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Xena: Eine Liebeserklärung an Callisto

Heute gehen wir einmal der Frage nach, warum Callisto aus Xena eine der größten Antagonistinnen im Genre ist.

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Xenas Geschichte handelt von Schmerz, Herzeleid, Verrat und letztendlich Erlösung. Ihr erster Auftritt in Hercules zeigte eine Frau, die bereit dazu war alles zu geben, um auf ihrem Weg zu bleiben. In der ersten Folge ihrer Solo-Serie hingegen erlebten sie die Zuschauer durch ihre Begegnungen mit Hercules und Iolaus drastisch verändert und nunmehr auf der Suche nach Vergebung für ihre Verfehlungen in der Vergangenheit. Ursprünglich gerissen und überzeugt im Dienst des Bösen unterwegs, ist die titelgebende Kriegerprinzessin zu Beginn ihrer eigenen Serie müde, beschämt und um ein besseres Leben bemüht.

Nun ist Vergebung eine facettenreiche Angelegenheit, und zu Xenas Verbrechen gehörten auch das Plündern und Morden. Dies hatte Auswirkungen in ihrer Welt, die sich nicht auslöschen ließen. In der ersten Staffel treffen wir Callisto, die Verkörperung allen Übels durch Xenas Überschreitungen: Ein junges Mädchen traumatisiert durch den Verlust ihrer Familie durch Xenas Armee, die sich schließlich zu einer Kriegerin gleichen Kalibers entwickelte; nur um sicherzustellen, dass Xena niemals in der Lage dazu sein würde, ihre Verbrechen zu vergessen. Der Umstand, dass Callistos Zorn völlig gerechtfertigt ist, macht sie so bedrohlich und ist ein Schlüsselelement dafür, dass sie nicht nur eine der größten Gegnerinnen in der Serie selbst, sondern im gesamten Genre ist.

Willkommen im Club!

Am Anfang war Callisto nur ein junges Mädchen in der Stadt Cirra. Über ihr dortiges Leben ist nicht viel bekannt, aber wir wissen, dass ihr Vater, ihre Mutter und ihre Schwester Xenas Invasion der Stadt zum Opfer fielen. Jahre später versucht Gabrielle, den Grund für Callistos Taten zu ergründen. Callisto erklärt ihr, dass sie absolut nichts mehr fühlen kann und erklärt Gabrielle: „Stell dir mal vor, du seist noch ein kleines Kind und alles, was du hast, sind deine Mutter und deine Geschwister. Und du kennst nichts anderes als Liebe und Vertrauen zu ihnen. Dann… töte sie!“

Der Fakt, dass Xenas Verbrechen Callistos Leben komplett ruiniert haben, steht außer Frage, und in der Folge macht sich Callisto selbst zur ebenso brutalen Mörderin, die Xena einst war. Obwohl beide ähnlicher Herkunft sind und Kriegsherren ihre Familien ausgelöscht haben, wurden beide zu von Rache erfüllten Ungeheuern in ihrer jeweiligen Zeit. Während Xena versucht, aus diesem Kreislauf auszubrechen, ist Callisto immer bereit dazu, sie wieder zurückzuholen.

Ärger ist unterwegs

Callistos erster Auftritt in Xena – Die Kriegerprinzessin erklärt, wer sie ist und woher sie kommt. Obwohl Xena versucht, Abbitte zu leisten und das Gespräch sucht, reagiert Callisto mit nichts anderem als Zorn. Die Menschen, denen Callisto geschadet hat, fordern ihren Kopf, und Xena versucht, sie zu schützen, worauf Callisto entgegnet: „Wenn du mich wirklich gehen lässt, dann werde ich mein Leben damit verbringen, all das in den Staub zu treten, was du liebst! Deine Freunde, deine Familie, deinen Ruf, sogar dein Pferd! Weißt du, warum ich so ehrlich zu dir bin? Weil der Gedanke, dass du Mitleid mit mir hast, für mich schlimmer ist als der Tod! Du siehst, du hast ein Wesen geschaffen, das dazu steht, ein Ungeheuer zu sein! Das macht dir Angst, nicht…?“

Xena ringt mit Schuld und Reue wegen ihrer Taten, und es gibt keine einfache Erklärung für das moralische Dilemma, das Callisto anprangert. Auch als Xena Callisto befreit, tötet sie weiter. Tötet sie ihrerseits Callisto, stünde dies ihrer eigenen Wandlung entgegen. Schließlich versucht sie, die gegnerische Kriegerin gefangen zu setzen, doch Callisto entkommt und tötet hasserfüllt Gabrielles Ehemann. Als Callisto in Treibsand gerät, zieht Xena ihre Hand zurück und verweigert ihre Hilfe. Doch selbst in der Unterwelt existiert Callisto als Verkörperung der Verbrechen Xenas weiter. Durch einen Handel mit Ares übernimmt sie gar für eine gewisse Zeit Xenas Körper. Obwohl sich Xena auch aus dieser Misere befreien kann bleibt offensichtlich, dass Callistos Wille, alles zu vernichten, das ihre Gegnerin liebt, nicht geschwunden ist und niemals wird, auch im Tode nicht.

