkino erhältlich. Mehrere Wochenenden und vielleicht einen Urlaub sollten ambitionierte Zuschauer dennoch bereit sein, zu opfern. Auch wenn Agents of S.H.I.E.L.D. die eingangs ambitionierten Ziele nicht unbedingt erfüllen konnte, handelt es sich weiterhin um ein interessantes Experiment, welches das kleine TV-Universum mit dem großen Bruder verbindet.

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

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