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Zurück in die Zukunft: Liebeserklärung an Doc Brown & Marty McFly

Die drei Teile der Filmreihe Zurück in die Zukunft unter der Regie von Robert Zemeckis gelten bei vielen Filmfans als Kult und machten Michael J. Fox in den 80er-Jahren endgültig zum Shootingstar. Zur erneuten Ausstrahlung der Trilogie auf SYFY hat Björn Sülter einmal seine Gefühle für die Reihe zusammengefasst.

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Eine Liebeserklärung

Beginnen wir mal mit einem Griff in die älteste Klischeekiste. Fragt man Frauen nach ihren Lieblingsfilmen, legt man besser Taschentücher in Reichweite. Zumindest, wenn man aus der schlichten Position eines Mannes denkt. Wie in Schlaflos in Seattle zu sehen war, reden sich Frauen geradezu in Rage, wenn sie die schönsten Momente ihrer Favoriten nacherleben und -erzählen. Und genau wie in diesem Film zu bestaunen ist, stehen wir Männer (so das Klischee weiter) oft nur daneben und schauen verschämt in unsere Bierflasche.

Ganz so ist es in der Realität natürlich nicht. Dennoch gelten Filme wie Frühstück für Tiffany, Ein Herz und eine Krone, Pretty Woman, Dirty Dancing oder die Sissi-Reihe als emotionales Gold und dürften viele weibliche Filmfans mehr geprägt haben, als die männlichen.

Man sollte sich jedoch nicht täuschen: Es gibt sie auch im Leben eines Mannes, diese Filmmomente, die das ganze Leben verändern können. Viele Jungs der 70er-Jahre sind bestimmt mit Star Wars, Alien, Captain Future oder Star Trek groß geworden und haben durch diese eine Leidenschaft für die Phantastik entwickelt. Spätere Semester konnten alternativ durch eine Serie wie The X-Files ihre Schwäche für verrückte Stoffe entdecken. Dass auch viele weibliche Fans der Phantastik frönen und diese Filme und Serien lieben, erklärt sich von selbst. Doch bewegen wir uns hier immer noch tief im Klischee.

Beim Autor dieser Zeilen jedoch war neben diesen tollen Genre-Beiträgen eine weitere Filmreihe ausschlaggebend, die die dafür im ersten Moment vielleicht gar nicht prädestiniert erscheint.

Es handelt es sich um die Abenteuer von Michael J. Fox alias Marty McFly und Christopher Lloyd in der Rolle des Doctor Emmett Brown, die gemeinsam mit ihrem fliegenden DeLorean und Hund Einstein durch die Jahrzehnte düsten, um die Zeitlinie zu reparieren.

"Die angemessene Frage lautet: WANN zum Geier sind sie?!“

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Duo Infernale

Marty ist dabei der typische Junge von Nebenan und somit Vorbild für eine ganze Jungs-Generation. Identifikationspotential gibt es genug: Die rebellische Ader (Skateboard, Musiker in einer Rockband, Stress in der Schule) oder die etwas peinlichen Eltern machen es leicht, sich in diesen Jungen hineinzudenken. Dass Michael J. Fox zwar die erste Wahl war, jedoch nur durch Veränderungen bei seiner Serie Familienbande überhaupt noch zur Besetzung stoßen konnte, stellte sich als absoluter Segen heraus. Zwar hätte sicher auch der zunächst verpflichtete Eric Stoltz eine gute Leistung abgeliefert, die Chemie zwischen Lloyd und Fox war jedoch von der ersten Sekunde an spürbar - und einmalig. Lloyds Doc Brown zeigte man dann auch nicht nur als verrückten Wissenschaftler (mit dem jeder Junge gerne Zeit verbringen würde), sondern eben auch als Vaterfigur oder väterlichen Freund.

„Marty, du musst dich daran gewöhnen vierdimensional zu denken!“

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Fluffige Perfektion

Doch leistete man auch bei den Nebencharakteren Maßarbeit. Ob mit den McFlys in Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft, den verschiedenen Biff-Tannen-Inkarnationen oder kauzigen Figuren wie Mr. Strickland; an diesen Stellen floss viel Herzblut in die Drehbücher. Und so hätte alleine schon der Cast die Fans locker durch drei Filme getragen, wenn da nicht noch der wunderbare Inhalt gewesen wäre.

Denn egal ob man sich für die Story zwischen 1955, 1985 und 2015 begeistert oder die ganzen kleinen Anspielungen und Running-Gags herausfischt, es gibt einfach keine verschenkten Momente. Und selbst wenn man ehrlich anerkennt, dass der dritte Film schwächer als die ersten beiden daherkommt, bleibt auch hier immer noch ein rasantes, spannendes, humorvolles Abenteuer mit einem wunderschön versöhnlichen Ende.

Denkt man heute beispielsweise an Szenen wie das Gewitter, Martys Performance von „Johnny B. Goode“, die erste Erkundung des Jahres 2015 oder Marty, der Docs Brief auf der Vergangenheit bekommt, ist Gänsehaut noch immer garantiert. Sogar beim Schreiben dieser Zeilen.

Zugegeben: Die Zeitreiselogik der Filme ist eher lässig als schlüssig. Das tat dem Spaß aber nie einen Abbruch, sondern führte sogar eher dazu, dass alles noch liebevoller wirkte.

"Im Jahre 1985 kann man Plutonium sicher problemlos in jeder Apotheke kaufen.“

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Für immer

Auch die Europa-Hörspiele mit den Originalsprechern durften bei vielen Fans damals nicht fehlen. Gleiches galt für die Computerspiele für den C64 oder Amiga sowie die Konsolenversion für die NES. Wir Fans liebten es einfach, in diese Welt einzutauchen und uns mit den Helden zwischen den Zeitebenen treiben zu lassen.

Heute sind Marty & Doc wie zwei alte Freunde, die man immer wieder gerne besucht. Ganz persönlich betrachtet habe ich vermutlich keine Filmreihe häufiger gesehen als diese. Und auch wenn ich immer gerne einen vierten Teil mit Fox und Lloyd genommen hätte, möge man bitte tunlichst von einem Reboot oder Spin-Off absehen. Die Zurück-in-die-Zukunft-Trilogie ist perfekt wie sie ist und auch heute noch gut für tolle Filmabende. Übrigens selbstverständlich für jedes Geschlecht und Alter.

Lieber Marty, lieber Doc,

danke für unzählige tolle Momente und das Anregen meiner Phantasie. Danke für drei filmische Wunder, die für mich immer unvergleichlich bleiben werden. Danke für den ganzen Spaß und die tollen Zitate. Bleibt gesund und denkt immer daran:

„Straßen? Wo wir hinfahren brauchen wir keine Straßen.“

Die Zurück-in-die-Zukunft-Trilogie läuft ab heute Abend um 20.15 Uhr an drei aufeinanderfolgenden Tagen auf SYFY.

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