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Wahl des Vergessens

Zunächst macht Callisto deutlich, dass sie alles dafür tun wird, Tartaros zu entkommen und schließt sogar ein Abkommen mit Hera zur Bekämpfung von Hercules. Am Ende kann sie beinahe ihre Erlösung erfahren, doch Hercules kämpft weiter gegen sie, da er ihren Sinneswandel nicht erkennt und sie dadurch zurück in ihre alte Wut treibt. Bei anderer Gelegenheit bietet Xena Callisto ihre Unterstützung im Kampf gegen die verbitterte unsterbliche Amazone Velasca an: Dies endet damit, dass sich beide auf einem Steg über glühender Lava belauern. Natürlich ist auch dies noch nicht Callistos Ende, und sie kehrt verbündet mit Gabrielles dämonischer Tochter Hope wieder zurück.

Als Callisto sowohl die Unsterblichkeit als auch die Macht erhält, Götter zu töten und widerstrebend in das griechische Götter-Pantheon aufgenommen werden soll, murmelt sie: „Ich würde in keinem Club sein wollen, der mich als Mitglied nehmen würde!“. Anschließend ersticht sie den niederrangigen Gott Strifus. Sie benutzt ihre neugewonnenen Kräfte dazu, um in die Vergangenheit zu reisen und zu versuchen, den Tod ihrer Familie zu verhindern. Doch ihr Zorn ist zur selbsterfüllenden Prophezeiung geworden: Beim Versuch, sie zu retten, tötet sie sie stattdessen selbst und lässt ihr am Boden zerstörtes jüngeres Selbst ebenso taumelnd in dem kriegsgebeutelten Dorf zurück wie einst Xena. Dadurch verliert Callisto jeden Mut und wünscht sich nur noch das Ende ihrer Existenz. Xena versucht, ihren Wunsch zu erfüllen, sie zu töten, doch Callisto kehrt immer wieder zurück.

neue Welt, alte welt

Die Dinge werden noch komplizierter, nachdem Callisto in der Episode Die Iden des März an der Tötung von Xena und Gabrielle beteiligt war. Im Jenseits trifft Xena auf eine dämonische Callisto und kämpft gegen sie. Schließlich opfert Xena ihre eigene Unsterblichkeit um die von Callisto zu bewahren. Diese erscheint plötzlich als Engel und hat den Hass verloren, der ihr Leben so lange bestimmt hat. Als Xena später auf geheimnisvolle Weise schwanger wird erfahren wir, dass Callisto dies durch ihre geistigen Kräfte bewirkt hat: Nach allem, was sich die beiden gegenseitig genommen haben, will sie ihr nun etwas geben. Ein seltsames Ende einer seltsamen Geschichte. Auch Xenas Tochter, die durch übernatürliches Wirken in die Welt gekommen ist, leidet unter dem Kreislauf der Gewalt, der vor so vielen Jahren entstand.

In einer Serie, die von einer Suche nach Erlösung handelt, ist Callisto ein wichtiges Gegenargument und verdeutlicht, dass Vergebung sehr viel komplizierter ist und viel länger dauert, als wir es uns wünschen. Während viele Charaktere mit ihren sprichwörtlichen Dämonen ringen, ist Callisto stets der greifbare lebende Beweis für alles Leid, das Xena in ihrem Leben verursacht hat. Bei ihren häufigen Auftritten in Xena – Die Kriegerprinzessin lehrte Callisto unsere Helden vielerlei Lektionen. Die Lehre für Gabrielle war, dass manche Menschen nicht erlöst werden wollen und dass Vergebung manchmal nicht demjenigen nutzt, der verletzt hat, sondern sich selbst. Xenas Lektion hingegen lautet, dass manches zwar nicht wirklich vergeben werden kann, doch dass man deswegen niemals damit aufhören sollte, auf dem Weg nach vorn weiterhin das Richtige tun zu wollen.

Doch bei alledem lernte Callisto selbst die schmerzhaftesten Lektionen in der Serie: Als sie hinter das blickte, was Xena einst getan hatte, blieb allein sie verantwortlich für ihre Taten, und das Blut, das sie vergossen hatte, klebte einzig und allein an ihren eigenen Händen.

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Dieser Artikel wurde von Thorsten Walch von Moin Moin Medien im Auftrag von SYFY.de übersetzt.

Der Originalartikel stammt von SYFY.com und wurde von Sara Century geschrieben.

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